Ausstellungstipp: Das Velo und die Stadt

Ausstellungstipp: Das Velo und die Stadt

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Teaserbild-Quelle: Copenhagenize Design Company

Bike, Design und City – unter diesen Schlagworten präsentiert das Gewerbemuseum Winterthur eine vielfältige Ausstellung über das Velo schlechthin. Velofahren steht heute für urbanes Lebensgefühl .Vor dem Hintergrund zunehmender Verkehrs- und Mobilitätsprobleme avanciert es in den Städten zum  individuellen Nahverkehrsmittel, zum Symbol für Flexibilität und Tempo. Parallel dazu ist das Velo auch im städteplanerischen Kontext zu einem Faktor geworden.

Die Schau «Bike / Design / City» beleuchtet sowohl die vielfältigen Fahrradszenen von heute, als auch das reiche Entwicklungspotenzial im Rahmen der urbanen Mobilität und mögliche Zukunftsszenarien rund ums Velofahren.

Präsentiert werden Design-Trends vom kultigen Rennrad über topaktuelle Citybikes oder von neuesten Klapprädern und E-Bikes bis hin zu leistungsstarken Cargobikes für Kuriere und Familien. Die Schau zeigt Velos aus dem nationalen und internationalen Raum, auch Unikate, Prototypen und Modelle aus Kleinstserien. Zahlreiche Exponate sind in der Schweiz erstmals zu sehen. Während hundert Jahren war das Velo in erster Linie ein pragmatisches, billiges und ökologisches Fortbewegungsvehikel oder wurde für Freizeit und Sport genutzt. Dass es sich zum trendigen Lifestyle-Nahverkehrsmittel gemausert hat, hängt auch mit smartem Design und modischem Zubehör zusammen.

Zahlreiche kleinere Manufakturen haben individuelle aber auch ausgefallene Ansprüche an Qualität und Unverwechselbarkeit innerhalb des Fahrraddesigns entdeckt. Während beispielsweise viele der grossen Hersteller auf vergleichsweise kostengünstige Materialien und Produktionsstandorte setzen, verfolgen diese Kleinproduzenten ganz andere Konzepte. Sie produzieren erstklassige und stilvolle Velos mit alternativen Materialien wie hochwertigem, handverarbeitetem Stahl oder Karbon, aber auch Holz und Bambus oder, ganz neu, mit 3D-gedruckten Kunststoffen . Für jeden Geschmack und für jedes Portemonnaie gibt es eine reichhaltige Auswahl. Gleichzeitig werden Vintageräder, beispielsweise Militärvelos, gehegt und gepflegt, wie man es sonst nur von automobilen Oldtimern her kennt.

Verkehrsmittel mit Zukunft

Gleichzeitig hat bei den E-Bikes die Entwicklung hinsichtlich Antriebs-Technik  in den letzten Jahren einen Quantensprung gemacht, sodass es kaum verwunderlich ist, dass immer mehr Leute die Vorzüge von Elektrofahrrädern entdecken. Dafür sprechen auch die Verkaufszahlen, die rasant in die Höhe schnellen: Die E-Bikes sind in der Schweiz die am schnellsten wachsende Verkehrsgruppe überhaupt. Begründet wird diese ungebrochene Popularität nicht nur mit dem aussergewöhnlichen Fahrgefühl, sondern ebenso mit den verstopften Innenstädten sowie den überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln, was Pendler auf sinnvolle Alternativen ausweichen lässt. Mit einem E-Bike kann je nach Modell ein Tempo von 45 km/h und mehr erreicht werden, was sich leider auch in der Unfallstatistik nieder- schlägt. Die verschiedenen Verkehrsteilnehmer müssen sich zunächst noch an die neuen Tempi gewöhnen, doch auch die Städte- und Verkehrsplanung ist gefordert.

Radbrücke Hovenring in Eindhoven, Niederlande.
Quelle: 
ipv Delft (Design)
 
Während das Velo immer noch da und dort in den Verkehrsplanungen kaum eine Rolle spielt, wird es andernorts einfallsreich gefördert, zum Beispiel in Kopenhagen, Amsterdam, Paris oder London, aber auch in der Schweiz, mit unterschiedlichen Konzepten, zum Teil mit hohen Investitionen und Zielsetzungen. 

