Badefreuden und Alpenpanorama

Badefreuden und Alpenpanorama

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Thomas Staenz
Das Projekt für ein Mineralbad auf der Rigi hat eine turbulente Geschichte hinter sich. Seit einem Investorenwechsel 2008 erhielt das Projekt aber richtig Schub und wird diesen Sommer eröffnet. Auf der Baustelle laufen die Steinmetze unterdessen zur Hochform auf.
 
 

Links zu Beteiligten

 
[[FirmenMitLogo]]
 
Totalunternehmer: MLG Generalunternehmung AG, Bern, www.mlg-ag.ch
 
Geotechnische Baugrunduntersuchung und Baubegleitung: Louis Ingenieurgeologie GmbH, Weggis, www.louis-weggis.ch
 
Erschütterungsmessungen: Oswald Bautest GmbH, Sempach Stadt, www.bautest.ch
 
Fachplanung Fassade: Fachwerk F+K Engineering AG, Muri BE, www.fachwerk.ch
 
Fassadenbau, Fassade und Oblichter: Ruch Griesemer AG, Altdorf, www.ruch.ag
 
Elektroinstallationen: Elektrizitätswerk Schwyz AG (EWS), Weggis, www.ews.ch
 
Spezielle Feuchtigkeitsabdichtungen: Marty Korrosionsschutz AG, Jona, www.mkag.ch
 
Leuchten und Lampen: Scherer Licht AG, Gümligen, www.scherrer-licht.ch
 
Wer das Baugebiet des neuen Mineralbades auf der Rigi betritt, mag kaum glauben, dass sich hier in knapp einem halben Jahr Badefans vergnügen werden. Von der Station der Vitznau-Rigi Bahn herkommend, überblickt man erstmals einen riesigen Installationsplatz. Aufragende Neubauten sind nicht zu sehen, einzig ein monolithisch wirkender Turm in der entferntesten Parzellenecke deutet auf «überirdische» Bautätigkeit hin. Genau diese Irritation ist eine der genialen Projektideen des Architekten Mario Botta. Der Tessiner Baumeister, der seit dem ursprünglichen Projektstart 2005 mit der Planung beauftragt ist, baut nämlich mehr als ein Bad. Er verhilft diesem Ort zu einer grosszügigen Aussichtsterrasse, die gleichzeitig als neuer Dorfplatz funktioniert. Bottas Mineralbad liegt nämlich in zwei unter dieser Ebene liegenden Geschossen. Neben dem steinernen Treppenturm werden nur noch speziell ausgebildete Oberlichter und eine raffiniert aufgebaute Brüstung auf das darunterliegende Bad verweisen. Der Zutritt zur Wasseranlage erfolgt in jedem Fall über den neuen Erschliessungszylinder, entweder über den Dorfplatz oder von der Bergstation der Seilbahn Weggis–Rigi.
 
«Ist Ihnen im Treppenturm etwas aufgefallen?», fragt Projektleiter Daniel Peter vom Generalunternehmer MLG und führt den Besucher zur grosszügigen Erschliessungsanlage. Er weist auf die Stufen hin und erklärt: «Diese Architektur hat nicht nur als Grossform eine besondere Qualität, auch das Detail wird vom Büro Botta akribisch gepflegt. Schauen Sie sich nur an, wie hier der Granit verlegt ist.» Jetzt erkennt auch der Journalist, was Peter meint: Die Auftritte wie auch die Steigungen bestehen jeweils aus einem einzigen Stück und sind perfekt verlegt. Verbaut wird die Sorte Duke White, die von der italienischen Seite des Simplons stammt.

«Steinzeit» auf der Rigi

Dieses Material spielt denn auch die Hauptrolle beim Bau. Nicht nur der Boden des neuen Dorfplatzes wird mit Granit belegt, auch die Fassaden und Innenräume sind mit dem hellgrauen Stein ausgestattet. Und bei der Südfassade kann man das Material in einer ganz neuartigen Anwendung sehen: Die massiven Lamellen vor den Fenstern bestehen ebenfalls aus Granit. Es verwundert daher nicht, dass die Steinarbeit eine der grössten des Projekts ist. Den Auftrag hat die Natursteine Wüst AG aus Wallisellen übernommen. Bei den Arbeitsvergaben wurde jedoch versucht, vor allem regionale Unternehmungen zu berücksichtigen. Im Bad auf der Rigi werden rund 500 Tonnen Stein verbaut. Dieser wird nach dem Ausbruch am Simplon zur Bearbeitung nach Verona gebracht, einem Zentrum der italienischen Steinindustrie. Übrigens stammt die Idee, Duke White einzusetzen, auch aus dem Büro von Mario Botta. Dies vor allem auch, weil diese Granitart als äusserst säure- und hitzeresistent gilt.

