AFG-Chef Daniel Frutig verlässt Konzern

AFG-Chef Daniel Frutig verlässt Konzern

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Die Arbonia-Forster-Gruppe (AFG) zieht die Reissleine: Wegen der hohen Wertberichtigungen rechnet AFG für 2013 mit einem Konzernverlust von rund 50 Millionen Franken. Daher plant die AFG „einen Neubeginn“. Zudem verlässt Konzernchef Daniel Frutig das Unternehmen per sofort.

Wie die AFG mitteilt, muss das Unternehmen für das Jahr 2013 Wertberichtigungen bei der in der Oberflächentechnologie tätigen STI Group von rund 64 Mio. Fr. vornehmen. Weitere 9 Mio. Fr. an Wertberichtigungen resultieren aus dem Verkauf der AFG Küchen. Mitte Januar war AFG aus dem Küchengeschäft ausgestiegen und hatte die Schweizer Marktführer Piatti und Forster Schweizer Stahlküchen mit insgesamt 500 Beschäftigten an den deutschen Hersteller Alno verkauft. Über den Verkaufspreis war Stillschweigen vereinbart worden. Der Verkauf habe einen „einen positiven Einfluss auf die anvisierten finanziellen Ziele der AFG“, erklärte Daniel Frutig damals. Der Verkauf sei „ein letzter Schritt in der Fokussierung des Kerngeschäfts“. Nun geht der Ausverkauf bei AFG in die letzte Phase: Spätestens bis Ende Jahr soll die STI Group mit weltweit rund 500 Beschäftigten verkauft werden, wie Verwaltungsratspräsident und interimistischer CEO Rudolf Graf an der Medienkonferenz erklärte. Konkrete Gespräche mit Interessenten gibt es allerdings noch nicht.

Konzernverlust 2013       

Wegen der hohen Wertberichtigungen erliess AFG heute Donnerstagmorgen eine Gewinnwarnung. Für das Geschäftsjahr 2013 werde mit einem Konzernverlust von rund 42 Mio. Fr. gerechnet, hiess es zunächst in der Medienmitteilung. Finanzchef Felix Bodmer korrigierte diese Zahl aber später auf 50 Mio. Fr. nach oben. Auf Anfrage der SDA erklärte Mediensprecher Stefan Kern die Berichtigung mit einer falsch geschriebenen Zahl. Es seien keine „neue Baustellen“ aufgetaucht. Das vollständige Jahresergebnis wird am 4. März publiziert.

Rote Zahlen hat AFG schon in den vergangenen Jahren geschrieben. So lag der Konzerverlust im 2012 bei 74,5 Mio. Franken und 2011 bei 70,2 Mio. Franken. Ein Reingewinn resultierte letztmals 2010, er belief sich auf 14,2 Mio. Fr.                                                       

Die AFG-Gruppe war ab 2003 unter ihrem Patron Edgar Oehler kräftig gewachsen, geriet dann aber tief in die roten Zahlen. Daniel Frutig übernahm die Führung von AFG im Juni 2011 vom damaligen Verwaltungsratspräsidenten und CEO Oehler. Oehler hält weiterhin zusammen mit seiner Ehefrau einen grösseren Aktienanteil. Auch Frutig ist, laut Verwaltungsratspräsident Rudolf Graf, „ein substantieller Aktionär“ von AFG.

Abgang „im gegenseitigen Einvernehmen“

Nach knapp drei Jahren verlässt nun Konzernchef Daniel Frutig unfreiwillig „im gegenseitigen Einvernehmen“ das Unternehmen. Interims-CEO Graf erklärte an einer Telefonkonferenz, die etwas abrupte Trennung vom CEO sei nicht aufgrund strategischer Differenzen oder spezieller Vorkommnisse getroffen worden. Frutig habe seine Aufgabe, die insbesondere im Umbau des Konzern gelegen habe, sehr gut erledigt. Bei den Verwaltungsratsmitgliedern sei jedoch die Überzeugung gereift, dass die nun beginnende Phase des Aufbaus andere Ansprüche an die Unternehmensführung stelle als die Aufräumphase. Die Entscheidung sei einstimmig getroffen worden.

Rudolf Graf betont, dass Frutig ein sehr durchsetzungsfähiger Manager, gewesen sei. Jetzt wolle man jemanden der mehr integrierend wirkte. Der neue CEO werde sich auf Wachstum konzentrieren können und müssen. Eine Abgangsentschädigung für Frutig gibt es aufgrund der seit Januar geltenden Gesetze nicht. Möglicherweise könne noch vor der Generalversammlung Ende April ein Nachfolger präsentiert werden, zeigte sich Graf zuversichtlich.

Aufräumarbeiten erledigt

Laut dem Verwaltungsrat hat Frutig wesentlich dazu beigetragen, das Unternehmen zu fokussieren und wieder auf die nachhaltig Erfolg versprechenden Geschäftsfelder Gebäudehülle, Gebäudetechnik und Gebäudesicherheit auszurichten. In der Tat hatte Frutig den Konzern komplett umgebaut: Als erstes wurde das nationale Transportgeschäft Asta im Januar 2012 veräussert. Die englische Tochtergesellschaft Aqualux ging im Mai 2012 an die holländische Fetim-Gruppe. Im Oktober desselben Jahres erfolgte der Verkauf der Verlust bringenden deutsche Warendorf Küchen an die US-Investmentgesellschaft CoBe Capital. Das Kühltechnikgeschäft wurde im Februar 2013 von V-ZUG gekauft. Der Bereich Forster Präzisionsstahlrohre ging im Juni 2013 an den deutschen Automobilzulieferer Mubea. Auf der anderen Seite wurden im Bereich Fenster und Türen die polnische Dobroplast hinzugekauft, der Holzfensterhersteller Ego Kiefer durch Investitionen verstärkt. (mai/sda)