AFG und der starke Franken

AFG und der starke Franken

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Bei der Industriegruppe Arbonia Forster AFG machen sich der starke Franken bemerkbar und auch die spürbare Zunahme der Rohstoffpreise: Die Erträge sind gesunken.
 
"Wir können aber nicht alles auf die Währungen und die Rohstoffpreise abschieben", erklärte Finanzchef Felix Bodmer vor den Medien. Es gebe Gründe, die man selber verschuldet habe. So leidet die Gruppe, die während der langen Herrschaft  Edgar Oehlers stark expandiert hatte und "zu einer Ansammlung von KMU unter einem Holdingdach" geworden ist laut Bodmer unter internen Ineffizienzen etwa bei der Produktion und Verkauf. Diese hätten 6 Millionen Franken gekostet.
 
Nun will man sämtliche Abteilungen vor allem auf Kostenseite auf mögliche Verbesserungen durchleuchten. Die Stellschrauben werden laut dem seit Juni amtierenden, neuen CEO Daniel Frutig in erster Linie bei der Produktion und beim Verkauf angezogen. Ein grosser Stellenabbau sei aber nicht geplant, auch wenn es zu vereinzelten Einschnitten komme, erklärte Frutig gegenüber der SDA. Angesichts der Gemengenlage aus steigendem Franken und Rohstoffpreisen sowie den eigenen strategischen Schwächen, strukturellen und organisatorischen Mängeln haben Verwaltungsrat und Konzernleitung unter dem neuen Chef Frutig entschieden, bei AFG alles auf den Prüfstand zu stellen.
 
Um die Abhängigkeit vom Schweizer Franken einzudämmmen und um die bestehenden, im Aufbau befindlichen Brückenköpfe der AFG namentlich in Asien für alle Divisionen zu nutzen, will man den Umsatzanteil ausserhalb der Heimmärkte von aktuell 23 Prozent über die Jahre auf rund 40 Prozent steigern.

Verschuldungsgrad im Rahmen des Vorjahres

Mit 246.3 Mio. Fr. reduzierte sich die Nettoverschuldung geringfügig ( 254.5 Mio. Fr.). Der Verschuldungsgrad gemessen an der Nettoverschuldung gegenüber dem EBITDA liegt mit -2.14 im Rahmen des Vorjahres (-2.15), ebenso die Eigenkapitalquote von 40.9% gegenüber 40.5% vor einem Jahr. Durch den saisonal bedingten Anstieg des Nettoumlaufvermögens und die Investitionen in die Neubauten und Anlagen im neuen Radiatorenwerk in Stribro, in die Fenster- und Türenproduktion von Slovaktual und in das neue Werk der Division Oberflächentechnologie in China reduzierte sich der Free Cashflow auf  -69.9 Mio. Fr. (-23.4 Mio.Fr.).
 
 
Trotzdem kann sich laut Medienmitteilung der AFG die währungsbereinigte Umsatzsteigerung von 6,4 Prozent sehen lassen. Effektiv beträgt die Zunahme immer noch 1 Prozent. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) entwickelte sich rückläufig auf 10,9 Millionen Franken (Vorjahr 15,2 Mio. Fr.). Entsprechend negativ zeigt sich das Geschäftsergebnis mit -1,4 Mio. Fr. (Vorjahr 1,3 Mio. Fr.).

„Wettbewerbsverzerrende Währungsverhältnisse“

Frutig und Verwaltungsratspräsident Paul Witschi sind dennoch überzeugt, dass das Unternehmen unabhängig von den gegenwärtigen, „wettbewerbsverzerrenden Währungsverhältnissen“ und der resultatmässig unbefriedigenden Entwicklung der Gruppe unverändert über sehr gute Grundlagen und hohe unausgeschöpfte Potenziale in allen Divisionen verfügt. Trotz dem schwachen Start im laufenden Geschäftsjahr glaubt das Führungs-Duo, das Vorjahresergebnis erreichen zu können.