Mit Botta stimmt es

Wer dachte, dass die Zusammenarbeit mit dem berühmten Tessiner Baumeister einem Tanz mit einer Diva gleichkommt, wird von Projektleiter Peter enttäuscht. «Wir haben ein super Arbeitsverhältnis mit Mario Botta und seinem Büro. Er und sein zuständiger Projektleiter sind sehr kompetent und wissen genau, dass der Bauprozess ein ständiges Geben und Nehmen von allen Seiten erfordert», sagt Daniel Peter und nennt ein Beispiel. Als man merkte, dass der Einsatz der vorgeschlagenen grosszügigen Fenster im Untergeschoss mit vielen Nachteilen verbunden wäre, lieferte der Architekt eine leichter auszuführende Lösung: Er halbierte die Fenstergrössen. Auf der andern Seite versuche man, wenn immer möglich die Wünsche von Botta zu realisieren, auch wenn diese einen erhöhten Aufwand nach sich ziehen. So suchten Peter und sein Team längere Zeit nach einer zahlbaren Aussenleuchte, die genau auf die Formate der einzelnen Steine der Aussenfassade abgestimmt ist.
 
Auch die verdeckten Lichtquellen im Treppenturm erforderten einen erhöhten Planungs- und Realisierungsbedarf, ebenso die speziellen Anschlüsse von Boden und heruntergehängter Decke zu den Wänden. Die Mehrinvestitionen lohnen sich aber in jedem Fall, denn sie bleiben im Haus. Daniel Peters Arbeitgeber, die MLG Generalunternehmung AG, realisiert dieses Vorhaben zusammen mit der Betreiberin Aqua Spa Resorts Development und Management AG. Diese Firma ist nach der Fertigstellung für den Betrieb und den Unterhalt der Anlage zuständig. Auftraggeberin des Bauvorhabens ist übrigens die Credit-Suisse-Anlagestiftung.

Ahorn, Granit und Stucco lucido

Die Logistik ist bei einem Bauprojekt an solch delikater Lage wie hier auf der Rigi eine der grossen Herausforderungen. Bis jetzt konnte dank umsichtiger Planung sämtliches Material mit der Zahnradbahn von Vitznau aus hochgeschafft werden. Flüge mit dem Helikopter waren noch nicht nötig. Natürlich ist die Bahn mit entsprechenden Transportfahrzeugen ausgerüstet, so gibt es spezielle Tiefladerwaggons, mit denen bis Ende letztes Jahr rund 12 000 Tonnen Material befördert wurden. Für die Unternehmer ist es eine spezielle Situation, denn sie können nicht einfach mit ihrer Infrastruktur auf die Baustelle fahren, sondern müssen die Transporte jeweils im Voraus unter genauer Angabe von Zeit, Menge und Spezifikation der Ware anmelden.
 
Damit das Bad fristgerecht im Sommer eröffnet werden kann, wird unter Hochdruck gearbeitet. Auf der Baustelle sind momentan rund 50 Arbeiter, die jeweils morgens und abends mit den Bahnen an ihren Arbeitsplatz und wieder nach Hause fahren. «Wir sind gut und knapp im Zeitplan», sagt Daniel Peter und erklärt, dass man auch auf diesem hochgelegenen Bauplatz vom sehr milden Herbst profitieren konnte. Nachdem der Rohbau programmgemäss Ende letzten Jahres zugemacht werden konnte, laufen zurzeit diverse Installationsarbeiten und das Verlegen des Natursteins. Der Duke White wird auch im Innern des Bades das vorherrschende Baumaterial sein. Er kommt auf sämtlichen Böden mit Publikumsverkehr zum Einsatz, zudem an verschiedenen Innenwänden wie an den charakteristischen runden Nischen im Bassin. Hier erwartet die Steinmetze eine knifflige Aufgabe beim Verlegen: Jeder Stein wurde konisch geschliffen, damit er perfekt in die Rundungen passt. Neben dem Duke White wird nur noch Ahorn für die Akustikdecke und dunkelblauer Stucco lucido den Innenausbau bestimmen. Eine Ausnahme bildet der Aussenbereich des Bades, denn hier muss der Pool aus thermischen Gründen mit Chromstahl ausgeführt werden. Über der Wasserlinie kommt dann aber wieder Granit zur Anwendung.

