Architektursymposium: Beleuchtung einer Trendwende

Architektursymposium: Beleuchtung einer Trendwende

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Keine appli-tech ohne Architektur! Wenn es um Grundsatzfragen im Bereich der Gestaltung geht, erheben Architektinnen und Architekten noch immer den Anspruch auf den Rang der Taktmeisterin oder des Taktmeisters. Die Fachmesse für die Maler- und Gipserbranche anerkennt diesen Anspruch insofern, als sie dieser Berufsgruppe mit dem Architektursymposium am Donnerstag, 5. Februar, im Forumbereich vor der Halle 1 (F1) Zeit und Raum zur Verfügung stellt.

In unserer Zeit ist fast alles möglich, auch im Baubereich. Die freie Verfügbarkeit, nicht Mangel oder Not, bestimmen Formgebung und Materialisierung. Unter diesen Umständen ist die Orientierung bei Gestaltungsfragen oft schwierig. Design-Trends belegen die Dynamik von gestalterischen Prinzipien und Regeln: Was heute angesagt ist, gilt übermorgen bereits als veraltet oder unmodisch. Deshalb wollen die Referenten des Architektursymposiums dem Zeitgeist auf den Zahn fühlen und erörtern, was gegenwärtig und in Zukunft gestalterische Trends beeinflusst. Der Titel des Anlasses lautet «Gliederung – Plastizität – Opulenz». Er versammelt zwei Gestaltungsmittel und einen wertenden Begriff. Sie weisen darauf hin, in welche Richtung sich Trends bewegen. Gemeinsamer Nenner der Referate und Ausgangslage für das Symposium ist die Erkenntnis, dass der Minimalismus der Jahrtausendwende durch eine komplexere Architektur abgelöst wird. Diese ist reicher und differenzierter gegliedert und nimmt dabei oft Bezug auf traditionelle Bauformen.

Spannende Themen

Das prophezeite Ende der «Fugenlosigkeit» und eine vorausgesagte neue Ära von abwechslungsreichen, dreidimensionalen Mustern und phantasievollen Schattenwürfen muss die Neugier und den Gestaltungsdrang wecken – sowohl unter den Architektinnen und Architekten als auch in der Maler- und Gipserbranche. Diese Trendwende regt an zu einer neuen Betrachtung hergebrachter Bautraditionen, Techniken und Stile. Genau dies werden die Referenten am Architektursymposium in ihren Vorträgen tun, die vom Architekten und Publizisten Martin Tschanz moderiert wird. Die Stilrichtung des Rokoko (1730 bis 1770/1780) hatte vor rund 250 Jahren ihre Blütezeit. Doch bis heute wirken die lebhaften bis schwülstigen Formen als Inspiration für Architekten und Designer. Die Digitalisierung schafft neue Möglichkeiten im Umgang mit dem Rokoko-Repertoire. Architekt Luc Merx befasst sich mit diesem Thema und berichtet darüber. Aus der Alltagspraxis berichtet Marius Fontana. Der Dekorationsmaler und Restaurator spricht über den Fundus traditioneller Techniken. Den Weg der Lastabtragung als Form und Abbild nehmen die Architekten Benjamin Widmer und Roland Bernath als Grundlage für ihr Referat «Tektonik heute: Die Kunst des Fügens von Bauteilen». Einen passenden Rahmen für das pralle Leben darf man bei den Ausführungen von Architekt Arno Lederer erwarten, wird er doch Opulenz und Sinnlichkeit mit der imposanten Präsenz von Formen und Oberflächen in Verbindung bringen. Das Programm verspricht eine vielseitige und interessante Auseinandersetzung mit aktuellen sowie zukunftsweisenden Konzepten. Für einen anregenden Diskussionsstoff wird mit Sicherheit gesorgt sein.