Bald wieder stützenfreie Sicht

Bald wieder stützenfreie Sicht

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Die Stadt Zürich kümmert sich nun selber um die Schäden am Letzigrund-Stadion. Rechtzeitig zum Start der Fussballsaison sollen die Stützpfeiler entfernt werden.
 
Im Februar sind in einigen der stählernen Dachträger des Zürcher Letzigrund-Stadions Risse, Rostschäden und Materialfehler entdeckt worden. In der Folge sperrte man das Stadion vorsorglich. Heute wird zwar längst gespielt, aber zum Ärger der Fussballfans stützen derzeit 31 Pfeiler das Dach des Stadions und behindern die Sicht auf das Feld teils massiv. Wie aus einer Pressemitteilung des Stadtzürcher Hochbaudepartements hervorgeht, ist das Stadion derzeit alles andere als in einem guten Zustand. Zwei Drittel der Dachträger sind beschädigt, zudem weist weist das Stadion fehlerhafte Schweissnähte auf, Mittelstege haben Risse und stark belastete Stellen sind offenbar falsch bearbeitet worden. Dies erklärte Jürg Seiler vom Hochbaudepartement gegenüber „Tages-Anzeiger“-Online.
 
Weil die Totalunternehmerin Implenia laut Hochbauamt alle Mängel bestreitet, kann die Stadt die Schäden selber beheben. Implenia sei von der Stadt mehrmals aufgefordert worden, die Mängel zu beheben und die Sicherheit wieder herzustellen, heisst es weiter. Doch Implenia behaupte, dass es keine Schäden gebe. Damit verliere die Totalunternehmerin nun das ihr zustehende Nachbesserungsrecht und die Stadt Zürich könne endlich selber aktiv werden.
 
Jetzt kümmert sich die Stadt um die Sanierung. Sie will bis am 11. Juli alle Stützen entfernt haben: Sämtliche Schäden sollen behoben, alle Träger repariert und wenn nötig verstärkt werden. Danach will man sie einer Belastungsprobe von 35 bis 50 Tonnen Gewicht aussetzen. Dabei sollen die einzelnen Träger intensiv überwacht und überprüft werden. Erst dann werden die Stützen eine nach der anderen entfernt. Wie teuer die Sanierungsarbeiten werden, steht noch nicht fest. Unklar ist auch noch, wer für den Schaden am Ende aufkommen muss. Für die Stadt Zürich steht hingegen fest, wer bezahlen muss: „Die Kosten der Reparaturen und die Belastungsproben hat die Implenia zu übernehmen. Die Stadt Zürich macht dazu von ihrem Garantierecht Gebrauch“, heisst es im Communiqué des Hochbauamtes.

„Panikmache der Stadt“

„Das Zürcher Letzigrund-Stadion war und ist wissenschaftlich nachgewiesen zu jedem Zeitpunkt sicher und konnte und kann ohne jede Einschränkung betrieben werden“, kontert die Implenia die Vorwürfe der Stadt in ihrer aktuellen Medienmitteilung der Implenia. Dies hätten drei Experten von internationalem Ruf, Prof. Dr. Peter Marti (Dozent ETH Zürich), Prof. Dr. Markus Feldmann (RWTH Aachen) sowie Dr. Hans-Jakob Schindler (Dozent ETH Zürich), unabhängig voneinander nachgewiesen. Die Dachkonstruktion sei in Übereinstimmung mit modernsten Erkenntnissen des Stahlbaus und der Baustatik richtig bemessen und konstruiert worden, heisst es weiter. Die Tragfähigkeit der Konstruktion sei jederzeit auch unter extremsten Bedingungen gewährleistet. Die Konstruktion mit redundanten Tragelementen würde auch dann noch halten, wenn ein einzelnes Element ausfallen würde. Ein Belastungstest vom Februar und vom März habe gezeigt, dass sämtliche Berechnungen stimmen und die Konstruktion trägt. Damit bestätigt sich laut Implenia auch die von Implenia von Anfang an vertretene Überzeugung, dass der Einbau von Dachstützen vollständig unbegründet war. „Wir bedauern die Panikmache der Stadt“, sagt Implenia-CEO Anton Affentranger, „wir haben ein in jeder Beziehung sicheres und funktionstüchtiges Stadion unter anspruchsvollsten Bedingungen gebaut und rechtzeitig abgeliefert“. (mai)
 

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