Ältester Schweizer Atomreaktor soll rückgebaut werden

Ältester Schweizer Atomreaktor soll rückgebaut werden

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Patrik Tschudin, wikimedia.org, CC

Der älteste Atomreaktor der Schweiz befindet sich mitten in Basel – oder vielmehr im Keller des Departements für Physik der Universität. Er wurde zwischen 1959 und 2013 als Forschungsreaktor genutzt. Nun soll er rückgebaut werden.

Quelle: 
Patrik Tschudin, wikimedia.org, CC
Die Anlage in der Universität Basel wurde 2013 still gelegt.

Der Reaktor AGN-211-P wurde mit hoch angereichertem, waffenfähigem Uran betrieben. Rund zwei Kilogramm davon sollen noch in Basel liegen. Allerdings war er schon länger vor seiner Stilllegung nicht mehr für die Forschung relevant. Er diente laut Wikipedia lediglich der Ausbildung der Studenten sowie dazu, Neutronenstrahlung zu erzeugen und zu demonstrieren. Ursprünglich war der Reaktor eine Attraktion an der Weltausstellung in Brüssel von 1958, wo er unter dem Atomium stand. Die Universität Basel erwarb ihn zu Forschungswecken und nahm ihn 1959 in Betrieb. 1986 erneuerte man die Anlage, seit 2013 ist sie jedoch nicht mehr in Betrieb.

Nun soll der AGN-211-P rückgebaut werden. Doch das ist aufwendig, und das Thema ist heikel. Matthias Geering, Mediensprecher der Universität Basel, zeigt sich in diesem Zusammenhang äusserst zurückhaltend. Wie er erklärte, wird für den Rückbau mit einer mehrjährigen Bauzeit gerechnet, er wird gemäss Geering frühestens Ende 2015 in Angriff genommen. Ursprünglich war geplant gewesen, diesen bis nächstes Jahr abzuschliessen. Dazu sollte das waffenfähige Uran in die USA zurückgebracht werden, von wo es auch stammt. Die Amerikaner waren bereit, das Material bis 2016 zurückzunehmen. Wohin das Uran nun gebracht wird, wollte Geering nicht sagen. Die Detailplanung starte erst jetzt, begründet er die Zurückhaltung. Informationen kündigte er für einen späteren Zeitpunkt an.

Ensi weiss noch nichts               

Selbst das Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI weiss noch nichts von einem Rückbau. Es sei noch kein Stilllegungsprojekt zur Beurteilung eingereicht worden, teilte die Aufsichtsbehörde über die Kernanlagen in der Schweiz auf Anfrage der SDA mit.

Für den Rückbau hat die Basler Regierung zehn Millionen Franken zurückgestellt. Dieser Betrag basiert auf einer Schätzung der Universität. Die Basler Regierung übernehme diese Ausgaben für den Rückbau des Reaktors, weil er zu einer Zeit installiert wurde, als die Universität noch vom Kanton Basel-Stadt alleine getragen wurde, weiss Geering. Zudem besitze der Kanton die Liegenschaft, in der das Gerät steht.

Brennstäbe im Bundeszwischenlager?

Der Reaktor hat schon mehrfach für Unruhe gesorgt. Vor drei Jahren stellten Parlamentarier stellten Fragen zur Sicherheit des Geräts. In ihrer Antwort vom Mai 2011 schrieb die Basler Regierung, die Anlage sei ein Nullenergiereaktor mit einer Höchstleistung von zwei Kilowatt. Dies entspreche der Leistung eines Tauchsieders. Wegen dieser geringen Leistung haben die Brennstäbe eine Lebensdauer von mehreren 100 Jahren. Deshalb hätten sich die USA bereit erklärt, das Material zurückzunehmen. Laut Regierung könnten die Brennstäbe auch im Bundeszwischenlager BZL gelagert werden.

Erworben hatte Universität Basel den Reaktor zu Forschungszwecken 1959 mit der Unterstützung des Bundes. Zuvor stand er an der Weltausstellung unter dem Atomium in Brüssel. (mai/sda)