An der schönen Donau

An der schönen Donau

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Teaserbild-Quelle: zvg
Am Handelskai hat Wien ein neues Stadtviertel erhalten: Österreichs höchstes Gebäude, der Millennium Tower, umgeben von der Grossüberbauung Rivergate mit den «umweltfreundlichsten» Büros weltweit, setzen Akzente in der Wiener Architekturlandschaft.
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Der Handelskai am rechten Donauufer ist eine der längsten Strassen Wiens und der Bereich «Waterfront» ein bevorzugter Bauplatz. Hier steht bereits der Millennium Tower, der mit seinen 202 Metern das bislang höchste Bauwerk Österreichs ist und als das neue Wahrzeichen Domstadt gilt. Die imposante Form des Towers wird durch zwei miteinander verschränkte völlig verglaste Zylinder gebildet, die durch eine Stahlverbundkonstruktion getragen wird. Die architektonische Herausforderung in unmittelbarer Nachbarschaft zu meistern, kam dem im Juni 2010 fertiggestellten Rivergate zu, das erste Town-in-Town-Konzept – wohnen, arbeiten und leben unter einem Dach. Wo der Wolkenkratzer mit der Spitze sein Zeichen setzt, setzt das tageslichtdurchflutete Bürogebäude mit seinen gestreckten Glaskörpern und einer Länge von 135 Metern den Glanzpunkt.
 
Der Millenium Tower
Mit der Jahrtausendwende feierte in Wien ein neues Wahrzeichen seine feierliche Eröffnung. In der Rekordzeit von 22 Monaten wurde das mit 202 Metern höchste Bauwerk in Österreich errichtet und im April 1999 im ersten Bauabschnitt fertiggestellt. Das neue Wahrzeichen an der Donau überragt den traditionell von Postkarten bekannten gotischen Stephansdom, dessen Südturm 136,4 Meter in den Himmel ragt. Das spektakuläre Bauwerk entwarf das Wiener Architektentrio Professor Gustav Peichl, Boris Podrecca und Professor Rudolf F. Weber. Nach ihren Entwürfen entstand auf dem über einen Hektar grossen Baugrundstück an der aufstrebenden Waterfront das erste Town-in-Town-Konzept der Alpenrepublik. Die Fassadenkonstruktion besteht aus thermisch getrennten Aluminiumprofilen und eingesetzten Fensterelementen. Getragen wird der gesamte riesige Baukomplex von einem mehrere Meter hohen Basisbauwerk, das die Fussgängerebene darstellt und auch einem Einkaufszentrum Platz bietet. Der Turm selbst ist um den Kern herum auf Säulen aufgeständert.

Wasser in der Tiefgarage

Im Januar 2010 kam es durch die aussergewöhnliche Hochwasserlage der Donau bei dem ebenso ehrgeizigen wie avantgardistischen Projekt zu Wassereintritten zwischen Schlitzwand und Fundamentplatte auf dem untersten von vier Tiefgaragengeschossen. Am 26. Januar 2010 wurden die Ingenieure von Rascor unter Leitung von Herbert Stadler eingeladen, nachhaltige Lösungsvorschläge für den Hochwasserschutz zu entwickeln. Das Ergebnis der fachlichen Diagnose stand schnell fest. Durch Grundwasseranstieg und höchstwahrscheinlich dadurch Verformung der Schlitzwand hat sich die Arbeitsfuge vergrössert und das eingebaute konventionelle Fugenabdichtungssystem erlitt leichte Schäden.

Bewährte sanierende Abdichtungstechnik

Binnen kurzer Zeit konnte nun aus der Erfahrung von Rascor das sofortige Stoppen des Wassereinbruches eingeleitet werden. Dazu wurde ein dauerelastisches Zwei-Komponenten-«RASCOflex»-Acrylharz zur Injektion gegen drückendes Wasser eingesetzt. Bei dieser Methode gingen die Injektionsexperten mit den folgenden Schritten vor:
  • Bohrungen der Injektionslöcher im entsprechenden Abstand gesetzt;
  • Versetzen von Injektionsdüsen in die Injektionslöcher;
  • Anschliessen der Injektionsdüsen an die Injektionsmaschine;
  • Injektion mit «RASCOflex»-Acrylharz bis zur vollständigen Verfüllung der geöffneten Fugen.

