Bakterien als Lichtspender im Alltag?

Bakterien als Lichtspender im Alltag?

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Margaret McFall-Ngai, CC-BY 4.0, commons.wikimedia.org

Mehrere Start-ups wollen die Beleuchtung revolutionieren und tüfteln an Möglichkeiten, Leuchtkörper mit Bakterien zu füllen und so energiesparendes Biolicht für Anzeigetafeln, Strassenlaternen oder Fassaden von Kaufhäusern zu erzeugen.

Quelle: 
Margaret McFall-Ngai, CC-BY 4.0, commons.wikimedia.org
Euprymna scolopes

Unser Licht soll lebendig werden: Mehrere Start-ups wollen hierfür Leuchtbakterien einsetzen, wie die Sonntags-Zeitung schreibt. Biolumineszenz entsteht mittels biochemischer Prozesse in den körpereigenen Zellen oder dank symbiotischer Leuchtbakterien, die in speziell dafür entwickelten Leuchtorganen gepflegt werden. Aliivibrio fischeri ist ein solches Bakterium. Es lebt oft mit dem Zwergtintenfisch Euprymna scolopes in Symbiose. Der kleine Kopffüssler nimmt es gleich nach dem Schlüpfen aus dem Meerwasser in sein Leuchtorgan auf. Darum erstrahlt der nur daumengrosse Kerl.

Weil Aliivibrio fischeri einfach zu züchten und sein Genom komplett entschlüsselt ist, arbeiten Wissenschaftler, die sich mit Biolumineszenz beschäftigen, gerne mit ihm. Das französische Start-up Glowee benutzt das Bakterium ebenfalls für seine Biolampen. Hierfür kommen die Bakterien mit einer Nährlösung in eine transparente, sauerstoffdurchlässige Naturharzhülle, die frei geformt werden kann. Drei Tage lang hält die Leuchtkraft der Mikroorganismen darin an, dann sterben sie. Das ist freilich eine kurze Zeit – die Technologie steckt noch in den Kinderschuhen. Angestrebt werden für die Zukunft biologisch abbaubare Lampen mit einer Lebensdauer von mehreren Wochen; etwa mittels Verbesserung des Nährmediums und gentechnischer Veränderungen des Erbguts von Aliivibrio fischeri. Auch die Lichtintensität ist noch nicht zufriedenstellend. „Zurzeit leuchten unsere Produkte so hell wie ein Nachtlicht. Da sie aber an jeglichen Oberflächen angebracht werden können, decken sie trotzdem gut ab und reduzieren gleichzeitig die Lichtverschmutzung“, wird Glowee-Firmengründerin Sandra Rey zitiert. Das erste Produkt will das Start-up bereits nächstes Jahr vermarkten. Laut Bericht hat das Team – es besteht aus Designern und Wissenschaftlern – dabei Schaufenster, Wegmarkierungen, Anzeigetafeln und Fassaden von Kaufhäusern im Visier.

Auch andere Start-ups haben das Thema der energiesparenden Biobeleuchtung aufgegriffen. Zwei Unternehmen aus Kalifornien entwickeln zum Beispiel Lichtobjekte auf Basis von Dinoflagellaten. Dieses Plankton aus dem Meer reagiert auf Strömungsveränderungen mit dem Ausstrahlen von blau-grünlichem Licht. Ein Projekt namens „Glowing Plant“ hat ausserdem zum Ziel, künstliche Beleuchtungen wie etwa Strassenlaternen durch biolumineszente Pflanzen zu ersetzen. (mt/pd)