Anfällige Röhre

Anfällige Röhre

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Das Hochwasser im Kandertal hat dem Mitholz-Tunnel schwer zugesetzt: Samt Belag wurde der ganze Strassenkörper weggeschwemmt. Es ist nicht das erste Mal, dass der erst neun Jahre alte Lawinenschutz-Tunnel saniert werden muss.
 
Nur alle hundert Jahre führt die Kander so viel Wasser wie am 10. Oktober 2011. Grosse Schäden haben die Fluten unter anderem am Mitholztunnel weiter unten im Tal angerichtet.
 
Der Fluss trat oberhalb des 2002 erstellten Tunnels über die Ufer und spülte den Strassenkörper samt Belag weg. Werkleitungen und die elektrotechnische Ausrüstung wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Wenigstens habe die Betonkonstruktion beim Unwetter keinen Schaden genommen, sagte Kreisoberingenieur Markus Wyss. Der Tunnel sei sicher und es sei verfehlt, ihn wegen seiner schwierigen Vergangenheit als Risiko darzustellen.

2 Jahre offen, 5 gesperrt

Tatsächlich ist die Geschichte des 19 Millionen Franken teuren Lawinenschutz-Tunnel eine Leidensgeschichte: Er wurde im Sommer 2004, nur knapp zwei Jahre nach seiner Eröffnung, wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt. Im Innengewölbe hatten sich Risse gebildet. Fünfeinhalb Jahre blieb der Tunnel gesperrt und konnte erst 2009 nach einer eingehenden Sanierung wieder in Verkehr genommen werden. Seither streiten sich Kanton und Baufirmen über Verantwortlichkeiten und Kosten. 

Offene Fragen

Nun gelte es zunächst diverse Fragen zu klären, allen voran jene, warum das Wasser der Kander am Montag oberhalb des Tunnels über die Ufer trat und dies 2005, bei etwa gleich hohem Pegelstand, nicht geschah. Dann müssten allenfalls notwendige Schutzmassnahmen ergriffen werden. Ganz allgemein habe man in den letzten Jahrzehnten zu nahe ans Wasser gebaut, gab Wyss zu bedenken.
 
Im 20. Jahrhundert seien die Hochwasserkatastrophen rar gewesen, dementsprechend sorglos habe man sich verhalten. In den letzten Jahren häuften sich die Jahrhundertereignisse aber. "Der Orkan Lothar, der Lawinenwinter, das Hochwasser 2005 oder eben jenes vom Montag führen uns vor Augen, wie verletzlich unsere Infrastruktur ist", sagte Wyss. (sda/mrm)