ABB sieht 2017 als Übergangsjahr

ABB sieht 2017 als Übergangsjahr

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Der auf Energietechnik und Automation ausgerichtete ABB-Konzern hat für 2016 durchwachsene Geschäftszahlen vorgelegt. Während der Umsatz wie in den Vorjahren weiter zurückglitt, verhalfen vor allem Sparmassnahmen zu einer leichten Gewinnsteigerung. ABB sieht nunmehr Lichtblicke für einen Wachstumsschub gekommen. Beweise für die tatsächliche Trendumkehr stehen aber noch aus.

Die Geschäftszahlen für 2016, die ABB am Mittwoch der Öffentlichkeit präsentierte, waren uneinheitlich. So ging der Konzernumsatz aufgrund schwieriger Marktbedingungen um 5 Prozent auf 33,8 Milliarden Dollar zurück. Der Gewinn legte dagegen um 2 Prozent auf rund 2 Milliarden Dollar zu.

In den vorangegangenen Geschäftsjahren musste Konzernchef Ulrich Spiesshofer wiederholt Umsatz- und Gewinnrückgänge vermelden. So brachen 2015 die Einnahmen um 11 Prozent und der Konzerngewinn um 25 Prozent ein. 2014 ging es bei den Einnahmen um 5 Prozent und beim Konzernergebnis um 7 Prozent nach unten. Lediglich für das Geschäftsjahr 2013, in dem der Manager im September das Steuer in der ABB-Chefetage übernahm, konnte er eine Umsatzsteigerung um 6 Prozent auf rund 42 Milliarden Dollar und eine Gewinnsteigerung um 3 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar verkünden. Letztere Zahlen verdeutlichen eindrücklich, dass der ABB-Konzern seit dem Amtsantritt von Spiesshofer beim Umsatz um rund 20 Prozent schrumpfte und beim Gewinn etwa 30 Prozent verschwunden sind.

Rosige Zukunft

Doch nun soll alles besser werden. Zuversicht schöpft ABB vor allem aus den Resultaten für das vierte Quartal 2016. Die Umsätze sanken zwar von Oktober bis Dezember um 3 Prozent auf rund 9 Milliarden Dollar. Der Quartalsgewinn erhöhte sich jedoch im Vorjahresvergleich von rund 200 Millionen Dollar auf fast 500 Millionen Dollar, da Effizienzmassnahmen wirkten und kaum noch Aufwendungen für die Restrukturierung anfielen.

Optimistisch stimmt den Konzern auch, dass auf adjustierter Basis, also bereinigt um Währungseffekte und Portfolioänderungen, der Umsatz eigentlich um 1 Prozent und der Auftragseingang um 3 Prozent zugelegt hätten. Spiesshofer hob zudem an einer Medienkonferenz explizit das Wachstum im vierten Quartal 2016 bei den Basisaufträgen auf vergleichbarer Basis in China von 11 Prozent sowie in Indien von 14 Prozent hervor.

Für die Geschäfte in den USA zeigte sich der Firmenchef äusserst zuversichtlich und sagte, dass der Konzern vor allem über lokale Aktivitäten verfüge und kaum etwas im- oder exportiere. In den vergangenen Jahren habe das Unternehmen in den USA rund 10 Milliarden Dollar investiert, und vor Ort beschäftige es rund 20'000 der weltweit 132'000 Mitarbeiter. ABB müsse also kaum Negatives von den Handlungen des neuen US-Präsidenten befürchten.

Finanzchef Eric Elzvik, der Ende März aus dem Konzern ausscheidet, sprach an der Medienkonferenz dagegen von heftigen Gegenwinden an den Märkten, die vor allem den Bereich Prozessautomation trafen. Die Umsätze in diesem Segment gingen im vierten Quartal auf vergleichbarer Basis um 8 Prozent und die Bestellungen sogar um 14 Prozent zurück.

Strategie im Hintertreffen

Mit Blick auf die strategischen Ziele ist ABB im Rückstand. Beim Zielerreichungsgrad hapert es derzeit bei zwei der fünf strategischen Ziele. So gibt es derzeit lediglich Nullwachstum beim Umsatz. Das Unternehmen peilt bei der Kennzahl aber eine Steigerung zwischen 3 bis 6 Prozent an; dieses Intervall wurde ohnehin schon einmal gesenkt.

Das zweite strategische Ziel, das ABB im Moment nicht erreicht, ist das operative Gewinnwachstum pro Aktie. Hierbei soll der durchschnittliche Zugewinn zwischen 10 bis 15 Prozent pro Jahr liegen. Der ABB-Konzern kommt für das abgelaufene Geschäftsjahr 2016 bloss auf eine Steigerung von 4 Prozent.

Für 2017 sieht Spiesshofer die Industriegruppe dennoch auf Kurs – obwohl er am Mittwoch 2017 mehrfach als ein "Übergangsjahr" für seinen Konzern bezeichnete. Die makroökonomischen Signale aus den USA seien weiter positiv. Für China erwartet ABB ein fortgesetztes Wachstum. Allerdings gebe es Unsicherheiten von geopolitischen Spannungen in der Welt sowie den Brexit, sagte Spiesshofer.

Die Auftragseingänge, die Hinweise für künftige Situation bei den Umsätzen geben, sanken 2016 aber um 8 Prozent auf 33,4 Milliarden Dollar. Selbst auf vergleichbarer Basis gaben sie um 5 Prozent nach.

An der Börse waren die Reaktionen auf die Informationen negativ. Die Aktien des Industriekonzerns starteten mit Abschlägen in den Tag. Im Vormittagshandel verloren die Papiere in einem leicht positiven Gesamtmarkt rund 3 Prozent und erholten sich bis zum Nachmittag kaum. Und all dies geschah, obwohl der Verwaltungsrat eine Dividendenerhöhung um 2 Rappen auf 76 Rappen vorschlug und vergrösserte Ausschüttungen in der Regel zu Freudensprüngen an den Kapitalmärkten führen. (sda)