6000 Jahre Siedlungsgeschichte auf dem Orkopf

6000 Jahre Siedlungsgeschichte auf dem Orkopf

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Wo der Rhein den Bodensee verlässt, oberhalb von Stein am Rhein, zwischen Eschenz (CH) und Stiegen (D), haben vor 6'000 Jahren Pfahlbauer gelebt. Das haben Untersuchungen deutscher und schweizerischer Archäologen ergeben.
 
Orkopf nennt sich die inselartige, mehrheitlich unter Wasser liegende Seekreidebank. Dieses Gebiet gehört zu den ältesten Siedlungsräumen am Bodensee. Schon seit einigen Jahrzehnten ist bekannt, dass auf dem „Orkopf“ rätselhafte Holzpfähle aus dem Untergrund ragen. Im Rahmen des 2008 angelaufenen Projektes „Erosion und Denkmalschutz im Bodensee und Zürichsee" geht ein Team aus Taucharchäologen des Amtes für Archäologie des Kantons Thurgau und des Baden-Württembergischen Landesamtes für Denkmalpflege diesem Phänomen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund: Die Pfahlstrukturen werden in jeweils während einiger Wochen dauernden Untersuchungen gründlich erforscht.
 
Die Arbeitsbedingungen für die Archäologen sind in bis zu zwölf Metern Tiefe und in kräftigen Strömungsverhältnissen schwierig. Dennoch brachten diese Tauchgänge erstaunliche Ergebnissen an die Oberfläche: So wurden Pfosten einer Steg- oder Brückenkonstruktion entdeckt sowie mehrere Pfahlbaudörfer, die an dieser exponierten Stelle während verschiedenen Zeitabschnitten errichtet worden sind. Die Holzpfähle konnten vor kurzen datiert werden.

Orkopf als Siedlungszentrum

Engstellen im Bereich von Seeausflüssen sind seit je her beliebte Siedlungsgebiete. Deshalb könnte der Orkopf in der Vergangenheit eine verkehrsgeografische Schlüsselposition eingenommen haben.
 
Auch in nächster Zeit dürfen von seiner weiteren Untersuchung interessante Ergebnisse erwartet werden, heisst es in einer gemeinsamen Medienmitteilung Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart und des Amts für Archäologie des Kantons Thurgau. Allerdings drängt die Zeit: Vor allem die steinzeitlichen Pfähle ragen bis zu einem Meter hoch aus dem Sediment und werden stark von der Erosion bedroht. Im Zuge dieses internationalen Archäologie-Projektes sollen nicht nur Erkenntnisse zur Archäologie gewonnen werden sondern auch zur Dynamik von Erosions- und Sedimentationsvorgängen im Bodensee.(mai/pd)
 
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Die Fundstellen beim Orkopf, beim Rheinausfluss.
 
  • Nr.1: Die im Südwesten des Orkopfes wurden zahlreiche Hauspfosten gefunden. Sie stammen von zwei verschiedenen steinzeitlichen Dörfern. Das eine wurde bereits um 3890 v. Chr. gebaut und gehört zu den ältesten am Bodensee bekannten Pfahlbausiedlungen. Das zweite steinzeitliche Dorf datiert aus der Zeit zwischen 3’300 und 3’100 v. Chr.
  • Nr. 2: Im Nordosten des Orkopfes wurden Hauspfosten einer Siedlung aus der frühen Bronzezeit, um 1900 v.Chr. gefunden.
  • Nr. 3: Die von Nordwesten auf die Insel zuführende Pfostenreihe war Teil eines Steges oder einer Brücke aus dem Jahr 676 n.Chr.
  • Nr.4 und 5: Hier zeugen weitere Pfahlbauten und verschiedene Funde aus der Stein-, Bronze- und der Römerzeit aber auch aus dem frühen Mittelalter davon, dass der Orkopf in der Vergangenheit immer wieder besiedelt wurde.