Aus Baumaterial wird Kunst

Aus Baumaterial wird Kunst

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Teaserbild-Quelle: zvg
Der Rundgang durch die Art-Statements-Halle war eine kleine Offenbarung für die „baublatt“-Redaktorin: Da fanden sich gleich mehrere Werke, die Baustoffe zu Kunst machten.
 
 
Die Art Basel hat auch heuer viel Glanz und Gloria angelockt und gezeigt. Daneben war aber an der diesjährigen Veranstaltung auch Bodenständiges zu Entdecken: Kunstwerke aus handfestem Baumaterial. Unter dem Motto Art Statements zeigten 27 junge Künstler aus der ganzen Welt Arbeiten. Zum Teil riesige Installationen hatten bequem Platz im ebenso grossen Bauch der Ausstellungshalle. Warum gleich mehrere Werke das Thema Baumaterial oder Baustelle thematisierten, bleibt ein Rätsel für die Schreiberin. Aber die Verbindung von Bodenständigem mit Schöngeistigem hat viel Staunen und Faszination ausgelöst.

Fliegende Messewände

Zum Beispiel die Arbeit "The Encored Separation" von Etienne Chambaud: Das überdimensionierte Mobile besteht aus Elementen von vorfabrizierten Messewänden, wie sie die Art Basel den Künstlern zur Verfügung stellt. An Metallarmen hängend, schwebten die gebrochenen Wandstücke scheinbar schwerelos und gemächlich über die Köpfe der Besucher. Direkt daneben dann Hunderte von Ziegelsteinen, die ebenfalls vom Boden losgelöst waren. Kendell Geers zeigte mit "Hanging Piece" an rote Gummiseile befestigte Backsteine, die von der Decke baumelten.
 
Der absolute Kontrast zu diesen schwerelosen Installationen war die Arbeit von Christian Andersson: Von weitem glaubte man, eine Abwandlung von Stonehenge vor sich zu sehen. Ein Bauwerk für die Ewigkeit, unverrückbar und unendlich schwer. Das war natürlich ein Trugschluss, denn Andersson behalf sich für den Bau seines Kunstwerks mit federleichten Kunststoffteilen, die er so bearbeitete und bemalte, dass sie wirkten wie Steine.
 
Mindestens 100 Jahre in die Vergangenheit zurückkatapultiert wähnte man sich beim Anblick von "Malewich Square". Robert Kusmirowski rekonstruiert historische Situationen aus dem Alltag. An der Art Basel war es eine Baustelle mit altertümlichen, verrosteten Baumaschinen, mit altmodischer Arbeitsbekleidung und allerlei Materialien. Es schien, als hätten die Arbeiter die Baustelle eben erst verlassen oder seien gar im Beton versunken. Auf jeden Fall aber ein nie gesehenes, poetisches Stilleben einer Baustelle. (ka)