Ausflugstipp: Begegnung mit der Belle Epoque

Ausflugstipp: Begegnung mit der Belle Epoque

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Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt? In diesem Sinne gibt die Baublatt-Redaktion Tipps für Daheimgebliebene. Heute: das Hotel Honegg in Ennetbürgen im Kanton Nidwalden.

In den 50-Jahren schämten sich viele Leute für die Grands Hotels der Belle Epoque. Auch die Bürgenstock-Hotellerie in Nidwalden/Luzern stand damals für einen «mondänen Tourismus» und weckte Aversionen gegen protzende Industrielle und Adlige. Insbesondere vertrug sich dieser Tourismus der Gutbetuchten wenig mit der Erfahrung der kargen Zeit während des ersten Weltkriegs. Weil diese Hotels oft nicht rentierten, wurden viele von ihnen abgebrochen. Der Heimatschutz begrüsste ihre Beseitigung. Seit 1900 waren ihm die «grossen Kästen in der unberührten Natur» ein Dorn im Auge.

Das Hotel Honegg ist als Teil des Bürgenstock-Ensembles erhalten geblieben und wurde 2011 nach zweijähriger Renovation als «Beherbungshotel der Luxusklasse» wieder eröffnet. Besucher können sich im Sommer auf der Terrasse oder im exklusiv gestalteten Saal des Restaurants einen kühlen Drink gönnen und auf 900 Meter über Meer die voralpine Landschaft des Vierwaldstättersees geniessen. Erreichbar ist das 5-Stern-Hotel mit seinen 23 Zimmern auf einer einspurigen und kurvenreichen Strasse von Ennetbürgen aus. Ebenso führt vom Bürgenstock-Resort in Obbürgen Stansstad NW eine leichte Wanderung durch Wald und Wiesen zum Honegg.

Bis in die 60er-Jahre beherbergte das Haus in 50 Zimmern hauptsächlich Touristen aus Süddeutschland und der Schweiz. In diesem billigeren Gästesegment konnte sich das kleine Hotel aufgrund der hohen Betriebskosten und des nicht mehr zeitgemässen Komforts aber nicht mehr über Wasser halten. Danach gammelte es 40 Jahre vor sind hin, bis Ghanim Bin Saad Al Saad, CEO des Immobilienkonzerns Barwa aus Katar, am Hotel aus der Belle Epoque Gefallen fand und es aus dem Dornröschenschlaf weckte. Mit 20 Millionen Franken sanierte er den grossvolumigen Holzbau, mit dem sich zuvor kein einheimischer Hotelier die Finger verbrennen wollte. Innen liess er den Bau komplett aushöhlen, die Fassade aus handgefertigten Holzschindeln stellte er originalgetreu wieder her. (ur)

Hotel Honegg, Ennetbürgen, www.villa-honegg.ch