Asbest: Hilfe und Entschädigung für Opfer

Asbest: Hilfe und Entschädigung für Opfer

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Personen, die nach 2006 an einem asbestbedingten bösartigen Tumor erkrankt sind, erhalten finanzielle Unterstützung aus einem Fonds. 30 Millionen Franken wurden bereits zugesichert. In den nächsten Wochen wird eine entsprechende Stiftung gegründet.

Im Februar 2015 hatte Bundesrat Alain Berset einen Runden Tisch zur Bewältigung der Asbestproblematik einberufen. Nun einigte sich dieser auf einen «guten Kompromiss», wie Berset am Montag vor den Medien sagte. Er sei froh, dass dieses «traurige Kapitel» mit einer würdigen Lösung abgeschlossen werden könne. Die Lösung sei einvernehmlich zustande gekommen und werde von allen wichtigen Akteuren mitgetragen.
Die 30 Millionen Franken, die sofort eingesetzt werden können, haben verschiedene paritätische Berufskommissionen, die Asbest verarbeitende Branche, die Versicherungsbranche und Bahnunternehmen bereits zugesichert. In den nächsten Wochen wird eine Stiftung gegründet, die die Gesuche prüft und die Unterstützung gewährleistet.
Für den Fonds dürften bis 2025 insgesamt rund 100 Millionen Franken benötigt werden. Sollte der Fonds über das Jahr 2025 hinaus beansprucht werden, müsste eine Nachfolgelösung gefunden werden. Alt Bundesrat Moritz Leuenberger, der den Runden Tisch zu Asbest leitete, betonte, dass die Beiträge freiwillig seien. Die Gebäudeversicherer hätten die Beteiligung am Fonds abgelehnt, worüber Leuenberger «ein wenig enttäuscht» war.

120 Neuerkrankungen jährlich
In der Schweiz erkranken jährlich rund 120 Personen an einem Mesotheliom, also einem Tumor im Bauch- oder Brustfellbereich, weil sie meist vor Jahrzehnten eine krebserregende Menge Asbestfasern eingeatmet haben. Rund 30 von ihnen erhalten keine Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung, weil ihre Krankheit nicht berufsbedingt ist. Mit dem Fonds sollen nun alle an einem asbestbedingten Mesotheliom Erkrankten eine finanzielle Unterstützung erhalten – unabhängig davon, ob es sich um eine anerkannte Berufskrankheit handelt oder nicht.

Psychologische Betreuung
Die maximale Höhe der Zahlung aus dem Fonds orientiert sich an den Leistungen, welche die obligatorische Unfallversicherung an Personen mit einer anerkannten, asbestbedingten Berufskrankheit entrichtet. Auch vorgesehen sind pauschale und einmalige Abgeltungen an die Hinterbliebenen nach dem Tod der Betroffenen. Diese Leistungen treten anstelle des Haftpflichtanspruchs.
Die Diagnose ist häufig ein Schock für die betroffene Person und ihre Angehörigen. Um ihnen sowie potenziell Betroffenen zu helfen, soll ein kostenloser Betreuungsservice aufgebaut werden. Lokale Lungenligen sind daran, Pilotprojekte zu erarbeiten.
Sowohl die Gewerkschaft Unia als auch der Schweizerische Gewerkschaftsbund und Travail Suisse begrüssen die Schaffung eines Fonds. Dieser sei nach dem Asbestverbot von 1989 ein zweiter Meilenstein auf dem Weg zu einer würdigen Bewältigung, schreiben sie in ihren Mitteilungen. (sda/gd)