Abdichtungserfolg innert 14 Tagen

Die Anforderung an die Abdichtungsmassnahmen lag dabei darin, dass diese Arbeitsfugen bei überdurchschnittlichem Wasserandrang – beispielsweise einem Jahrhunderthochwasser – abgedichtet werden sollten. Einerseits kann der Erfolg der Abdichtung so sofort festgestellt werden, andererseits ist zu diesem Zeitpunkt die Arbeitsfuge am Grössten. So kann das ¬notwendige Injektionsharz eingebracht werden, ohne bei allfälligen Veränderungen der Fugen (Verkleinerung oder Vergrösserung) undicht zu werden, weil die ¬eingesetzten Materialien hundertprozentig reversibel sind. Schon nach 14 Tagen war der Garagenboden wieder staubtrocken. Damit ist Wiens erste Adresse an der Waterfront auch im elften Jahr ihres Bestehens bestens für die Zukunft gerüstet und ein Musterbeispiel für wegweisende Architekturkonzepte und für nachträgliche Abdichtungslösungen.
 
Projekt Rivergate
Das im Juni 2010 fertiggestellte gläserne Office Center am Handelskai in Wien ist das Erste mit dem weltweit anerkannten LEED-Zertifikat des «US-Green Building Council» ausgezeichnete Gebäude Österreichs. Zwei komplett verglaste Baukörper, «Gate 1» mit 44 Metern Höhe und «Gate 2» mit 31 Metern Höhe. Die grosszügigen Atrien verbinden die beiden Bauteile. Das Donau- und City-Atrium mit seinen schlanken Massen – 23 Meter breit, 54 Meter lang, 14 und 10 Meter hoch. Kein Wunder, dass dieser kühne Entwurf bei der Jury des Architektenwettbewerbes der Objekt Office Center Handelskai Immobilienerrichtungs GmbH & Co KG Anklang fand. «Wegen seinem unverwechselbaren Erscheinungsbild sowie der konsequenten Kombination von Grosszügigkeit, Offenheit und Flexibilität» erklärten die Juroren den Entwurf von Auer + Weber + Assoziierte aus Stuttgart und München einhellig zum Sieger. Darüber waren nicht nur die Projektplaner und Architekten um Geschäftsführer Achim Söding hocherfreut, sondern ebenso der Tiroler Immobilieninvestor René Benko mit seiner Signa Holding und sein Finanzier die Raiffeisen Leasing und Raiffeisen Bank International AG.

Tower im Blick

Die Mieter wissen den Millennium Tower zu schätzen und auch zu nutzen. Denn zu den 3000 Quadratmetern Shops und Gastronomie im Rivergate locken mit einem zweiminütigen Fussgang erreichbar 122 200 Quadratmeter mit Shops, Serviceleistungen, Gastronomie und Freizeitangeboten. Kurzum: Rivergate und Millennium Tower bilden ein perfektes Ensemble am Handelskai, das der Silhouette Wiens eine neue Attraktion verleiht.

Qualität am Bau

Das architektonisch auffallende Rivergate ist eine ¬gelungene Erweiterung dieses neuen Town-in-Town-Konzepts. Damit wohnen, arbeiten und leben unter einem Dach auch uneingeschränkt umgesetzt werden kann, sind die Qualitätsansprüche an die Arbeitsausführungen und Produktwahl von grösster Bedeutung. Bereits in der Projektphase entschieden sich die Auftraggeber für ein hochwertiges und bewährtes Präventiv-Abdichtungssystem, um nichts dem Zufall zu überlassen. Rascor Österreich konnte mit der vorgeschlagenen Arbeitsfugenlösung für den Neubau in Ufernähe überzeugen und hat den Zuschlag für die gesamte Abdichtung erhalten. Schon zwölf Monate nach dem Spatenstich und 24 Monate nach Planungsbeginn konnten die Rohbauarbeiten abgeschlossen werden. In diesem Zeitraum erstellten 130 Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft Dywidag-Strabag die Stahlbetonskelettkonstruktion. In dem 320 000 Kubikmeter messenden umbauten Raum wurden 4500 Tonnen Stahl zur Bewehrung und 315 Tonnen Stahlträger verwendet. Parallel dazu waren rund 200 Mitarbeiter der Fachbaufirmen mit der Installation der zukunftsweisenden Haustechnik und der Fassadenarbeiten beschäftigt.

