Astra: Verstärktes Controlling wegen Korruptionsgefahr

Astra: Verstärktes Controlling wegen Korruptionsgefahr

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Astra-Direktor Jürg Röthlisberger, der im März die Nachfolge von Rudolf Dieterle angetreten hat, hat das Controlling verstärkt und eine neue Abteilung „Steuerung und Finanzen“ geschaffen.  Als einer der grössten Bauherren der Schweiz stehe das Astra im Schaufenster, und dem trage man Rechnung, erklärt er in der aktuellen Ausgabe des Tages-Anzeigers.  

Unter Dieterle war das Astra mehrmals kritisiert worden. Grund waren teils massive Budgetüberschreitungen bei einem IT-Projekt sowie undurchsichtige Vergaben und Verdacht auf Vetternwirtschaft.

Pro Jahr verbaut das Astra rund zwei Milliarden Franken. Allerdings kann es die aktuellen über 600 Projekte zum Unterhalt und Ausbau der Autobahnen nicht alleine betreuen und muss deshalb auf Hilfe von Aussen zurück greifen. Denn laut Tages-Anzeiger fehlen dem Astra, seit der Bund vor rund sieben Jahren die Nationalstrassen von den Kantonen übernommen hat, über 200 Fachleute. Die Folge: Es werden Aufträge an Externe vergeben.  Während der vergangenen drei Jahre wurden dafür gemäss der Zeitung total rund 130 Millionen Franken aufgewendet. Die teilweise Auslagerung der Astra-Arbeiten führe zu heiklen Konstellationen.

Dazu hat der Tages-Anzeiger einen Fall aus der Vergabedatenbank simap.ch recherchiert, der auf „gewichtige potenzielle Interessenskonflikte“ hindeute. Die Astra-Filiale Zofingen plant gegenwärtig diverse Unterhaltsarbeiten in Raum Basel. Teil davon sind etwa zwei Projekte auf der A2. Hierfür wurden die sogenannte Bauherrenunterstützung (BHU) hinzugezogen:  Im ersten Projekt fungiert die Jauslin Strebler AG und im zweiten die Rapp Infra AG. Die Planermandate für die beiden Projekte habe das Astra parallel ausgeschrieben. Im ersten Projekt hat eine von Rapp angeführte Ingenieursgemeinschaft den Zuschlag bekommen, im zweiten wurde Juslin Strebler mit dem Auftrag betraut. Auf den Verdacht, dass sich hier zwei Unternehmen zu Aufträgen verhelfen, angesprochen, wies ein Astra-Sprecher gegenüber dem Tages-Anzeiger den Vorwurf der Vetternwirtschaft zurück. Zudem verwies er auf interne Vorgaben und umfangreiche Reglemente sowie darauf, dass sich im kleinen Schweizer  Markt die einzelnen Akteure immer wieder begegnen.

Dennoch will auch Röthlisberger an der Praxis der BHU festhalten. Der Grund: Um auf Externe verzichten zu können, müsste das Astra 200 Bauingenieure einstellen. Aber die sind laut Röthlisberger auf dem Markt gar nicht verfügbar.  (mai)

Den Aritkel aus dem Tages-Anzeiger finden Sie hier: http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Vergabewillkuer-im-Strassenamt-/story/18102534