Bauboom verursacht schlechte Luft

Bauboom verursacht schlechte Luft

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Teaserbild-Quelle: Francisco Diez/flickr.com
Während die Bauwirtschaft floriert und die Urbanisierung voran schreitet, steigen in China als Folge davon die CO2-Emissionen massiv an. Dies zeigt eine Studie des Potsdamer Institutes für Klimaforschung.
 
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Die Farben im Himmel sind eine Folge der starken Luftverschmutzung.
 
„Das Ei“ oder vielmehr Paul Andreus Pekinger Nationaltheater ist nur eines von unzähligen Projekten, die im Zuge des Baubooms im Reich der Mitte während der vergangenen Jahre realisiert wurden. Die fast schon kitschige Farbenpracht des Hintergrundes gründet nicht in der Begeisterung des Fotografen für Bildbearbeitungsprogramme sondern ist ein Effekt der verschmutzten Luft in der Metropole. In den vergangenen Jahren ist sind die CO2-Emissionen in China stark angestiegen. Ursache ist die florierende Bauwirtschaft. Dies stellt eine Studie des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung  fest.
 
Chinas Investitionsvolumen im Infrastrukturbereich wächst rasant. Damit wächst auch die Zahl der Unternehmen in der Zuliefererkette der Baubranche. Diese produzieren sehr CO2-intensiv, etwa die Stahl- und Zementindustrie. „Die Bauinvestitionen resultieren in Infrastrukturen“, erklärt Studienautor Jan Minx. Vor dem massiven Infrastrukturausbau haben der steigende Konsum und die Exporte die Treibhausgasemissionen in die Höhe getrieben. Zwar kann dieser Anstieg inzwischen mittels Einsparungen aus Effizienzsteigerungen ausgeglichen werden. Aber die Bauvorhaben im Infrastruktursektor machen diese Einsparungen wieder zunichte. Erschwerend hinzu kommt noch, dass die Nutzung der Infrastrukturen weitere Emissionen auslösen: Ihr zukünftiger Gebrach ziehe selbst neue, potenziell hohe Emissionen nach sich, sagt Minx. Darüber wie hoch dieses Emissionen sein werden, entscheidet die Art der Infrastruktur, die in China heute aufgebaut wird.
 
Bis 2002 fand zwischen steigendem Konsum und Effizienzsteigerungen ein Wettrennen statt. Der jüngste Emissionsanstieg geht dem Experten nach jedoch komplett auf den massiven Strukturwandel innerhalb der chinesischen Wirtschaft zurück. Das Problem: CO2-intensive Sektoren, die mit dem Bau von Infrastrukturprojekten verbunden sind, gewinnen an Bedeutung. „China hat sich zu einem ‚karbonisierenden Riesen’ entwickelt“, führt Minx aus. Es sei anzunehmen, dass chinesische Konsumenten künftig wie in Industrieländern sehr viel mehr Emissionen verursachen. „Auch wenn die Emissionen von den Infrastrukturmassnahmen drastisch sinken, werden andere Emissionsquellen an ihre Stelle treten“, befürchtet Minx.

Urbanisierung ist ein weiterer Faktor

Erst kürzlich hat China die USA als weltgrössten Energieverbraucher und CO2-Emittenten überholt. Chinas Emissionen haben sich zwischen 1992 und 2007 fast verdreifacht. Neben dem Bauboom ist die Urbanisierung ein bedeutenderer Faktor für den Anstieg der Emissionen: Sobald Menschen vom Land in die Stadt ziehen, ändern sie ihren Lebensstil. Städtische Bewohner zum Beispiel wollen Gasheizungen und Elektrizität. Sie sind zudem auf ihrem Arbeitsweg häufiger abhängig von öffentlicher Infrastruktur. All dies führen zu einem höheren individuellen CO2-Fussabdruck.
 
„Der energie- und kohlenstoffintensive Charakter von Grossinvestitionen ist vermutlich schwer vermeidbar, weil China als aufstrebendes Land seine Infrastruktur weiter ausbaut“, nimmt auch Giovanni Baiocchi, Mitautor der Studie, an. Der CO2-Anteil aus Grossinvestitionen könnte von kurzfristiger Natur sein. Es sei zur Reduzierung von CO2-Emissionen bedeutend, weil China jetzt in die richtige Infrastruktur investiert. Geht es nach den Forschern sollte von Beginn an auf eine CO2-arme Infrastruktur aufstrebenden Volkswirtschaften wie China gesetzt werden. Dies sei eine der globale Herausforderungen. (mai/mgt)