Ausflüge in private Paradiese

Ausflüge in private Paradiese

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Teaserbild-Quelle: Looknow
In Schrebergärten herrscht nicht nur ein kunterbuntes Nebeneinander von Pflanzen, sondern auch von Kulturen. In seinem Dokumentarfilm erzählt Mano Khalil von diesen winzigen Paradiesen und von den Menschen, die sie bewirtschaften.
 
 
Was verbirgt sich hinter den Apfelbäumen, hinter den Tulpen und den hohen Bohnenpflanzen? Was spielt sich in den kleinen Gartenhäusern ab? Solche Fragen stellte sich Regisseur Mano Khalil und begab sich auf eine Reise in einen Kosmos, der so kleinräumig wie vielfältig ist: in die Schrebergärten. In der Schweiz gibt es rund 375 Gartenareale mit insgesamt 28'500 Mitgliedern, die dort ihr Gemüse anpflanzen, Rosen ziehen oder einfach entspannen. Diese Areale seien kleine, grüne Oasen, findet Khalil. Mit ihren vielen Farben, der friedlichen Atmosphäre und ihren Düften strahlten sie  Zufriedenheit aus. Besonders interessierten den Regisseur aber nicht die Pflanzen, die auf den kleinen Landstücken gedeihen, sondern die Menschen, die sich um sie kümmern.
 
Gegensätze existieren in den Beeten ebenso nebeneinander wie ausserhalb. Das zeigen die Gartendfreunde, die Khalil in seinem Film porträtiert: etwa das kurdische Ehepaar Fatima und Ali Kaya, die in ihrem Reich nicht nur Gemüse ziehen sondern auch traditionelles kurdisches Brot backen. Oder das schweizerisch-algerische Rentnerpaar Marguerite und Mohammed Barka. Für sie ist der Garten ihr Naherholungsgebiet: „Er bedeutet für uns Freizeit, Bewegung, Gesundheit – auch Arbeit zwar, aber gesunde Arbeit, die Freude macht.“ Zu zweit beackern auch die Brüder Aschi und Hausi ihr Stück Land, sie verbringen fast ihre ganze Freizeit gemeinsam in ihrem privaten Paradies. „Die meisten Frauen interessieren sich fürs Portemonnaie, nicht für den Garten“, sagt einer der beiden.
 
„Klar haben sie eine andere Kultur, aber ein klein wenig müssen sie schon versuchen, sich anzupassen. Das wäre gut für uns und gut fürs sie“, meint Hobbygärtnerin Edith Grossrieder über den bunten kulturellen Mix. Der Scherbergarten gehört wohl zur Schweizer Identität wie Fondue, Schokolade und die Gemeinschaftwaschküche. Und so trifft hier Schweizer Ordnungssinn auf fremdländisches Improvisationstalent. Das kann seine skurrilen Seiten haben. Auch davon erzählt Mano Khalil in seinem Film, in dem er einen liebevollen und ironischen Blick auf die Welt der Schrebergärten wirft. (mai/mgt)