Basler Ozeanium: Kino oder Krake?

Basler Ozeanium: Kino oder Krake?

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Teaserbild-Quelle: PD

Spektakulär soll es werden und gleichzeitig Dank Sonnenenergie und Strom aus Abwärme auch ökologisch: das geplante Ozeanium des Basler Zoos. Doch dem Prestigeprojekt weht ein eisiger Wind entgegen. Die Fondation Franz Weber, die schon die Zweitwohnungsinitiative lanciert hatte, kritisiert die Haltung von Meerestieren in Aquarien und hat deshalb ein Alternativprojekt gestartet.

Korallenriffe, Pinguine, ein Riesenoktopus, Leuchtfischschwärme und Seeotter: Sie kommen dereinst alle im geplanten Ozeanium des Basler Zoos unter. Wie der «Zolli» informierte, ist der Baustart des prestigeträchtigen Projekts frühestens für 2018 vorgesehen. So könnte das Ozeanium 2020 seine Pforten öffnen. Es wird mit Baukosten von rund 100 Millionen Franken gerechnet, die mittels Spenden finanziert werden sollen.

Die Architektur stammt aus der Feder der Boltshauer Architekten aus Zürich: Sie haben ein Gebäude mit fünf Ober- und vier Untergeschossen entworfen, durch das ein spiralförmiger Rundgang an 30 Aquarien vorbei führt. Er ist als Wanderung «von Basel bis zum Meer» geplant. Teil dieses Wegs ist ein Gezeiten-Aquarium, das den Besuchern den Rhythmus von Ebbe und Flut nahe bringen soll. Die Besucher sorgen übrigens wie die Sonne für Strom: Ihre Abwärme wird ebenfalls für die Energiegewinnung genutzt. Mittlerweile haben die Architekten ihren Vorschlag überarbeitet. Damit kann nun der Bebauungsplan erstellt werden. „Das Projekt ist durch die Weiterbearbeitung stärker geworden“, lobt Kantonsbaumeister Fritz Schumacher. Es stelle einen Mehrwert für die Stadt dar. Insbesondere werde die Heuwaage aufgewertet und das „bisher entblösste“ Viadukt eingebunden.

Allerdings sorgt das Projekt nicht nur für Begeisterung. Die Fondation Franz Weber (FFW) wehrt sich dagegen, dass in Basel Meerestiere in Aquarien leben sollen. Sie kritisiert die Haltung von Meerestieren in Gefangenschaft und lancierte deshalb gestern das Projekt „Vision Nemo“.  „Die Fondation Franz Weber will die Schönheiten und die Probleme der Weltmeere anders zeigen. Sie schlägt keine Alternative sondern ein Quantensprung vor“, heisst es im Promovideo zum Projekt.  Der „Quantensprung“ wird durch die „Revolution der Technologie“ ermöglicht; es handelt sich um einen 3D-Kinokomplex, in dem die Besuche beispielsweise mittels einer sogenannten  Magic Box in die Tiefen der Ozeane abtauchen können. So virtuell, wie das Projekt angelegt ist, so virtuell ist es im Augenblick auch sonst. Wie die Baukosten von 80 Millionen finanziert werden sollen ist offenbar noch nicht klar. Wie die Basler Zeitung berichtet wollen die Initianten bei Basels Mäzenen anklopfen und sie bitten die „Vision Nemo“ statt das Ozeanium zu finanzieren. Im Promo-Video  kommt auch Meeresbiologin Monica Biondo zu Wort. Wie sie erklärt, überlebt gerade mal einer von 50 in Freiheit gefangener Korallenfische das Leben im Zoo.  (mai)

Promofilm zum "Ozeanium"

Promofilm zu "Vision Nemo"