Aargau: PSI baut Atommüll-Zwischenlager aus

Aargau: PSI baut Atommüll-Zwischenlager aus

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Teaserbild-Quelle: Bild: PSI
Das Paul-Scherrer-Institut (PSI) bestätigte am Montag, dass das bundeseigene Zwischenlager für schwachradioaktive Abfälle in Villigen AG ausgebaut werden soll. Die bestehende Anlage für Atommüll aus Medizin, Forschung und Industrie sei zu 85 Prozent belegt.


Nach PSI-Angaben seien bereits 5000 von maximal 6000 Fässern und 120 von 160 möglichen Container in der bestehenden Halle eingelagert, sodass „noch Kapazitäten bis 2020“ existieren. Um Vorsorge für die Zeit danach zu treffen, liefen bereits seit einiger Zeit Antragsarbeiten für die Bewilligung eines Erweiterungsbaus, so PSI-Sprecherin Dagmar Baroke. Eine neue Halle soll neben der bereits bestehenden gebaut werden und Platz für zusätzliche 480 Container bieten. Aufrgrund der Grösse der Container wird so in der alten Halle Platz für 3000 weitere Fässer frei. Die Investitionskosten beziffert das PSI, quasi die Atomfabrik der Schweiz und der grösste lokale Arbeitgeber, mit sieben Millionen Franken.

 
Auch das lange Warten auf ein geplantes Endlager sei mit dieser Planung überbrückbar, behauptete die PSI-Sprecherin. Sie spielte damit auf die Ankündigung der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) vom April an, ein Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle werde erst um das Jahr 2050 statt 2035 in Betrieb gehen. Auch ein Tiefenlager für hochaktive Abfälle soll nun frühestens im Jahr 2060 statt 2050 seinen Betrieb aufnehmen können.

Das Zwischenlager (Zwilag) Würenlingen, das sich gleich neben dem PSI befindet, kennt eigenen Angaben zufolge keine Platzprobleme, auch nicht im Hinblick auf Verspätungen bei den Endlagern, da es seit 2001 nur radioaktive Abfälle von Schweizer Atomkraftwerken aufnehme. Und nachdem der Atomausstieg auf Bundesebene beschlossen wurde, werde es keine neuen AKW mehr geben. Allerdings handelt sich bei Cäsium, Plutonium, Strontium um Ultragifte. In Würenlingen besteht laut Berichten der „Schweizer Weltwoche“ eine erhöhte Krebshäufigkeit, insbesondere bei Hirntumoren. Radioaktivität als reales Gesundheitsrisiko für die Anwohner wird in Pressemitteilungen gerne vernachlässigt, denn die Betreiber der Anlage, die den gesamten Atommüll der Schweiz beherbergt, bescheren der Gemeinde Würenlingen hohe Steuereinnahmen. Zusätzlich erhalten Würenlingen und verschiedenen Nachbargemeinden jährliche Zuwendungen von der Atomindustrie, jeweils im hohen dreistelligen Bereich.
 
Allen Zwischenlagern für Atommüll gemein ist, dass sie jahrzehntelange Interimslösungen darstellen, bis Endlager gebaut sind, wovon eines in Benken am Rheinfall entstehen könnte. Tatsache ist, dass die Edelstahlbehälter mit den hochradioaktiven Atomabfällen Wärme von bis zu 120 Grad Celsius abgeben, nicht für Endlager geeignet sind und 30 bis 40 Jahre im zentralen Zwischenlager herumstehen und dabei gesundheitsgefährdende Strahlungsdosen abgeben. Zwilag-Sprecherin Andrea Portmann behauptet, solche Behälter können „100 Jahre oder mehr“ verwendet werden. Ob ein Edelstahlbehälter hochaktive Strahlung abschirmen kann, ist dabei mehr als fraglich. So genau scheint das aber niemand zu wissen oder wissen zu wollen. Angeblich werden die Fässer „systematisch kontrolliert“ und im Schadensfall „einfach umgepackt“. Auch die mit ausrangierten Brennstäben gefüllten Castorbehälter würden laufend überwacht und kaputte Dichtungen allfällig ausgewechselt, hiess es.(tw)