Baubranche 2015: Wie geht es weiter?

Baubranche 2015: Wie geht es weiter?

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Die Seco-Experten sehen für die Schweizer Wirtschaft eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums von +1,8% im 2014, auf +2,1% im 2015.  Etwas verhaltener, aber durchaus positiv sehen es die übrigen Prognose-Institute mit einem Mittelwert von +1,6% für 2014 und +1,8% für 2015. Auch die Baubranche dürfte ein weiteres positives Jahr vor sich haben, getragen vom Wohnungs- und Wirtschaftsbau, weniger dynamisch beim Tiefbau. Dies zeigt die aktuelle Metaanalyse von Fahrländer Partner Raumentwicklung.

Die aktualisierten Metaanalyse Konjunktur vom Dezember 2014 von Fahrländer Partner stützt ihre Erkenntnisse auf alle wichtigen Indikatoren und Prognose-Institute in der Schweiz (Seco, KOF, CS, UBS, Créa, BAK).  Damit fliessen allfällige Prognosenausreisser einzelner Institute in einen mittleren Prognosewert, womit ein ziemlich verlässliches, breit abgestütztes Prognosebild entsteht. 

Der für 2014 bereits Mitte Jahr festgestellte etwas verhaltenere Konjunkturverlauf hat sich fortgesetzt. Er bleibt aber in einem sicheren grünen Bereich mit einem von Fahrländer Partner errechneten Potentialwachstum zwischen +1,6% und +1,8%. Die Teuerungsrate dürfte 2014, wie auch für 2015 um  +/–0% liegen. Und die Arbeitslosigkeit könnte sogar 2015/2016 auf unter 3% sinken. 

Der UBS-Konsumindikator registrierte für den Oktober einen Rückgang von 1,39 auf 1,28 Punkte, was auf eine leichte Eintrübung der Konsumentenstimmung hinausläuft. Auch der PMI-Index von procure.ch/CreditSuisse liegt mit einem Stand von 52,1 Zählern um 3,2 Punkte tiefer als im Vormonat. Diese Veränderungen sind jedoch nicht signifikant. Im Mittel aller Konsum-Indikatoren wird beim Privatkonsum im 2014 mit einem Wachstum von +1% und mit +1,6% im 2015 gerechnet. Für den Öffentlichen Konsum wird ein Wachstum von von +0,7% im 2014 auf +1,3% im 2015 prognostiziert. Davon dürfte auch die Bauwirtschaft profitieren. 

Weiterhin positiv entwickelte sich der Schweizer Aussenhandel, der bei den Exporten per Ende 2014 ein Plus von +3,3% und bei den Importen von +2,5% generieren dürfte. 

Bauwirtschaft bleibt im grünen Bereich

Zurückhaltender sind die Prognosen für die Bauinvestitionen. Für 2014 liegt der Durchschnitt der Prognosen bei  +2% und für 2015 wird noch mit +0,7% gerechnet.

Der Bauindex Schweiz von CS und SBV verzeichnet im 3. Quartal 2014 erstmals seit 2012 einen leichten Rückgang. Dafür verantwortlich ist die Sparte Tiefbau, die im Vergleich zum Vorquartal ein Minus von –2,3% verzeichnet. Dafür konnte der Hochbau, vor allem getrieben durch den Wirtschaftsbau im Vergleich zum Vorquartal um +1,4% zulegen. Die positiven Erwartungen für die Wirtschaftsentwicklung, die noch länger anhaltende Tiefzinsphase und die (vorläufig) noch hohen Zuwanderungsraten dürften auch im 2015 für eine mindestens moderate Aufwärtsentwicklung in der Bauwirtschaft sorgen.

Preisrückgänge bei Einfamilienhäusern - stabile Preise für Wohnungen

Die Transaktionspreisindizes FPRE berichten für das dritte Quartal von landesweit um -4,8% sinkenden Preisen für Einfamilienhäuser im gehobenen Segment und von –1,4% im mittleren Preissegment. Bei den Eigentumswohnungen haben die Preise nach dem Rückgang im Vorquartal wieder Boden gefunden. An den Hotspots Genf und Zürich wird mit weiterhin sinkenden Preisen im gehobenen Segment zu rechnen sein. Da in den zentralen Räumen die Preise für Wohneigentum für viele Interessenten zu hoch sind, verlagert sich die EWG-Nachfrage mehr auf periphere Regionen.Eine Rolle bei dieser Entwicklung spielen auch die strengeren Massstäbe bei den Eigenkapital-Anforderungen und der Vergabe von Hypotheken. 

Bei den Mehrfamilienhäusern stiegen die Preise gemäss dem SWX IAZI-Priesdindex, basierend auf effektiven Handänderungen, im 3. Quartal um +2,9% (+0,6% im Vorquartal).  

Moderat steigende Angebotsmieten

Gemäss Homegate.ch-Mietindex stiegen die Angebotsmieten im Oktober um +0,36% im Vergleich zum Vorjahr um +2,09%. 

Überangebot an Büroflächen

Mit Ausnahme der Region Genfersee, die einen relativ ausgeglichenen Markt an Büroflächen (Neubauten) vorweisen kann, befinden sich alle übrigen Regionen in Bezug auf Angebot und Nachfrage auf unsicherem Boden. Der gegenwärtigen moderaten Nachfrage steht ein strukturelles Überangebot gegenüber. Das Beschäftigungswachstum in den klassischen Büromarkt-Branchen verliert an Dynamik, eine Stabilisierung ist (noch) nicht in Sicht. Die damit unbefriedigende Ertragssituation wird einzig gemildert durch die gegenwärtig tiefen Kapitalkosten.  

Redimensionieren durch Regulieren?

Seit September 2014 sind die Selbstregulierungs-Massnahmen der Banken am Laufen. Ob und wie weit die reduzierten Amortisationsfristen für Zweithypotheken und strengere Anforderungen an das Eigenkapital ihre Wirkungen zeitigen werden, dürfte sich in naher Zukunft weisen. Sicher ist, dass dadurch steigende monatliche Belastungen bei Kaufinteressenten zu mehr Zurückhaltung führen werden und dazu, dass der Trend zu noch zahlbaren Objekten in der Peripherie anhält. Wohnen im Eigentum ist für viele ein Traum. Das Ausweichen in noch zahlbare Regionen, weit weg von der Arbeit und anderen Lebensmittelpunkten, bedient letzten Endes einen anderen, unerwünschten Trend zum Pendeln über noch grössere Distanzen –  mit- und/oder ohne ÖV. Es hat eben alles seine Schattenseiten. (mai)