Basel: Wissen Macht Bunker

Basel: Wissen Macht Bunker

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Teaserbild-Quelle: Bild: Architekten
Während das Genfer Atelier d’Architecture 3BM3 in Singapur einen Supersafe für Gold, Silber, Diamanten, Kunstwerke oder andere Ressourcen baute, realisieren andere Schweizer Architekten ihren persönlichen geistigen Eigentumsbunker mit kommerzieller Sahnehaube.

Schweizer Bunkerarchitektur erlebt eine Rennaissance. Sollten Schutzbauten von gestern vor allem Leib und Leben der Bevölkerung im Falle von kriegerischen Agressionen abschirmen, scheinen die jüngsten Bunkerbauten eidgenössischer Produktion vor allem dem Schutz des Eigentums, sei es materiell oder geistig, zu dienen.

«Helsinki Dreispitz» heisst denn das aktuelle Schutzbauprojekt der Basler Architekten Herzog & de Meuron, auf deren Studie auch die Entwicklungsplanung für das gesamte 50 Hektar grosse Gewerbegebiet Dreispitz Basel und Münchenstein sockelt. In einem 20 Meter hohen, nahezu fensterlosen Bunker möchten die Architekten ihre seit 1978 angestaubten Planrollen und Modelle unterbringen. «Wissensgut» nennt das Pierre de Meuron in der Basler Zeitung. In selbstverständlich eigens entworfenen Archivschränken und Vitrinen soll eine Auswahl der geistigen Ergüsse wohl wie ein Domschatz oder ein Raritätenkabinett präsentiert werden.

Ob Modellmumien der Elbphilharmonie oder auch Nichteingeweihte in das HDM-Allerheiligste eingehen dürfen, blieb bis Redaktionsschluss unbekannt. Ähnlichkeiten zwischen dem Hamburger «Leuchtturmprojekt» und dem neuen Architektenarchiv sind indes durchaus erkennbar, denn auch in Basel setzen die Architekten auf das Konzept, ein zweites Gebäude auf ein recht hohes Sockelgebäude zu satteln.

Im Dreispitz-Areal dienen der Wohngebäudeaufsatz und sein Sockel jedoch als gegenseitige Rechtfertigung. Die 41 aufgepfropften, loftartigen Wohnungen, die sich auf elf Etagen stapeln und bei 41 Metern Höhe enden, beginnen erst ab 20 Metern über dem Geländeniveau. Nach Auffassung der Architekten sind sie damit gleichsam den baulichen Einschränkungen des Gewerbegebiets entrückt. Einen «Kunstgriff» nennt de Meuron das. Und vielleicht werden auch die Mieter dereinst Kunst im Untergeschoss lagern. Die Quartiersplananpassung, die durch die Genehmigung der hochpreisigen Wohnungen ein Luxusghetto in einem Wehrturm erzeugen wird, wurde erstaunlicherweise gutgeheissen. Der eigentliche Beweggrund dafür scheint jedoch zu sein, dass der St. Galler Totalunternehmer Senn BPM einen Anreiz benötigte, um das 30-Millionen-Franken teure Projekt mitzufinanzieren. Und genau so schaut es jetzt auch aus.(tw)