Avenir Suisse schlägt Gotthard-Tunnel-Maut vor

Avenir Suisse schlägt Gotthard-Tunnel-Maut vor

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Die Verkehrsströme auf den Schweizer Strassen und Schienen sollen verringert werden, die damit verbundenen Kosten ebenso. Als mögliche Massnahme dafür schlägt die Avenir Suisse eine Tunnel-Maut vor. Mit den so generierten Einnahmen liesse sich nach Ansicht der Denkfabrik eine zweite Röhre finanzieren.
 
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Teures Auto und teureres Fahren? Avenir Suisse schlägt Tunnel-Maut vor.
 
Während die Bevölkerung zwischen 2000 und 2011 um 10 Prozent und das Bruttoinlandprodukt um 21 Prozent wuchsen, stieg die Fahrleistung auf den Nationalstrassen doppelt so schnell um 41 Prozent und die auf den Schienen gefahrenen Personenkilometer nahmen um 54 Prozent zu. "Ursache dafür sind weit verbreitete Fehlanreize", erklärt Daniel Müller-Jentsch, Projektleiter bei der Avenir Suisse. „Die Mobilität nimmt immer stärker zu und gleichzeitig wird immer lauter über Staus und überfüllte Züge geklagt.“ Mit der Idee ihres sogenannten Mobility Pricing  will die Denkfabrik dieser Entwicklung entgegensteuern und die Kosten senken. Mit einem höheren Grad an Benutzerfinanzierung, Preisdifferenzierung nach Zeiten und Strecken sowie Investitionsentscheiden auf Basis von Kosten-Nutzen-Erwägungen, will sie die Kostenspirale unterbrechen. 

Geld für die zweite Gotthard-Röhre

Der Status quo sei in vielen Bereichen ungerecht, so Müller- Jentsch. Die Kosten sollten von denjenigen bezahlt werden, die sie verursachten. Als Idee für den Strassenverkehr bringt die Denkfabrik eine Tunnel-Maut ins Spiel - ähnlich wie sie in Österreich bei sechs Tunnels auf den alpenquerenden Strassen erhoben wird:  Als Pilotprojekt für eine Tunnel-Maut bietet sich laut der Avenir Suisse in der Schweiz der Gotthard-Tunnel an. Der Bundesrat schätzt die Gesamtkosten einer Sanierung auf bis zu zwei Milliarden Franken, beim Bau einer zweiten Röhre auf 2,8 Milliarden Franken. „Diese Kosten könnten durch eine Tunnel-Maut finanziert werden“, sagte der Avenir-Suisse-Projektleiter. Mit seiner Lage auf der Haupttransitroute sei der 17 Kilometer lange Alpentunnel ideal für die Erhebung einer Gebühr.
 
Neben dem Verkehrsaufkommen und dem Investitionsbedarf könnte gemäss Avenir Suisse auch die Länge ein Kriterium sein. In seinem Diskussionspapier sieht die Denkfabrik für eine Gebühr jene Tunnels vor, die mehr als drei Kilometer lang sind. Von den insgesamt 230 Tunnels auf dem Nationalstrassennetz wären dies 26.

GA abschaffen?

Eine weitere im Diskussionspapier aufgeworfene Massnahme im Strassenverkehr ist eine City-Maut, wie sie in Stockholm angewandt wird. In Städten wie Zürich oder Genf könnte laut Avenir Suisse die Verkehrsüberlastung gesenkt werden. Beim öffentlichen Verkehr schlägt Avenir Suisse vor, die Preise während der Rushhour auf überlasteten Strecken zu erhöhen und längerfristig das GA abzuschaffen. „Während der Talzeiten liegen im Zugverkehr enorme Kapazitäten brach“, meint Müller-Jentsch. Die Sitzplatzauslastung der SBB betrage nur gerade zwischen 20 und 32 Prozent.
 
„Wir wollen mit unserem Papier die Diskussion anregen“, so Avenir-Suisse- Direktor Gerhard Schwarz. „Mobility Pricing“ sei das fairere System als das aktuelle. „Die Akzeptanz in der Bevölkerung für unsere Ideen ist noch gering“, räumt Schwarz ein. Aber dies werde sich aufgrund des zunehmenden Drucks auf die Benutzer von Strassen und Schienen ändern. (mai/sda)