Basler Erdwärme-Traum ist ausgeträumt

Basler Erdwärme-Traum ist ausgeträumt

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Der Basler Erdwärme-Traum ist ausgeträumt: Nach der am Donnerstag publizierten Geothermie-Risikoanalyse ist die Gefahr für Erdbeben und Gebäudeschäden bei Bau und Betrieb zu gross. Die Regierung hat das "deep heat mining"-Projekt definitiv gestoppt.
 
In Kleinhüningen unweit des Rheinhafens eingepresstes Wasser hätte in 5000 Metern Tiefe Erdwärme für Strom und Heizung nutzbar machen sollen. Laut Analyse sind zu erwartende Sachschäden jedoch "gemäss dem Massstab der Störfallverordnung hinsichtlich der Häufigkeit des Auftretens und der Schadenssumme als nicht akzeptabel zu beurteilen".
 
Erst die Messdaten des Projektes hätten diese klare Erkenntnis ermöglicht, betonte Stefan Baisch vom Analyse-Konsortium vor den Medien. 20 Wissenschaftler hatten Daten ausgewertet und Modelle entwickelt. Die Stärke der Basler Beben habe überrascht; anderswo habe der selbe Wasserdruck nur viel schwächere Stösse ausgelöst.
 
Die Analyse in Auftrag gegeben hatte der Kanton Basel-Stadt nach spürbaren Erdbeben vom Dezember 2006, welche die Bevölkerung erschreckt hatten. Nach jenen Stössen bis zur Stärke 3,4 wurde das Projekt auf Eis gelegt. Eine Versicherung bezahlte in der Folge rund neun Millionen Franken für zahlreiche kleinere Gebäudeschäden. 

Ungünstiger Standort

 Gemäss den Experten ist der Standort Basel für Geothermienutzung in grosser Tiefe in kristallinem Gestein "ungünstig". Nichts sagt ihre Analyse zu weniger tiefen Bohrungen und anderen Standorten. Die Nutzung einer in 3000 Metern Tiefe gefundenen Wärmezone wäre sorgfältig zu evaluieren, sagte Regierungsrat Christoph Brutschin.
Wegen dem Pionierprojekt wären zwar keine Gross-Erdbeben zu erwarten wie das verheerende von 1356, hiess es weiter. Ebensowenig wären Infrastrukturbauten bedroht und Menschen gefährdet. Doch Aufbau und Betrieb könnten insgesamt 200 kleinere Beben auslösen mit Stärken bis zu 4,5 - also immerhin heftiger als 2006.
 
Allein für den Aufbau, also während der Klüftung des Tiefengesteins mittels Wasserdruck, sei bei einem 12-km-Radius eine Schadensumme von etwa 40 Millionen Franken wahrscheinlich. Je nach Modellannahme könne diese Summe sogar über 600 Millionen Franken steigen. Und während den 30 Jahren Betrieb sei mit etwa sechs Millionen Franken Schäden im Jahr zu rechnen. 

Teurer Scherbenhaufen

Beim Pionierprojekt wurden bislang rund 56 Millionen Franken sprichwörtlich verlocht. Analyseerkenntnisse zu verkaufen sei unter Fachleuten unüblich, sagte Daniel Bonomi vom Bundesamt für Umwelt. Immerhin seien die in Basel gewonnenen Erkenntnisse sehr wertvoll, ja ein "Meilenstein für die Geothermie-Förderung" in der Schweiz. Der Kanton Basel-Stadt selbst hat 28 Millionen Franken beigesteuert. Eine Fortsetzung des Projektes war zuletzt auf gegen 120 Millionen Gesamtkosten geschätzt worden - einst geplant waren 80 Millionen Franken. Basel-Stadt hält 41,3 Prozent an der Projektträgerin Geopower AG; auch Zürich ist in geringem Mass beteiligt.
 
Am Dienstag beginnt im Übrigen der Strafgerichtsprozess zu den Geothermie-Erdbeben. Angeklagt ist einzig der Chef der Bohrfirma. Ihm wird unter anderem Sachbeschädigung vorgeworfen. Dem Projekt waren mehrere Studien auch zum Risiko vorausgegangen. – Auch die Staatsanwaltschaft hat die Risikoanalyse erst seit Donnerstag. (sda)