Ausstellungstipp: Italienische Einwanderer in der Schweiz

Ausstellungstipp: Italienische Einwanderer in der Schweiz

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Bauarbeiter der Firma Cellere AG, St. Gallen teeren eine Strasse mit Hilfe einer Einbaumaschine, die Mischgut in einer Mulde aufnimmt und hinter der Maschine gleichmässig verteilt und verdichtet. Sommer 1956, o. O. (zvg) 1/11

„Ricordi e Stima“ oder vielmehr „Erinnerung und Wertschätzung“ sind die Themen einer mit  viel Einfühlungsvermögen gestalteten Ausstellung im Historischen und Völkerkunde Museum St. Gallen. lm Mittelpunkt stehen die Hunderttausende italienischer Migranten, die nach dem zweiten Weltkrieg in die Schweiz einwanderten, einen grossen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz geleistet haben und schliesslich auch zu einem Stück Schweiz geworden sind.

Wenige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg wanderten immer mehr Italiener und Italienerinnen in die Schweiz ein, wo sie Arbeit fanden. Anfänglich kamen Menschen aus Norditalien und Ende der fünfziger Jahre, machten sich zunehmend auch Süditaliener auf den Weg in die Migration. Heute gehören die Menschen aus Italien zu den grössten Einwanderungsgruppen.
Arbeit gab es genug
In der Bauwirtschaft, in der Industrie, im Gewerbe, in der Hotellerie und im Gastgewerbe waren die Italiener kaum mehr weg zu denken. Während noch bis Ende der 50er-Jahre ungefähr die Hälfte der italienischen Arbeitskräfte als Saisonniers in die Schweiz kamen, entschieden sich immer mehr für einen dauernden Aufenthalt und holten ihre Familie nach. Bis Anfang der 1980er Jahre war das  Verhältnis zwischen Italienern und Schweizern eher ein Nebeneinander. Ablehnende Haltungen zu dieser Zuwanderung konnte sich jedoch an der Urne nie durchsetzten, dies gilt etwa für die Schwarzenbach-Initiative. Die Italiener gestalteten ihre eigene gesellschaftliche Welt und veränderten von dort aus sich und auch die Schweiz.
Auch ein Stück Schweiz
Heute sind Italienerinnen und Italiener, ihre Kinder, die hier ihre Ausbildung absolviert haben ein Stück Schweizer Identität geworden. Die italienischen Migranten haben den Schweizern auch die Italianità näher gebracht. So ist etwa ihre Esskultur auch zum Bestandteil der schweizerischen Küche geworden. Viele oder die meisten, die ursprünglich nur für ein paar Jahre zum Arbeiten in die Schweiz kamen, sind hier alt und auch heimisch geworden. Ihr Platz ist hier, bei ihren Kindern, Verwandten und Freunden.
Das Historische und Völkerkundemuseum St. Gallen präsentiert mit „Ricordi e Stima“ eine packende Foto-Ausstellung, eine „Annäherung durch Fotografie und Oral-History“ an den Alltag der Italienerinnen und Italiener, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus wirtschaftlichen Gründen in die Schweiz immigriert sind. Zahlreiche der auf den ersten Blick reportagehaft daherkommenden schwarz-weissen Fotografien, aus vielen Lebensbereichen dürften bei manchen Besuchern Emotionen und Erinnerungen wecken an eine nicht nur gute alte Zeit.
Das Ausstellungsprojekt wird getragen von der Associazione/Verein «ricordi e stima», Zur Realisierung von Geschichts- und Kulturprojekten der Italienerinnen und Italiener der Ostschweiz». Der Verein wurde gegründet von Vertreterinnen und Vertreter der italienischen Vereine und Institutionen in Zusammenarbeit mit dem Archiv für Frauen-, Geschlechter- und Sozialgeschichte Ostschweiz.  (mai)
Ricordi e Stima, Fotografie und oral History zur italienischen Migration nach dem zweiten Weltkrieg bis in die 1980er Jahre in der Schweiz
Historisches und Völkerkundemuseum St. Gallen 
Museumstrasse 50, 9000 St. Gallen, 
Öffnungszeiten: Dienstg bis Sonntag, 10-17 Uhr, Montag und Feiertage geschlossen
Weitere Informationen: www.ricordi-e-stima.ch