Beispiel Kopenhagen

In Kopenhagen pendeln 50 Prozent der Bevölkerung mit dem Velo zur Arbeit oder Schule, 27 Prozent  mit dem ÖV und 23 Prozent mit dem Auto. Seit Jahrzehnten setzen die Verkehrsplaner Kopenhagens auf den Langsamverkehr. Unterdessen liegt der Fahrradverkehrsanteil im Zentrum bei über 50 Prozent, im gesamten Stadtgebiet sind es 35 Prozent. Jeden Tag rollen bis zu 40 000 Velos über die Königin-Luise-Brücke an der Nørrebrogade, einer der Fahrradschnellstrecken im Norden der Stadt. 
Erreicht wurden diese Zahlen durch eine konsequente Umsetzung innovativer Verkehrskonzepte: Radwege sind nach Möglichkeit drei bis vier Meter breit. Auf spektakulären Fahrradbrücken werden die unzähligen Wasserflächen über- quert. Eine grüne Welle bei Tempo 20 sorgt für einen ungehinderten Fluss des Radverkehrs. Ausserdem haben Fahrräder Vorfahrt gegenüber allen anderen Verkehrsteilnehmern, inklusive öffentlichem Verkehr!  Ausserordentlich ist auch die Disziplin der Kopenhagener Radfahrer: Jeder, der abbiegt, gibt mit der Hand ein Zeichen nach rechts oder links, wer nur stoppen will, hält sie in die Höhe. Auch Rotlichter werden ausnahmslos respektiert – ein Verhalten, von dem man in gewissen Schweizer Städten nur träumen kann.

 

Bike Loft: Automatisches Parksystem, Visualisierung beim Bahnhof Luzern. Der Ingenieur Armin Wyttenbach entwickelt in der Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Industriedesigner Wolfgang K. Meyer-Hayoz ein Parksystem, das auf kleinster Fläche Raum für bis zu 1000 Räder bietet.
Quelle: 
AURA Fotoagentur, Gabriel Ammon

Bike Loft: Automatisches Parksystem, Visualisierung beim Bahnhof Luzern. Der Ingenieur Armin Wyttenbach entwickelt in der Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Industriedesigner Wolfgang K. Meyer-Hayoz ein Parksystem, das auf kleinster Fläche Raum für bis zu 1000 Räder bietet.

Und in der Schweiz?

Im Unterschied zur Schweiz profitieren die fortschrittlichsten Velostädte und -Regionen von einer flachen Topografie, während in den meisten Schweizer Agglomerationen schnell einmal das bequeme Velofahren zum anstrengenden Pedalentreten wird. Das E-Bike verzeichnet deshalb gerade in der Schweiz hohe Zuwachsraten.

Die höchste Velodichte der Schweiz verzeichnen die Stadt Basel und ihre Agglomeration. Besonders ambitioniert punkto Veloverkehrsplanung gibt sich Bern: Hier will man den Anteil der Fahrräder am Gesamtverkehr von heute 11 Prozent auf 20 Prozent steigern. Seit dem letzten Sommer ist die erste Velohauptroute Wankdorf in Betrieb. Die Bewältigung der wachsenden Mehrverkehrs soll mit Velos aufgefangen werden.

Derweil besteht im Kanton Zürich seit 2020 ein Veloförderprogramm, um den Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr zu erhöhen. Ziel ist es, Pendler bis zu Distanzen von 15 Kilometern für das Velo zu gewinnen.

Winterthur eröffnet 2018 die erste Veloschnellroute als Teil eines Netzes von fünf Velobahnen. Dabei ist vorgesehen, den Ost- und Westteil der Stadt durch eine grosszügige Velounterführung im Zentrum unter den Bahngleisen hindurch zu verbinden. dIm Umfeld zahlriecher Bahnhöfe der Schweiz sind zudem grosszügige Vetostellplätze und Velo-Parkhäuser geplant. (mai/mgt)

«Bike / Design / City» bis 30. Juli im Gewerbemuseum Winterthur
Öffnungszeiten: Di bis So 10-17 Uhr, Do 10-20 Uhr, Mo geschlossen
Veranstaltungen und weitere  Infos: www.gewerbemuseum.ch