Abdichtung der Arbeitsfugen

Während Januar bis Juli 2009 bestand das Wiener Rascor-Team aus bis zu vier Abdichtungsspezialisten. Dabei wurden die entstandenen Arbeitsfugen zwischen den betonierten Bodenplatten, wie auch die Boden-/Wandfugen und Wand-/Deckenfugen wurden mit dem «RASCOtec»-Injektionskanal abgedichtet. Dieser wird in der Fuge zwischen die Bewehrungen auf dem bereits existierenden Betonbauteil aufgedübelt, bevor der zweite Abschnitt betoniert wird. Das Injektionssystem «RASCOtec»-Injektionskanal als Abdichtungstechnik ist zwar verhältnismässig teuer vergleicht man es mit Quellbändern, Fugenbändern und dergleichen. Der wesentliche Unterschied liegt aber in dem erzielten Resultat respektive des Restrisikos für den Auftraggeber. Weil die zweite Phase des Injektionsystems – die Injektion – erst nach mindestens 28 Tagen des Betonierens umgesetzt wird, werden Mängel im Beton wie Kiesnester und so weiter automatisch mitinjiziert und dadurch abgedichtet. Andere Abdichtungssysteme, welche vor dem Betonieren verlegt werden, sind in ihrer Funktionalität sehr stark abhängig von der Betoneinbringung und Qualität und können allfällige Fehlstellen im Beton nicht beeinflussen. Das Baustellenmanagement stellte das Unternehmen vor allem eine Herausforderung: Flexibilität. ¬Flexibel agieren und exakt im Takt mit den übrigen Teamarbeiten im Bauablauf mitarbeiten, um die Fertigstellungstermine der einzelnen Bauabschnitte einzuhalten war ein Muss. Aus technischer Sicht stellte das Projekt hingegen keine besondere Schwierigkeit dar. Zur Injektion der in der Arbeitsfuge eingelegte «RASCOtec»-Injektionskanal wurde das dauerelastische Injektionsharz «RASCOflex»-AY108 verwendet. Durch die extrem niedrige Viskosität des Injektionsmaterials werden im gleichen Arbeitsschritt automatisch angrenzende Fehlstellen im Beton mitabgedichtet. Bei der bewährten Injektionstechnik gehen die Experten in Schritten vor: Zunächst werden Injektionsöffnungen zu den eingelegten «RASCOtec»-Injektionskanal-Sektoren gebohrt, dann die Injektionsdüsen gesetzt und schliesslich das «RASCOflex»-Acrylharz bis zur vollständigen Abdichtung der Arbeitsfugen verpresst.

Ökologie und Ökonomie

Auf den mit Rascor-Technik geschützten Baugrund bewiesen aber auch alle übrigen Gewerke ihre Könnerschaft. Vor allem die Heiz- und Sanitärtechniker waren gefordert. Denn im grossen Ausmass wird geothermische Energie zur Heizung und Kühlung genutzt, die den Primärenergiebedarf um mehr als ein Drittel reduziert. So kann eine Optimierung der Betriebskosten erreicht und der CO2- Ausstoss um etwa 280 Tonnen jährlich vermindert werden. Dafür erhielt das Rivergate das «Green Building»-Zertifikat der EU und als erstes Gebäude in Österreich das anspruchsvolle U.S. LEED-Zertifikat. Der «US Green Building Council» billigte der Immobilie auf Anhieb den «Gold-Status» zu. Die Anforderungen an Ökologie und Ökonomie des Gebäudes gleichermassen standen schon bei der Planung im Fokus. «Ein integrierter Entwurf, der ein innovatives und nachhaltiges Energie- und Heiztechnikkonzept beinhaltet, ist heute State of the Art», bemerkt Achim Söding, Geschäftsführer von Auer + Weber + Assoziierte. (Ruben Schmid ist Verkaufsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung der Rascor AG)