Anpassungen zu Lasten der „Kleinen“

Anpassungen zu Lasten der „Kleinen“

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Teaserbild-Quelle: C. Nöhren / pixelio.de
Das Gebäudeprogramm zur Förderung energieeffizienter Sanierungen und erneuerbarer Energien stösst auf reges Interesse: In den letzten rund zwölf Monaten sind mehr Fördergelder beantragt worden als erwartet. Deshalb wurde das Programm auf 1. April in zwei wesentlichen Punkten überarbeitet.
 
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Energiefreundliche Gebäudesanierungen sollen Dank dem Programm von Bund und Kantonen Schule machen.
 
2010 seien im Rahmen des Gebäudeprogramms fast 30'000 Gesuche zur Sanierung der Gebäudehülle mit einer Fördersumme von insgesamt 244 Millionen Franken eingegangen, schreibt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in einer Medienmitteilung. Dies sei weit mehr als prognostiziert. Ursprünglich hatten Bund und Kantone – gestützt auf Erfahrungen aus früheren Förderprogrammen – mit 12'000 bis 16'000 Gesuchen pro Jahr gerechnet. Und sind auch in den ersten Monaten dieses Jahres die Gesuchseingang nicht zurückgegangen. Das Interesse von Hausbesitzern, ihre Liegenschaften energetisch zu sanieren, ist damit noch immer gross.
 
Der Erfolg des Programms hat allerdings auch eine Kehrseite. Die jährlich zur Verfügung stehenden rund 133 Millionen Franken Fördermittel zur Sanierung der Gebäudehülle sind im ersten Programmjahr deutlich überbeansprucht worden. Damit waren die Fördermittel für 2011 bereits zu Jahresbeginn vergeben. Deshalb nehmen Bund und Kantone auf den 1. April 2011 sanfte Programmanpassungen vor.
 
Dabei geht es um zwei Punkte:
  • Die Minimalfördersumme pro Gesuch wird von 1'000 auf 3'000 Franken erhöht;
  • der Förderbeitrag für den Fensterersatz wird von 70 auf 40 Franken gesenkt.
Die Erhöhung der Minimalfördersumme steigert laut Bafu die Effizienz des Programms: Die Anzahl der Kleingesuche werde reduziert, und somit auch die Bearbeitungskosten pro gefördertem Quadratmeter. Durch die gesamthaft tieferen Bearbeitungskosten stünden nun mehr Mittel für Sanierungsprojekte zur Verfügung; dadurch könne das Gebäudeprogramm noch mehr CO2-Emissionen reduzieren.

Im Spiegel der "rasanten technischen Entwicklung"

Die Senkung des Förderbeitrags für den Fensterersatz wiederspiegle "die rasante technische Entwicklung", heisst es in der Begründung des Bafu weiter. Dreifachverglaste Fenster würden immer mehr zum Standard und die Preisdifferenz zu zweifach verglasten Fenstern werde kleiner. Der bisherige Beitrag von 70 Franken pro Quadratmeter könne fallweise gar die Preisdifferenz zwischen zwei- und dreifach verglasten Fenstern übertreffen. Ein Förderbeitrag von mehr als 40 Franken pro Quadratmeter Fensterersatz ist darum laut dem Bafu nicht mehr gerechtfertigt. Durch den tieferen Fördersatz könne mit weniger Mitteln gleich viel CO2 eingespart werden.
 
„Die Programmanpassungen gehen teilweise zu Lasten der Breitenwirkung des Programms“, räumt das Bafu in seiner Medienmitteilung ein. Die Bedürfnisse „kleiner" Gesuchsteller stünden jedoch im Konflikt mit einer zentralen Zielsetzung des Gebäudeprogramms: dem effizienten Einsatz der Fördergelder zur Senkung der CO2-Emissionen. Bund und Kantone hätten diese widersprüchlichen Zielsetzungen sorgfältig gegeneinander abgewogen und sich für eine sanfte Anpassung mit möglichst grosser Wirkung entschieden. Allerdings rechnet man damit, dass das Programm trotz der Anpassungen auch für Einfamilienhausbesitzer atttraktiv bleibt. (mai/mgt)
 
 

Das Gebäudeprogramm

 
Das Gebäudeprogramm wurde durch einen Parlamentsbeschluss ausgelöst und soll einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Es wird aus der CO2-Abgabe und aus Fördergeldern der Kantone finanziert, was auch seine zwei Bestandteile definiert:
  1. Ein nationaler, schweizweit einheitlicher Teil mit Massnahmen zur Gebäudehülle. Hierfür stellt der Bund aus der CO2-Abgabe auf Brennstoffen 133 Millionen Franken pro Jahr zur Verfügung.
  2. Kantonal unterschiedliche Zusatzprogramme zur Förderung erneuerbarer Energien, der Abwärmenutzung und der Optimierung der Haustechnik. Dafür stellt der Bund aus der CO2-Abgabe 67 Millionen Franken zur Verfügung, die von den Kantonen um mindest denselben Beitrag ergänzt werden. Die Kantone haben dafür in ihren Budgets 80 bis 100 Mio. Franken pro Jahr eingestellt.
Während zehn Jahren können somit insgesamt 280 bis 300 Millionen Franken pro Jahr für Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien eingesetzt werden. (Die aktuell vorliegende Jahresstatistik bezieht sich nur auf den Teil zur Sanierung der Gebäudehülle. Der erste umfassende Jahresbericht zu beiden Teilen folgt voraussichtlich im August 2011.)
 
Hinter dem Gebäudeprogramm stehen sowohl die Kantone als auch der Bund. Entwickelt wurde es von den Kantonen, vertreten durch die Konferenz kantonaler Energiedirektoren (EnDK), gemeinsam mit dem Bundesamt für Energie (BFE) und dem Bundesamt für Umwelt (BAFU). Die Hauptverantwortung für die Realisierung des Programms liegt bei den Kantonen. (mgt)