Bauarbeiter-Protest im Tessin für neuen LMV

Bauarbeiter-Protest im Tessin für neuen LMV

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Die Premiere fand in Bellinzona statt: Heute demonstrierten über 3000 Bauarbeiter in der Tessiner Kantonshauptstadt für einen neuen Landesmantelvertrag und liessen die Arbeit ruhen. Wie die  Gewerkschaften Unia und Syna weiter mitteilen, bildet der Protesttag im Tessin den Anfang. Morgen Dienstag stehen weitere Aktionen in der Deutschschweiz an, mittwochs in der Romandie.

Die Bauarbeiter seien wütend, dass der Schweizer Baumeisterverband (SBV) mit seiner Weigerung Lösungen zu finden, ihre Rente mit 60 und Massnahmen gegen Lohndumping und für einen besseren Schutz bei Schlechtwetter verhindere, heisst es im Communiqué der Gewerkschaften. Dennoch wollen sie nicht von Streik sprechen, wie die Kurt Regotz Verhandlungsleiter Bau bei der Syna gegenüber der Nachrichtenagentur SDA erklärte. Die Bauarbeiter bezögen Überzeit, um an den Protesten teilzunehmen. Allerdings handelt es sich gemäss Regotz aber durchaus um eine „arbeitsstörende Massnahme“. 

Die Fronten zwischen Gewerkschaften und Baumeistern sind seit Monaten verhärtet. Während die Baumeister den bestehenden LMV nicht verhandeln wollen  – unter anderem wegen der Fachstelle Risikoanalyse, welche von der Unia betrieben wird  –  wollen die Gewerkschaften den LMV anpassen – etwa was die Finanzierung des frühzeitigen Altersrücktritts und Massnahmen gegen Lohndumping betrifft. Können sich Gewerkschaften und SBV nicht einigen, droht ab kommendem Jahr ein vertragsloser Zustand. Diesen wollen beide Seiten nach eigenen Angaben verhindern.

Implenia fordert Kurswechsel

In der aktuellen Ausgabe der Gewerkschaftszeitung „Work“ verlangt Implenia einen Kurswechsel. Die Zeitung verweist auf ein internes Dokument, das ihr vorliegt.  Um „sicherzustellen, dass der Landesmantelvertrag bestehen bleibt“, sollen Verhandlungen zwischen Baumeistern und Gewerkschaften „dringend aufgenommen werden“, wird im Artikel aus dem Papier zitiert.  Der Branchenriese wolle nicht, dass andere Firmen mit Dumpinglöhnen den Markt kaputt machten, heisst es weiter.

 Implenia-Sprecher Philipp Bircher bestätigte dies heute Mittag im Magazin „Rendez-vous“ von Radio SRF1. Für die Implenia sei eine funktionierende Sozialpartnerschaft im Bauhauptgewerbe sowohl ein entscheidender Standortvorteil als auch eine notwendige Voraussetzung für einen störungsfreien Bauablauf. Implenia fordere deshalb beide Seiten auf, das Gespräch zu suchen.  (mai / Material der SDA)