Baubranche: Rückläufige Umsätze im 2015

Baubranche: Rückläufige Umsätze im 2015

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Der Bauindex der Credit Suisse und des Schweizerischen Baumeisterverbands prognostiziert auch für das dritte Quartal 2015 rückläufige Umsätze. Das Niveau im langjährigen Vergleich ist aber immer noch hoch. Fachleute reden deshalb eher von einer Konsolidierung.   

Der heute veröffentlichte Bauindex der Credit Suisse (CS) und des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV)  für das dritte Quartal hält fest, dass im laufenden Jahr nicht mehr so viel gebaut wird wie im rekordwürdigen Vorjahr. Vor allem der Wohnungsbau lässt etwas nach. Es gibt keine deutlichen Anzeichen für eine bevorstehende längere Baisse. Das kurz- bis mittelfristig schwieriger gewordene Umfeld bietet aber auch kaum grosse Perspektiven für ein signifikantes Wachstum. 

Bodenbildung auf (immer noch) hohem Niveau

Mit 127 Punkten erreicht der Bauindex den tiefsten Stand seit 2010. Für das 3. Quartal 2015 zeichnet sich ein saisonbereinigter Umsatzrückgang im Bauhauptgewerbe ab  –  von –1.9% gegenüber dem Vorquartal und von –10.2% gegenüber dem Vorjahresquartal. Vor allem  die Indexkomponente Hochbau verzeichnet gegenüber dem Vorquartal einen Rückgang von -4.3%. Beim Tiefbau zeigt sich dagegen eine leichte Erholung im Vergleich zum Vorquartal um +0.6%.

Gemäss dem CS/SBV-Bauindex dürfte das Jahr 2015 für das Bauhauptgewerbe deutlich weniger erfolgreich ausfallen als das Vorjahr. Die tiefen Zinsen dürften weiterhin eine unterstützende Wirkung entfalten – zusammen mit dem nach wie vor hohen Anlagedruck mangels anderer Alternativen in einem zunehmend verunsicherten wirtschaftlichen Umfeld.  Dies zeigt sich in einer immer noch hohen Dynamik beim Mietwohnungsbau.

Gesamtwirtschaftlich bewirkt der Frankenschock eine Eintrübung der Konjunktur. Das erwartete Wirtschaftswachstum für dieses Jahr von +0,8% (Vorjahr +2.0%) ist relativ bescheiden. Parallel dazu lässt die Dynamik von Beschäftigungs- und Bevölkerungswachstum nach. Angesichts bereits steigender Leerstände bei Wohn- und Büroflächen sehen sich Investoren folglich mit steigenden Risiken konfrontiert. Eine allmähliche Stabilisierung der Baukonjunktur kann für die Tourismusregionen erwartet werden, da das verabschiedete Zweitwohnungsgesetz den Zweitwohnungsbau zwar beträchtlich erschwert, aber nicht verunmöglicht. (mai/mgt)

Sparten im Detail

Hochbau: Rückgänge mit Lichtblicken
Der Hochbauindex reduziert sich zum Vorquartal um -4.3% bzw. -9.6% zum  Vorjahresquartal. Dabei verlieren im Vergleich zum Vorquartal sowohl der Wohneigentums- (–6.8%) als auch der Wirtschaftsbau (–4.7%). Leicht stabilisierend wirkt im 3. Quartal 2015 der öffentliche Hochbau, für den ein saisonbereinigtes Umsatzplus von 12.9% erwartet wird. Beim Wirtschaftsbau gibt es auf Grund des übersättigten Marktes für Büroimmobilien mittelfristig kaum Wachstumspotential. Dagegen kann der Wohnungsbau mit einer leicht positiven Entwicklung rechnen. Die Planungstätigkeit bei Renditewohnliegenschaften ist stark. Sie stehen angesichts der Negativzinsen noch immer hoch in der Gunst der Investoren. 

Ausserhalb der Zweitwohnungsgemeinden liegt die Zahl projektierter Wohneinheiten gemessen an den Baugesuchen im 1. Halbjahr 2015 mit +3.4% über dem Wert der Vorjahresperiode. In den Tourismusregionen dürfte sich die rückläufige Bautätigkeit im Verlaufe des Jahres auf tiefem Niveau stabilisieren.

Tiefbau weniger im Tief
Nach einem einjährigen Abschwung verzeichnet der Tiefbau-Index einen kleinen Anstieg um +0,6%. Im Vorjahresvergleich resultiert immer noch ein Minus von –10,7%. Die zuletzt leicht positive Entwicklung der Auftragseingänge spricht dafür, dass sich die Situation stabilisiert.  Zudem bleibt der Arbeitsvorrat auch im langjährigen Vergleich gross. Für den Tiefbau ist auch die leichte Verbesserung der Finanzlage der Kantone ein Lichtblick. Dazu hat nicht zuletzt auch die doppelte Gewinnausschüttung der Nationalbank an die Kantone beigetragen.

Gemäss der CS/SBV-Studie bleibt eine wichtige Umsatzquelle des Tiefbaus nebst dem Strassenbau der Ausbau der Bahninfrastruktur. Und dies auch nach dem Abschluss wichtiger Grossprojekte. So planen die SBB im Tessin im Zusammenhang mit der Eröffnung des Gotthardtunnels bis ins Jahr 2020 Investitionen von über CHF 1.5 Mrd. in Bahninfrastruktur, neue Bahnhöfe und Rollmaterial.

Ausbau Stagnation auf hohem Niveau
Der Ausbau-Index folgt dem Hochbauindex mit einer Verzögerung von zwei bis vier Quartalen. Mit einem Minus von –0,4% zum Vorquartal und –1,3% zum Vorjahresquartal spiegelt er eine Situation von vor einigen Monaten. In einigen Monaten dürfte sich die Situation im Hochbau auch auf den Ausbau niederschlagen.Die Entwicklung der Baugesuche für Umbauprojekte hat zudem im Vorjahresvergleich in den letzten zwölf Monaten wertmässig um -9.5% nachgegeben

Baupreise leicht rückläufig
Mit –0.7% im Vorjahresvergleich resultierte im ersten Halbjahr 2015 eine negative Baupreisteuerung. Damit liegt der Baupreisindex aktuell nur 3.1% über dem Stand von 2009. Aufgrund der geringen Preisbewegungen sind die Abweichungen zwischen realer und nomi- naler Indexentwicklung aktuell sehr klein. In den nächsten 12 Monaten ist weiterhin nicht mit steigenden Baupreisen zu rechnen. (mai/mgt)