BAFU: 1000 Querbauten in Flüssen müssen fischgängig werden

BAFU: 1000 Querbauten in Flüssen müssen fischgängig werden

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Teaserbild-Quelle: Bild: wikimedia, CC
Damit die Fische in den Schweizer Flüssen wieder überall flussaufwärts schwimmen können, um zu laichen, sollen Flusskraftwerke, Wehre und Schwellen bis 2030 artgerecht umgebaut werden.

Das Überleben einer Fischpopulation oder einer -art hängt stark von den Wanderungsmöglichkeiten entlang eines Hauptflusses und seiner Nebengewässer ab, erläutert das Bundesamt für Umwelt (BAFU) auf seiner Webseite. Nach Auswertung der Bestandesaufnahmen der Kantone teilte das BAFU am Donnerstag mit, mehr als die Hälfte der 1850 sogenannten Querbauten müsse saniert werden, um die freie Fischwanderung entlang von stark verbauten Wasserläufen wieder zu ermöglichen. Eine besonders grosse Herausforderung stelle dabei die Anpassung von Turbinen dar.

Ein anderes Problem für Lebewesen in und an Flüssen sind die starken Schwankungen der Wasserstände: Der bei der Stromproduktion erhöhte Wasserabfluss kann Fische und andere Lebewesen einfach fortspülen. Tiere im Uferbereich können andererseits unter Trockenheit leiden, wenn der Pegel bei niedrigem Strombedarf wieder abgesenkt wird. An mindestens 100 Kraftwerken müssen deshalb unter anderem Ausgleichsbecken gebaut werden, wie das BAFU schreibt.

Das Projekt Fischwanderung erläutert auf seiner Webseite, "eine umfassende Revitalisierung, welche die Beseitigung der Querbauwerke beinhaltet, ist die ideale Lösung um die jetzigen Zustände der Fliessgewässer zu verbessern und um die Fischdurchgängigkeit wiederherzustellen". Die bisher üblichen Aufweitungen und Blockrampen seien nicht nur verhältnismässig teuer zu bauen, sondern auch aufgrund ihres Flächenverbrauchs zu hinterfragen und in städtischen Gebieten oft nicht umsetzbar. Laut einer Studie des BAFU befinden sich 81 Prozent der Gewässer im Siedlungsraum in schlechtem Zustand. Dennoch seien 70 Prozent der Gewässer im Siedlungsgebiet nicht in das Revitalisierungspotenzial mitaufgenommen worden, was ihre Revitalisierung in den nächsten 100 Jahren nahezu ausschliesse, mahnen die Naturschützer. Blockrampen hingegen bedingen massive bauliche Änderungen am Gewässer, was diese Massnahme ebenfalls sehr teuer mache und lange Planungs- und Bauphasen mit sich bringe. Fischtreppen seien per se zwar eine gute Lösung, in der Schweiz jedoch bisher meist nur an Kraftwerken zu finden. Aufgrund ihrer momentanen Bauweise könnten die Treppen bei zahlreichen bestehenden Wanderhindernissen nicht eingesetzt werden. Da kurzfristige Lösungen zum Erhalt der Populationen nötig sind, empfehlen die Naturschützer etwa den sogenannten provisorischen Fischpass, der eine Neuanwendung von herkömmlichen, technischen Fischpässen darstelle und relativ schnell realisiert werden könne. Sobald die Rahmenbedingungen für eine langfristige Sanierung des Hindernisses bestünden, könne der Fischpass wieder entfernt werden.

Renaturierung ist beschlossene Sache

Wassertemperatur, Wasserqualität und die Verfügbarkeit von Beute zählen zu den Auslösern von Fischwanderungen, die selbstredend mit der Erhaltung der Art zu tun haben. Die Bestandesaufnahmen der Kantone, welche dem Bund Ende 2013 vorgelegt wurden, zeigen laut BAFU das ganze Ausmass der ökologischen Defizite und dienen als Grundlage zur Dimensionierung der zu treffenden Massnahmen. Bereits im Jahr 2010 hatte das Schweizer Parlament Bestimmungen über die Renaturierung der Gewässer verabschiedet. Die Kantone sind demnach dafür verantwortlich, die Flüsse wieder fischgängig zu machen und die stark schwankenden Wasserstände auszugleichen. Die Betreiber der sanierungspflichtigen Anlagen haben jedoch bis 2030 Zeit zur Umsetzung der Massnahmen. Für die Kosten kommen schon allein die Stromkonsumenten auf. Sie zahlen seit 2012 zusätzlich 0,1 Rappen pro Kilowattstunde auf die Übertragungskosten der Hochspannungsnetze. Der jährliche Ertrag aus diesem Zuschlag beläuft sich laut BAFU auf rund 50 Millionen Franken. Die Kantone müssen innerhalb von vier Jahren Pläne für die Revitalisierung der Fliessgewässer und die Sanierung der Wasserkraft erstellen. Das BAFU gibt sich zuversichtlich, dass die Planungen Ende 2014 vorliegen.(tw)