Alpiq schreibt noch einmal Hunderte Millionen ab

Alpiq schreibt noch einmal Hunderte Millionen ab

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Aufgrund der Frankenstärke sieht sich Alpiq zu weiteren Abschreibungen auf seine Wasserkraftwerke in Höhe von mehreren hundert Millionen Franken gezwungen. Dementsprechend tiefrot fällt das Halbjahresergebnis des Energiekonzerns aus, der selbst ohne diese Sondereffekte momentan Verluste schreibt.

Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses geht Alpiq davon aus, beim Verkauf des in Schweizer Wasserkraftwerken produzierten Stroms künftig in Franken gerechnet noch weniger verdienen zu können als bisher angenommen. Deshalb reduziert das Unternehmen in seinen Büchern den Wert des Kraftwerkparks um 728 Millionen Franken.

Darüber hinaus macht Alpiq auch Wertberichtigungen auf seinen Gaskombikraftwerken in Italien und Ungarn sowie Rückstellungen für Stromabnahmeverträge, die dem Unternehmen in Zukunft aufgrund der Marktsituation wohl Verluste bescheren dürften. Alles in allem belaufen sich die Abschreibungen und Rückstellungen in der ersten Jahreshälfte - deswegen tiefere Steuerzahlungen miteinbezogen - auf nicht weniger als 834 Millionen Franken.

Dies drückt natürlich erheblich auf das Konzernergebnis. So resultiert unter dem Strich für Alpiq ein Halbjahresverlust von 886 Millionen Franken, wie mitgeteilt wurde. Seit 2011 schreibt Alpiq damit aufgrund von milliardenschweren Abschreibungen praktisch durchwegs rote Zahlen. Insgesamt hat der Energiekonzern, der einst aus dem Zusammenschluss von Eos und Atel entstanden ist, seit 2011 Abschreibungen von deutlich über 2,5 Milliarden Franken machen müssen.

Neue Geschäftsfelder gesucht

Die Verluste gehen natürlich alles andere als spurlos am Unternehmen vorbei: So versucht das Management, unter anderem durch den Verkauf von Unternehmensteilen und Beteiligung, die Schuldenlast zu drücken. Ausserdem sollen neue Geschäftsfelder erschlossen werden, mit denen in Zukunft Geld verdient werden kann.

So will Alpiq beispielsweise nun auch in der Schweiz ins Geschäft mit dem Abbruch von Atomkraftwerken einsteigen, nachdem das Unternehmen bereits in Deutschland beim Rückbau von Kernkraftwerken aktiv ist. Generell will Alpiq das Servicegeschäft im Kraftwerks- aber auch im Gebäudetechnikbereich ausbauen.

Auch mit Bahntechnik, der Installation von Solaranlagen oder Abrechnungssystemen für Ladestationen von Elektrofahrzeugen soll inskünftig Geld verdient werden.

Davon ist Alpiq aber noch weit entfernt. Wie im Rest des Konzerns ist auch beim Dienstleistungsgeschäft der Halbjahresgewinn im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Grund dafür sind einerseits Reorganisationskosten und einmalige Pensionskassenaufwendungen, anderseits hapert es auch im Geschäft mit dem Bau und der Revision von Kraftwerken. Immerhin berichtet Alpiq aber von einem höheren Auftragseingang als im Vorjahr.

Frankenstärke verschärft Situation

Arg steht es insbesondere bei der Produktion von Strom und dessen Verkauf. So wurde in den Alpiq-Kraftwerken zwar mehr Strom produziert; wegen des starken Frankens resultierte aber dennoch ein tieferer Umsatz.

Mit der Frankenstärke hat sich die ohnehin schon schwierige Situation auf dem Strommarkt noch verschärft: Denn aufgrund der tiefen Grosshandelspreise auf dem europäischen Strommarkt ist Alpiq wie alle anderen Stromkonzerne bereits mit einem im Vergleich zur Vergangenheit tiefen Ertragsniveau konfrontiert.

Konzernweit sank der Umsatz im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2014 um fast 19 Prozent auf 3,3 Milliarden Franken. Der operative Gewinn vor Abschreibungen fiel in einem ähnlichen Ausmass auf 234 Millionen Franken. Und das Reinergebnis schliesslich rutschte die ausserordentlichen Abschreibungen nicht mitgerechnet gar in den roten Bereich: Es belief sich auf minus 52 Millionen Franken.

Ausgewirkt hat sich da insbesondere ein schlechtes Finanzergebnis, das hauptsächlich von einer Einmalbelastung aufgrund eines Anleihenrückkaufs in die Tiefe gerissen wurde. Alpiq-Finanzchef Thomas Bucher sagte gegenüber der Finanznachrichtenagentur AWP, dass aufs ganze Jahr betrachtet Alpiq ohne die Abschreibungen aber in der Gewinnzone bleiben dürfte.

Neues Sparprogramm

Die veröffentlichten Zahlen offenbaren aber auch, dass das Sparprogramm, mit dem Alpiq derzeit die Kostenbasis des Konzerns um 100 Millionen Franken am Senken ist, den Ergebnisrückgang allenfalls dämpfen, aber keineswegs kompensieren konnte. Im Communiqué ist denn auch bereits davon die Rede, dass weitere strukturelle Massnahmen geprüft würden. Ein Verkauf eines ganzen Geschäftsbereichs, etwa des Handelsgeschäfts, wird laut Bucher aber explizit nicht ins Auge gefasst. (sda)