Bahngesellschaften und Kunden zahlen mehr

Bahngesellschaften und Kunden zahlen mehr

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Bahngesellschaften und voraussichtlich auch Passagiere müssen mehr bezahlen: Der Bundesrat erhöht auf Anfang 2013 die Preise für das Befahren des Schweizer Schienennetzes, womit sich auch die Preise für die Billette erhöhen dürften. Damit sollen zusätzliche 200 Millionen Franken für die Bahninfrastruktur generiert werden.
 
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Mineralölzug unterwegs von Birsfelden-Hafen nach Sempach: Fracht und Lärm, den der Zug versacht, haben Einfluss auf den verrechn
 
Das Geld aus der Trassenpreiserhöhung will der Bundesrat in die Finanzierung und den Ausbau der Bahninfrastruktur (FABI) stecken. Dies hatte er bereits erklärt, im Frühjahr anlässlich der Präsentation der Infrastruktur-Vorlage. Diese sieht vor, dass über höhere Trassenpreise mittelfristig 300 Millionen Franken zusätzlich für die Bahninfrastruktur bereitgestellt werden. Die Erhöhung der Trassenpreise soll in zwei Schritten erfolgen: Mit dem heute angekündigten Schritt sollen Zusatzeinnahmen von 200 Millionen Franken ermöglicht werden. Und 2017 sollen gemäss Vernehmlassungsvorschlag des Bundesrats dank einer weiteren Trassenpreiserhöhung zusätzlich 100 Millionen Franken dazukommen.

Teuerung und Eigenbedürfnisse der Bahn

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) rechnet laut seinem Mediencommuniqué mit mit Preiserhöhungen von 7 Prozent. Allerdings ist diese sogenannte Trassenpreiserhöung laut BAV nur eine der Ursachen, die in den kommenden Jahren zu den von den Bahngesellschaften bereits in Aussicht gestellten Preisaufschlägen führt. Der grösste Teil der Preissteigerungen sei auf Eigenbedürfnisse der Bahnen sowie die Teuerung zurückzuführen. Mit dem Trassenpreis übernehmen Bahngesellschaften diejenigen Kosten, die aus der Benützung des Schienennetzes zu einer bestimmten Zeit entstehen. Verschiedene Entwicklungen in den vergangenen Jahren haben laut Bundesrat dazu geführt, dass die heutigen Trassenpreise die Kosten nicht mehr decken. Laut BAV führt der Mehrverkehr auf den Schienen zu einer höheren Auslastung, aufwendigerer Planung, kürzeren Unterhaltsintervallen und damit zu wesentlich höheren Unterhalts- und Erneuerungskosten. Hinzu komme die Teuerung, die in den letzten Jahren nicht auf die Trassenpreise überwälzt worden sei.
 
Wie das BAV weiter mitteilt, haben aktuelle Berechnungen bestätigt, dass die Grenzkosten angestiegen seien. Von Gesetzes wegen müssen die Bahngesellschaften über den Trassenpreis aber diese Kosten decken. Eine Erhöhung der Trassenpreise sei deshalb zwingend, schreibt das BAV. Vollzogen wird diese über eine Revision der Netzzugangsverordnung. Dabei setzt der Bund auf ein Modell, bei dem die Preise nach verschiedenen Kriterien differenziert werden. Für Züge, die zu Stosszeiten verkehren, muss etwa mehr bezahlt werden als für Züge zu Randzeiten. Auch ein Lärmbonus kommt zum Tragen: Wer geräuscharmes Rollmaterial einsetzt, soll weniger bezahlen als wer Züge einsetzt, die sehr laut sind. Und Bahngesellschaften, die Rollmaterial einsetzen, das die Bremsenergie zurückgewinnt und in die Fahrleitung einspeist, sollen für diese Energieeffizienz ebenfalls mit einem tieferen Preis belohnt werden.

Weniger zahlen bei weniger Lärm

Im Güterverkehr soll bei der Preisberechnung neu die Qualität der Trasse (u.a. tiefere Preise für Güterzüge ohne Priorität) und das Verkehrsaufkommen (tiefere Preise in Randzeiten) berücksichtigt werden. Des Weiteren wurde der Rabatt für lärmsanierte Güterzüge deutlich erhöht und differenziert. Für Güterzüge mit Gefahrengut wird allerdings ein spezieller Zuschlag erhoben. Insgesamt werden dem Schienengüterverkehr nur knapp zehn Prozent der zusätzlichen Kosten angelastet. (mai/sda)
 

Weitere Trassenpreiserhöhung noch nicht beschlossen

Die heute Mittwoch beschlossene Trassenpreiserhöhung ist rechtlich unabhängig von FABI. Beide Vorlagen seien aber „für eine nachhaltige Finanzierung der Bahninfrastruktur notwendig“. Ob die Trassenpreise im Rahmen von FABI weiter erhöht werden sollen, entscheidet der Bundesrat erst nach Auswertung der Vernehmlassung. Die Botschaft zu FABI will er im Frühjahr 2012 dem Parlament zuführen. Die Vorlage soll als Gegenentwurf zur VCS-Initiative dienen. Während die Initianten die Erträge aus der Mineralölsteuer vermehrt der Schiene zukommen lassen will, möchte der Bundesrat zur Finanzierung der Bahninfrastruktur die Bahnreisenden stärker zur Kasse bitten. (sda)