Heiztechnik und Sanitär mit kleineren Margen

Die Division Heiztechnik und Sanitär ist mit einem Umsatzanteil von 40% die grösste Division der AFG. Der Kostenschub bei vielen Rohstoffen, vor allem beim Stahl, liess diese Division am stärksten leiden. Zwar lag sie in ihrem Kernmarkt Deutschland und im Hauptsegment Heiztechnik deutlich über dem Vorjahr, aber die britische Aqualux hat nach wie vor Mühe, Umsätze und Erträge zu steigern. Insgesamt stieg der Umsatz der Division im Vorjahresvergleich währungsbereinigt um 3.5%, effektiv sank er jedoch um 7.2%. Die angespannte Preissituation kommt auch in einer Schmälerung der Margen zum Ausdruck, was zu einem rückläufigen Gewinn vor von 16.2 Mio. Fr.  (19.2 Mio. Fr.) führte.

Stahltechnik leidet

Die Division Stahltechnik hat damit zu kämpfen, dass sich die Stahlpreise nur quartalsweise durch entsprechende Kontrakte absichern lassen, währenddem grosse Abnehmer fixe Preise auf sechs Monate hinaus verlangen. Der Nettoumsatz konnte trotz widriger Umstände um 9.3% auf 73.9 Mio. Fr. gesteigert werden. Dabei erwies sich der Heimmarkt Schweiz als Stütze, während der Absatz in den ausländischen Märkten unter den problematischen Wechselkursbedingungen litt. Wie keine andere Division spürte die Stahltechnik die Auswirkungen des starken Schweizer Frankens, der steigenden Stahlpreise und des überaus harten Konkurrenzkampfs als Zulieferer der internationalen Automobilindustrie. Mit einem EBIT von 1.3 Mio. Fr. erreichte die Division nur noch einen Bruchteil des Vorjahresergebnisses von 5.2 Mio. Fr.

Oberflächentechnologie mit Wachstum

Ausgehend von einem im Vergleich mit den Spitzenjahren tiefen Umsatz- und Ertragsniveau entwickelte sich die Division Oberflächentechnologie im 1. Halbjahr 2011 erneut positiv. Der Umsatz stieg um 14.1% auf  32 Mio. Fr. Der EBIT ist zwar nach wie vor negativ, doch konnte auch hier eine Verbesserung um 15.7% auf noch -3.7 Mio. Fr. erreicht werden. Die Geschäftsentwicklung der Division ist gekennzeichnet durch eine stark unterschiedliche Entwicklung der Produktsegmente. Allerdings zeigt die mit Abstand wichtigste Sparte Print erfreulicherweise eine deutliche Umsatzsteigerung.

Mehr Konkurrenz im Bereich Küchen und Kühlen

Bei grösseren Objekten in der Division Küchen und Kühlen kam es auch zu einer stärkeren Konkurrenzierung im Heimmarkt Schweiz durch ausländische Anbieter. Auch hier ist der zu starke Franken das Problem. Sowohl Forster Küchen als auch Warendorf Küchen (ehemals Miele Die Küche) lagen in der Berichtsperiode unter den Vorjahreswerten. Die Fertigung der neuen Stahlküche von Forster bot im ersten Halbjahr erhebliche technische Probleme, und die Produktion in Warendorf kämpft nach wie vor mit Auslastungsproblemen. Piatti liegt hingegen umsatzmässig in allen Segmenten deutlich über den Vorjahreszahlen. Die Währungssituation verlangt allerdings bei grösseren Objekten nach substanziellen Preiszugeständnissen, um im Markt zu bleiben. Die Umsatzsteigerung von 113.7 Mio. Fr. auf  118.2 Mio. Fr. ist angesichts des enormen Wettbewerbsdrucks eine gute Leistung. Mit einem gegenüber dem Vorjahr unveränderten EBIT von -5.8 Mio. Fr. (-5.8 Mio.) hat die Division indessen den Turnaround noch nicht geschafft.

Fenster und Türen als sicherer Wert

Die Division Fenster und Türen verzeichnet eine hohe Umsatzzunahme von 159.4 Mio. Fr. auf Fr. 170.3 Mio. (+6.8%). Dabei zeigt sich die starke Marktstellung aufgrund der in allen Segmenten qualitativ überzeugenden Division. Die am EBIT gemessene Ertragsentwicklung übertraf in dieser Division die Umsatzentwicklung mit einem Plus von 14.0% auf 8.9 Mio. Fr. (7.8 Mio. Fr.) deutlich. (mai/sda/mgt)