Architekt Walter Wäschle über die neue Halle 1

Architekt Walter Wäschle über die neue Halle 1

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Walter Wäschle, Verwaltungsrat atelier ww AG

Die Baumag belegt 2015 zum ersten Mal auch die neue Halle 1 der Messe Luzern. Für die Architektur der Hallen 1 und 2 und der Kongressräume zeichnet das Zürcher Büro atelier ww AG verantwortlich. Unternehmensgründer Walter Wäschle gibt Auskunft.


Herr Wäschle, wie ist Ihr Architekturbüro zum Bau von Messegebäuden gekommen?

Wie bei vielen unserer Projekte über einen Architekturwettbewerb. Der erste von uns realisierte Messebau war die neue Messe Zürich, die heute zu den beliebtesten Standorten der Schweiz zählt. Das Besondere an diesem mehrstöckigen Gebäude: Man kann dank riesiger, von aussen nicht sichtbarer Rampen mit dem Sattelschlepper bis ins oberste Geschoss fahren. Im Vergleich zur Anlieferung per Lift sparen die Aussteller und Standbauer so beim Auf- und Abbau enorm Zeit und Nerven.

Was war Ihrer Ansicht nach für den Zuschlag für die Messe Luzern entscheidend?

Mit der Messe Zürich konnten wir viel Know-how sammeln, was die Messelogistik betrifft. Das und der Erfolg des Standorts Zürich haben uns sicher auch beim  Luzerner Wettbewerb geholfen. Für das Wettbewerbsteam konnten wir zudem den Direktor der Messe Zürich als Berater gewinnen.

Was ist an der Messe Luzern speziell?

Schon am Eingang fällt die Grosszügigkeit der Anlage auf. Das grossflächige Foyer ist gewissermassen eine Verteilzone, aus der die Besucher in die zwei neuen Messehallen gelenkt werden. Die beiden Hallen lassen sich so unabhängig voneinander nutzen – man kann in Luzern zwei, drei Messen parallel betreiben. Das Foyer kann aber auch selbst als Showroom dienen. Eine zweite Besonderheit: Die Messehallen werden auch für andere Events genutzt, zum Beispiel für Konzerte mit bis zu 6000 Gästen.

Das Gebäude mit der Halle 1 beherbergt auch diverse Kongressräume…

Richtig, das ist heute im Messebetrieb ein Must. Für die Konferenzsäle Forum 1, 2 und 3 haben wir zusammen mit der deutschen Karl Späh GmbH die neuartige  WAVE-Decke entwickelt. Sie ist leicht, bietet hervorragende akustische Eigenschaften und ist preisgünstig. Die Decke besteht aus wellenförmigen Elementen der Firma Späh. Wir haben die Verbindungselemente entwickelt, mit denen die Elemente zu beliebig grossen Deckenkonstruktionen zusammengefasst werden können. Die WAVE-Decke hat übrigens schon mehrere Designpreise wie den proK Award und den ICONIC Award 2014 gewonnen.

Was zeichnet einen Messebau ganz allgemein aus?

Messegebäude sind Zweckbauten, die in erster Linie die Ansprüche des Messebetriebs erfüllen müssen – also keine Museen oder Kultobjekte. Dementsprechend sollte die Architektursprache strukturell einfach und funktional geprägt sein.

Wie lief das Projekt ab?

Nach dem Entscheid für die neue Messeinfrastruktur wurde zunächst die heutige Halle 2 in der Rekordzeit von 13 Monaten geplant und gebaut. Nachdem dann die alte Fest- und Ausstellungshalle aus Holz abgerissen und die neue S-Bahn-Station Allmend/Messe fertiggestellt war, ging es mit der Halle 1 und dem Kongressbereich weiter. Auch dieser Projektabschnitt ging nach einem sehr sportlichen Terminplan über die Bühne – das Ganze war eine logistische Meisterleistung. Es ist beeindruckend, wie flexibel und schnell die Luzerner agieren.

Zurück zu Ihrem Architekturbüro: Was ist das Besondere am atelier ww?

Die Firma gibt es nun seit 45 Jahren, wir gehören in Zürich zu den grösseren Architekturbüros. Wenn wir das Gefühl haben, dass etwas gemacht werden muss, bringen wir immer wieder aus Eigeniniative innovative Ideen. Zum Beispiel die Duplexarena mit Fussball und Eishockey unter
einem Dach, das Seerestaurant am Bürkliplatz oder der Vorschlag, ein neues Kongresszentrum für Zürich auf dem heutigen Carparkplatz am Sihlquai zu bauen. Diese Ideen werden von der Bevölkerung oft sehr gut aufgenommen. Auch wenn lange nicht alles realisiert wird, sind diese Projekte nach wie vor aktuell. (bb)