Ausstellungstipp: zerbrechliche Schönheiten

Ausstellungstipp: zerbrechliche Schönheiten

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Teaserbild-Quelle: Martin Adam, Sammlung Holz

Von geheimnisvoll schimmernd bis leuchtend bunt und von zart bis  massiv – das Zürcher Bellerivemuseum zeigt in der Ausstellung  «Cose Fragili» Schätze aus den venezianischen Glasmanufakturen.

Den Auftakt bilden Stücke aus der Serie Primavera des italienischen Glasdesigners Ercole Barovier (1889 bis 1974), hauchzarte verspielte Vasen aus craqueliertem Milchglas aus den 20er-Jahren. Die zunehmende Bekanntheit der Manufakturen löste wenige Jahre später ­einen regelrechten Boom aus: Künstler, bran­chenfremde Designer aber auch Architekten ­arbeiteten mit Meisterglasbläsern zusammen. So revolutionierte etwa der venezianische Architekt Carlo Scarpa (1906 bis 1978) das Genre mit einer modernen Formensprache. Gleichzeitig regte er mit seinen extravaganten Objekten die Entwicklung neuer Werkverfahren an, etwa des an die Malerei erinnernden Pennellato, bei dem das noch heisse Stück mit farbigen Glaskugeln so­zusagen bemalt wird. Zudem liess er längst ­vergessene Methoden wieder aufleben. Das gilt für die Battuta, eine aufwendige Schleiftechnik, welche Scarpas Vasen wie gemeisselte Skulpturen wirken liess.

Neben diesen Meisterstücken widmet die ­Schau den 1940er- bis 1960er-Jahren ebenfalls einen eigenen Bereich. Die gestalterische Bandbreite jener Zeit ist gross: Schlichte Vasen in klaren Farben stehen neben skurrilen Gefässen, ­lichtdurchlässige Objekte neben dickwandigen Werken, verspielte Muster neben klarem Karo- oder Streifendesign. Daneben stellt die Schau auch zeitgenössisches Schaffen vor: Unter anderem sind Werke des Schweizer Designerduos Philip Baldwin und Monica Guggisberg zu sehen, die ihren Objekten mittels Schliffen Tiefe verleihen. Derweil setzen japanische Glaskünstler wie Yoichi Ohira oder Tsuchida Yasuhiko auf asiatische Ästhetik. Des Weiteren sind Schalen der Amerikanerin Mary Ann Toots Zynsky zu sehen, deren Oberfläche an Federn erinnert, weil die Stücke aus unzähligen farbigen Glasfäden bestehen.

Abgerundet wird die Ausstellung mit Informationen zu den verschiedenen Herstellungstechniken und mit Fachführungen (4. Juni, 18. Juni und 13. August). Zudem weiht der Künstler und Glasbläser Thomas Blank in der langen Nacht der ­Museen (Samstag, 5./6. September) weiht in die Geheimnisse des Glasblasens ein.  (mai/mgt)

Cose fragili bis 13. September
Museum Bellerive, 8008 Zürich
Öffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch 10 bis 17 Uhr, Donnerstag 10 bis 20 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr,  29. August (Streetparade) geschlossen
Weitere Infos:  www.museum-bellerive.ch