Alles im Fluss für die Lorze

Alles im Fluss für die Lorze

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Um den Hochwasserschutz nachhaltig zu verbessern, wurde die Lorze auf einem 600 Meter langen Abschnitt bei der Spinnerei Baar in ein neues naturnahes Bett verlegt. An der Stelle des alten Betonkanals ist eine vielfältige Flusslandschaft entstanden.
 
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Die Lorze fliesst wieder im alten Bett.
 
 
Der Flusslauf der Lorze zwischen Waldrand und der Ziegelbrücke befand sich schon lange in einem schlechten Zustand. Die Fundamente waren unterspült und in der Sohle hatten sich Querschwellen gebildet. Hinzu kamen eine ungenügende Abflusskapazität und die Tatsache, dass die früher begradigte Flussstrecke den Wasserlauf beschleunigte und die Überschwemmungsgefahr erhöhte. Bei einem Hochwasser, wie es etwa alle 100 Jahre auftreten kann, wäre die Lorze über die Ufer getreten. Darum war eine Sanierung nötig.

Dank alten Karten ein neues Bett

Anhand von historischem Kartenmaterial wurde der ursprüngliche Verlauf rekonstruiert. Nun fliesst die Lorze wieder wie einst in zwei langgezogenen Bogen vom Waldausgang der Ziegelbrücke zu. Für Projektleiter Pascal Lendi sind die reaktivierte Linienführung und die Weitung des Flussbettes eine wasserbauliche Notwendigkeit: „Sie verringern die Abflussgeschwindigkeit, dämpfen die Hochwasserspitzen und damit die Überschwemmungsgefahr.“ Durch den leicht geschwungenen Verlauf und die variierende Sohlenbreite können sich zudem natürliche Flusselemente bilden. Etwa Kiesbänke, Inseln oder Stillgewässer. Grössere Abflüsse würden zusätzlich über drei Flutmulden abgeführt, wodurch sich bei Hochwasser ein sehr breites Gerinne ausbilde, erklärt Lendi.
 
Neben der Linienführung und dem Flussquerschnitt sind heute auch die Ufer naturnah gestaltet. Die Uferböschungen weisen unterschiedliche Neigungen auf. Im oberen Flussteil wurde auf auf einen durchgehenden Schutz verzichtet. Dort ist das Ufer nur punktuell mit sogenannten Buhnen fixiert, welche das Wasser vom Ufer gegen die Flussmitte leiten. Im unteren Abschnitt zwischen der Ziegelhütte und der Lorzenbrücke werden die Ufer mit Blockwurf gegen Erosion geschützt. In den Wintermonaten sind noch Bepflanzungen mit einheimischen Sträuchern und Bäumen auf den heute noch kahl wirkenden Stellen geplant.
 
Laut Lendi garantieren die vielschichtigen Renaturierungs-Massnahmen für trockene Keller sogar auch gegen ein Hochwasser-Ereignis, wie es statistisch nur alle 300 Jahre vorkommt. Damit erfüllt das Werk eine Anforderung des Kantons, wonach grosse geschlossene Siedlungen mit öffentlichen Bauten, Gewerbe- und Industriezonen gegen solche Hochwasser zu schützen sind.

Für Spaziergänger und Fische

Zuger Baudirektor Heinz Tännler: sieht in der Lorzen-Sanierung auch eine weitreichende Aufwertungsmassnahme. Er verweist auf die Erfahrungen mit früher ausgeführten Renaturierungs-Projekten im „Jöchler“ oder im Bereich des Autobahnanschlusses Baar. „Die Leute schätzen diese Naherholungsgebiete sehr. Vor allem der punktuelle Zugang zum Wasser wird gerne für ein Fussbad oder eine Naturbeobachtung genutzt.“ Der neugestaltete Lorzen-Abschnitt werde nun erstmals von zwei Fusswegen gesäumt. Als Querverbindung dienen neue Holzbrücken bei der Ziegelhütte und beim Rastplatz Bubengunten. Auch für die Fische wird sich das Wandern vereinfachen, beim Waldeingang wurden die bisherigen Betonschwellen in der Flusssohle durch eine flache, fischgängige Blockrampe ersetzt. (mai)
 
Erfreulich ist beim Lorzen-Projekt, dass sowohl die Termine als auch der Objektkredit von 4,8 Millionen Franken eingehalten werden konnten. An den Kosten beteiligen sich der Bund mit 1,05 Millionen Franken, die Gemeinde Baar mit 90'000 Franken und die Korporation Baar mit 50'000 Franken. Für den Kanton Zug verbleiben somit Nettokosten von 3,61 Millionen Franken. (mai/mgt)