Augenschmaus für den Arbeitstag

Augenschmaus für den Arbeitstag

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Hugh Hefner, Verleger des Magazins «Playboy», hat eine üppig bebilderte Autobiografie verfasst. Weil die Playboy-Nackedeis regelmässig auf Baustellen und in Werkstätten anzutreffen sind, soll das Werk Hefners an dieser Stelle gewürdigt werden.
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Die auflagenlimitierte Autobiografie von «Playboy»- Verleger Hugh Hefner.


Mittagspause auf dem Bau. Die Belegschaft stellt die Maschinen ab, legt Kelle und Massstab hin und wandert zur Kantine, setzt sich zum Essen hin. Ein typischer Arbeitstag, nicht aufregender oder langweiliger als viele andere zuvor. Bis der Blick auf die Schönheit fällt, die an der Wand hängt. Auf einer Doppelseite lächelt dort eine leicht bekleidete Frau, die ganz und gar nichts mit Betonieren, Buchhalten oder Landschaftsgärtnerei zu tun hat. Für einen Moment mögen die Gedanken des Betrachters von den Aufgaben abschweifen, die es am Nachmittag zu erledigen gilt. Diese Verkörperung einer erotischen Fantasie, die in den Arbeitsalltag eingebrochen ist, schiebt den Terminstress oder den launigen Chef einfach beiseite. Bis der Banknachbar rüde in die Traumwelt einbricht: «He, hier läuft der Film!»

Für den Augen- und Gedankenschmaus am Arbeitsplatz oder auch Zuhause ist ein Verleger verantwortlich, dessen Heft seit Generationen auf Baustellen und Werkstätten anzutreffen ist: Hugh M. Hefner veröffentlichte 1953 die erste «Playboy»-Ausgabe. Es folgte eine beispielslose Erfolgsgeschichte, verknüpft mit einem gesellschaftlichen Umbruch, der sexuellen Revolution, die der «Playboy» laut Hefner zumindest mit initiiert und vorangetrieben hat.

Hugh M. Hefner hat Ende 2009 seine Autobiografie herausgegeben, die von seinem Geburtsjahr 1926 bis zum Ende einer für den Playboy goldenen Ära reicht, nämlich 1979. In sechs Bänden mit 3506 Seiten zeigt der Verleger nie zuvor gesehener Erinnerungsstücke aus seinen Privatarchiven: Originalgrafiken, Karikaturen und Briefe, ergänzt um 700 Seiten autobiografischer Materialien über Hefners Jugend, Militärdienst, erste Erfolge als Comiczeichner, zahllose Freundinnen sowie die Entwicklung und den Durchbruch des «Playboys» während des ersten Vierteljahrhunderts seines Erscheinens. Natürlich ist das Werk reich bebildert – Material hat sich über die Jahre ja in Fülle angesammelt. Hefner gibt den bekanntesten Starlets jeder Ära noch einmal die Ehre. Unter den «Bunnys», wie die Fotomodelle in Anlehnung an das Playboy-Maskottchen genannt werden, findet sich auch Marylin Monroe. Die Schauspielerin ist in der legendären ersten Ausgabe des Magazins verewigt. Diese ist als Faksimile ebenfalls beigelegt. Die sechs Bände mit Festeinband kommen in einer soliden Plexiglas-Box daher und sind von Hefner signiert. Sogar ein Stück des berühmten bordeauxroten Seidenpyjamas ist mit dabei. Die Autobiografie erschien in einer limitierten Auflage von 1500 Stück. Entsprechend ist der Preis: 1000 Euro bezahlen wohl nur ausgesprochene «Playboy»-Liebhaber.

Architektur und Stil

Das Magazin definierte namensgerecht ab der ersten Dekade, was den Playboy «of modern times» ausmacht, wo, mit wem, und welchen Accessoires er sich herumzutreiben hat. Kultautoren wie Gore Vidal, Norman Mailer, Jack Kerouac oder Ray Bradbury verfassten Beiträge. Der «Playboy» interviewte Zeitgenossen wie Martin Luther King, John Lennon, Richard Nixon und Roman Polanski. Ein Lebemann sollte aber auch in Architektur oder Inneneinrichtung stilsicher sein. Diese Einstellung widerspiegelte ein Porträt des amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright, veröffentlicht im August 1954. 640 Gebäude hatte er bis dato laut Artikel realisiert, und mit sich mit seinem kontroversen Wirken auf und neben dem Zeichentisch einige Feinde geschaffen. Und die Ausgabe vom November 1959 beschrieb unter der Überschrift «modernes Wohnen» das Playboy-Bett: Eine grossflächige Spielwiese mit Head- und Sideboards, in denen sich vom Plattenteller bis zum Teeset und kleinem Kühlschrank alles findet. 1970 kaufte Hefner für 1,05 Millionen Dollar die «Playboy Mansion West» in Los Angeles, eine Villa mit 30 Zimmern, die im Tudorstil des 15. Jahrhunderts nachgebaut war. In das Grundstück, wo sich noch heute Stars und Sternchen tummeln, investierte er weitere zwölf Millionen, um unter anderem einen Swimming Pool, Tennisplatz, Privatzoo und Goldfischteich zu errichten. (Thomas Kümin)