Ausstellungstipp: Mario Botta und die Kirchen

Ausstellungstipp: Mario Botta und die Kirchen

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Teaserbild-Quelle: Enrico Cano, Architekturforum Zürich

In Mario Bottas Werk nehmen Kirchen wichtigen Stellenwert ein. Und sie sind das Thema einer spannenden Ausstellung im Zürcher Architekturforum, in welcher der Tessiner Architekt Einblick in den Entwurfsprozess der Kirche von Sambuceto gibt, die noch nicht fertig gebaut ist.

Die Kirche Santa Maria degli Angeli aus der Feder von Mario Botta erinnert an eine Festung. Das liegt nicht nur an den rauen Porphyrmauern und an der archaisch anmutenden Architektur, sondern auch an der Lage: Sie befindet sich ­
auf dem Bergsporn des Monte Tamaro TI. Dieser ­Umstand macht das Bauwerk nicht nur zu einem Anziehungspunkt für architekturinteressierte Touristen, sondern auch für jene, welche die aussergewöhnliche Aussicht geniessen wollen. Errichtet wurde Santa Maria degli Angeli zwischen 1992 und 1996.

Kirchliche Bauten nehmen in Bottas Werk einen wichtigen Stellenwert ein: Santa ­Maria degli Angeli ist nur eines von insgesamt 16 Gottes­häusern, die der Tessiner Architekt in seiner Laufbahn entworfen hat. Noch nicht ganz fertig ist die Kirche von Sambuceto in den Abruzzen. Weil es an Geld fehlt, steht bisher lediglich der Rohbau, zurzeit ruhen die Arbeiten. Dennoch ist sie das Hauptthema der kleinen feinen Ausstellung im Rahmen der Carte-Blanche-Reihe des Zürcher Architekturforums: Mario Botta  zeichnet den Entwurfsprozess anhand von Modellen, Skizzen und Fotografien nach. Daneben nutzt er den Stillstand auf der Baustelle, das Projekt weiter zu spinnen, etwa indem er nach neuen Ansätzen sucht oder nach Vorschlägen für die Ausgestaltung des Raums.

"In einer säkularen Gesellschaft wie der ­unseren ist es offensichtlich, dass eine Kirche ­eine Ausnahme bildet unter den Bauaufgaben", schreibt Botta zur Ausstellung. Ebenso offensichtlich sei es aber, dass ein solches Bauwerk eine Gelegenheit des Widerstands gegen die Verflachung und Banalisierung des gegenwärtigen Bauens darstelle. Botta führt in diesem Zusammenhang den kulturellen und geschichtlichen Kontext an, in dem Kirchen stehen. In seinen Auge ist ­dies einer Gründe, für "die aussergewöhnliche Anziehungskraft", die der Kirchenbau auf Architekten ausübe. In dieser Bauaufgabe könne der Architekt "die wahren Gründe und Prinzipien der Architektur" wieder finden.  (mai)

Carte Blanche XII: Mario Botta, bis 28. Februar
Architekturforum Zürich
Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Freitag 12 bis 18 Uhr, Donnertag 16 bis 22 Uhr, Samstag 11 bis 17 Uhr
Weitere Infos: www.af-z.ch