Basler Centralpark, ein kontroverser grüner Deckel

Basler Centralpark, ein kontroverser grüner Deckel

Gefäss: 
Dieses Woche  wird in Basel über eine begrünte Überdeckung des Gleisfeldes westlich der Passerelle beim Bahnhof SBB mit dazugehöriger Randüberbauung entschieden. Bei einem Ja müsste der grosse Rat das Projekt konkretisieren und neu zur Abstimmung bringen. Der Ausgang ist ungewiss und wird kontrovers diskutiert.
 
Ziel des Initianten Donald Jacob ist es, für das Gundeldingerquartier eine grüne Erholungsfläche zu schaffen und es attraktiver mit dem Stadtzentrum zu verbinden. Der grosse Rat lehnt die Initiative klar ab. Gemäss ersten Schätzungen seitens der Regierung würde diese Vision eines Parkdeckels über den Geleisen zu Gesamtkosten zwischen 250 bis 400 Millionen Franken führen entgegen den von Initiantenseite kolportierten 60 - 80 Millionen Franken. Die Parteien sind gespalten. Klar abgelehnt hat die SVP. Die SP hat Stimmfreigabe beschlossen. Dafür ist die CVP.

SBB nicht begeistert

Gemäss einem Interview der Basler-Zeitung mit Urs-Martin Koch, dem Zuständigen für die SBB-Infrastruktur in der Nordwestschweiz, hat die SBB bereits im Juli 2009 erklärt, sie wollen es nicht zulassen, dass kein Tageslicht auf die Perrons fällt. Dass SBB-Chef Andreas Meyer in Telebasel erklärt hat, die SBB sei offen für alles, falls Basel den Centralpark bestelle und finanziere, will Koch nicht als bedingungsloses Ja verstanden wissen. Es ginge ja um die Weiterentwicklung einer Idee. Man könne aber über den Gleisen nichts erstellen, ohne die SBB einzubeziehen. Wie Koch weiter ausführte, komme das Projekt mit verführerischen (aber noch nicht ausgereift abgestützten) Animationen daher, so dass die SBB zum Schluss gelangen, dass sie dieses Projekt nicht will. Ein Deckel über dem Bahnhof ist nicht erwünscht, weil er sämtliche Projekte der SBB in Basel über Jahrzehnte hinaus verteure. Ob mit oder ohne Ja des Souveräns zur CentralPark-Idee planen die SBB eine Unterführung mit breiten Rampen, um die aufkommenden Fussgängerströme zu bewältigen.

Ablehnung auch in Fachkreisen

Für den Architekten Jacques Herzog ist das Projekt „Schlangenfängerei“. Wie er vor kurzem in der „Basler Zeitung“ (BaZ) erklärte, sei was über den Geleisen Centralpark genannt werde, in Wahrheit ein Betondeckel mit Grün drauf. Das funktioniere nicht, weil so viele Auf- und Abgänge, Lichtschächte, Technikanlagen eingeplant werden müssten, die im Wege stehen würden und die angestrebte Idylle schlicht verunmöglichten. Laut Herzog ist das Gleisfeld beim Bahnhof SBB ist in ständiger Veränderung und Umplanung. Die geplante zweite, unterirdische Passerelle und der Tiefbahnhof für die S-Bahn, seien unverzichtbare Verkehrsbauten, die durch den Betondeckel massiv erschwert und behindert würden.
 
Auch Architekt Luca Selva in Basel stellt Projekt gegenüber der BaZ in Frage – mit Fragen. Sei es sinnvoll, für diesen Park eine riesige 30'000 Quadratmeterhalle zu bauen, nur um dessen Dach zu nutzen? Und er fragte sich, ob sich die Beteiligten bewusst seien, dass auf dem Dach Parkbäume nur so lange leben könnten, wie die Abdichtung darunter ihren Zweck erfüllten.
 
Für Architekt Hans-Georg Bächtold gibt es in  Basel andere wichtigere Projekte, die realisiert werden sollten – mit einer grösseren Ausstrahlung für die Stadt. Als Beispiel führt er das Dreispitz-Areal oder das Hafengebiet an. Aber auch die internationale Bauausstellung IBA mit ihren Projekten ist laut Hans Georg ein zentraleres Anliegen.
 
Derweil ist für die Architekten Christoph Gantenbein und Peter Steinmann das Projekt kein Projekt sondern ein Schlagwort oder eine fadenscheinige Versprechung, die alle Realitäten ignoriere.  Wie solle eine Anbindung ans Gundeli funktionieren, wenn es einen Niveauunterschied vom Centralplatz zu dieser Plattform von acht bis zehn Metern gäbe. Zudem gehen sie aufgrund einer Testplanung von Kosten in der Höhe von mindestens 300 Millionen, statt der von den Initianten angeführten 60 Millionen Franken aus.

Viel Sympathie im Volk

Aller Unkenrufe zum Trotz hat die Vorlage viel Sympathie und stösst bei vielen auf Zustimmung. Damit ist der Ausgang der Abstimmung über eine an sich interessante Vision, die bei vielen auf Zustimmung stösst, noch ungewiss. Sogar  bei einer Annahme ist noch nicht klar, wie ein solcher CentralPark letztendlich ausgeführt wird, da es sich ja noch um eine unformulierte Initiative handelt. Nach dem 22. September wissen wir noch nicht mehr, aber wie es weitergeht.. (mai)