Bau-Gewerkschaften wollen neuen Landesmantelvertrag

Bau-Gewerkschaften wollen neuen Landesmantelvertrag

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Auf dem Bau stehen die Zeichen wieder auf Arbeitskampf: Syna und Unia rufen Bauarbeiter dazu auf, am Samstag in Bern für einen besseren Gesamtarbeitsvertrag zu demonstrieren. Laut den Baumeistern provozieren die Gewerkschaften einen vertragslosen Zustand.
 
Ende Jahr läuft der Landesmantelvertrag (LMV)aus. Nach sieben Monaten Verhandlungen mit dem Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) über eine Erneuerung des LMV sei man praktisch gleich weit wie am Anfang, erklärte Hansueli Scheidegger von der Gewerkschaft Unia heute Dienstag anlässlich einer Medienkonferenz in Zürich. Deshalb fordern die Gewerkschaften Unia und Syna fordern mehr Schutz für die Arbeiter in einer Branche, die seit Jahren boome. Verbessert werden sollen Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung bei Krankheit, Unfall oder Schlechtwetter. Zudem verlangen die Gewerkschaften Massnahmen gegen Lohndumping und Schwarzarbeit, etwa eine Solidarhaftung der grossen Unternehmen mit Unterakkordanten respektive Subunternehmen. Die Löhne sollen 2012 generell um 100 Franken pro Monat angehoben werden, zusätzlich zu einem Teuerungsausgleich.
 
Der SBV hatte vergangene Woche kritisiert, die Gewerkschaften hätten die für weitere Verhandlungen vorgeschlagene Verlängerung des LMV um ein halbes Jahr abgelehnt. „Mit ihrem kompromisslosen Verhalten und insbesondere dem wesensfremden Einbezug der Lohnfrage in die LMV-Verhandlungen provozieren die Gewerkschaften einen vertragslosen Zustand im Bauhauptgewerbe“, wurde SBV-Zentralpräsident Werner Messmer in einer Pressemitteilung zitiert. „Allein schon das Risiko eines vertragslosen Zustandes überhaupt einzugehen, zeugt von einer Mentalität und einer Einstellung zur Sozialpartnerschaft, die aufs Schärfste zu verurteilen ist“, so Messmer.
 
Laut den Gewerkschaften drängen die Baumeister auf eine Beschränkung des Landesmantelvertrages. So sollen die Bereiche Gartenbau, Sand, Kies und Bautransporte herausgenommen werden. Zudem wollten die Arbeitgeber die Arbeitszeit deregulieren, den Kündigungsschutz sowie die Geltung der Minimallöhne einschränken und Zulagen reduzieren.
 
Um ein Zeichen für weitere Verhandlungen zu setzen, rufen die Gewerkschaften für Samstag zu einer Kundgebung nach Bern. Erwartet werden gegen 10'000 Bauarbeiter. Dies wäre die grösste Bauarbeiter-Demonstration in der Bundesstadt seit über zehn Jahren. Sollte es auch danach nicht vorwärts gehen, will die Unia "weitere Druckmassnahmen im Rahmen des geltenden LMV" beschliessen. (mai/sda)