Lichtkanone und Kristallbad

Während sich auf der ersten Ebene unter dem Dorfplatz Eingang, Umkleide und Mineralbad mit Aussenpool befinden, liegen auf der zweiten die Sauna, das Dampfbad, die Lounge, der Ruheraum und das Kristallbad. Dieser Ort verfügt über eine ausgeklügelte Beleuchtung. Mit einer Ausnahme versorgen nämlich die aus dem Dorfplatz aufragenden Oberlichter das Erdgeschoss mit Tageslicht. Nur eines lenkt seine Strahlen einer «Lichtkanone» gleich eine Etage tiefer ins Kristallbad. Gäste dürfen sich hier schon mal auf einen Badeplausch in besonderer Lichtatmosphäre freuen.

20 000 Kubikmeter pro Stunde

«Hier nochmals ein typisches Botta-Detail», sagt Daniel Peter und weist hin auf die Anschlüsse von vertikalen und horizontalen Bauteilen. Architekt Mario Botta lässt nämlich den Bodenbelag und die Decke nicht einfach stumpf auf Mauern und Fassaden treffen, sondern plante jeweils eine kleine Aussparung. Durch dieses Abstandhalten gewinnen die einzelnen Bauteile an Eigenständigkeit und verweisen gleichzeitig auf ihre Präsenz im architektonischen Kontext. Die umfangreiche Haustechnik platzierte Botta zum Teil im Untergeschoss, zum Teil in einem eigenen Technikgeschoss unter der Poolanlage. Hier liegen auch die Aufbereitungstanks für das Badewasser, während die Räumlichkeiten für die Lüftungsanlage durch ihre grosszügigen Dimensionen beeindrucken. Über vier Meter misst hier die Raumhöhe, wo sich die grünen Air-Boxen bis knapp unter die Decke stapeln. Fachleute erstaunt dies nicht, denn im Vollbetrieb muss diese Anlage bis zu 20 000 Kubikmeter Luft pro Stunde umwälzen.
 
Geheizt wird das Badewasser auf der Rigi mit Holz aus Wäldern der Umgebung. Während ein Pelletofen die Spitzen abdeckt, übernimmt eine Stückholzheizung den Dauerbetrieb. Damit werden gleich zwei Probleme auf einmal gelöst. Das Rigiholz muss nicht mehr mit aufwendigen Transporten ins Tal gebracht werden, sondern wird gleich vor Ort genutzt. Und die Badbetreiberin kann steigenden Ölpreisen die nächsten Jahrzehnte gelassen entgegensehen.

Fast alles wird neu

Das Bad auf der Rigi ist erst der Anfang von zahlreichen baulichen Veränderungen auf dem Luzerner Aussichtsberg. Nicht nur die angrenzende Hostellerie auf der rückwärtigen Seite des Dorfplatzes wird umgebaut und modernisiert, auch die neue Residenz «Bellevue» mit Ferienwohnungen wartet auf die Realisierung. Die Bahnbetreiber haben die Zeichen der Zeit ebenfalls erkannt und wollen ab 2013 ein neues Bahnhofsgebäude errichten. Dieses wird den Kranz der neuen Infrastruktur in sinnvoller Weise ergänzen. All diese Massnahmen werten die Rigi auf und bringen zukünftig auch ein neues Publikum auf den Berg. (tst)
 
 

Übrige Beteiligte

Bauherrschaft: Credit-Suisse-Anlagestiftung, Zürich
Architekt: Studio Mario Botta, Mendrisio
Projektentwicklung/Betreiber Bad: Aqua Spa Resorts Development und Management AG , Bern
Bauingenieur: Plüss Meyer Partner AG, Luzern
Elektroingenieur: SSE Engineering AG, Gümligen
HLKK-Ingenieur: Josef Ottiger Partner AG, Emmenbrücke
Baumeister: ARGE «RK» Anliker AG/Wüest & Cie AG, Nebikon
Natursteinarbeiten: Natursteine Wüst AG, Wallisellen