350'000 Haushalte schätzen ihren Wohnflächenkonsum als zu gross ein

350'000 Haushalte schätzen ihren Wohnflächenkonsum als zu gross ein

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Jeder zehnte Haushalt verfügt nach eigener Einschätzung über zu viel Wohnraum. Allerdings reicht diese Erkenntnis nicht aus, um den Flächenverbrauch wirksam zu reduzieren. Es bräuchte „grössere Eingriffe“ in den Wohnungsmarkt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Bundesamts für Wohnungswesen.

Jeder zehnte Haushalt verfügt nach eigener Einschätzung über zu viel Wohnraum. Allerdings reicht diese Erkenntnis nicht aus, um den Flächenverbrauch wirksam zu reduzieren. Es bräuchte „grössere Eingriffe“ in den Wohnungsmarkt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO).

In der Schweiz wohnt man gerne komfortabel und dies mit steigendem Platzbedürfnis: Reichten 1980 pro Person noch 34 Quadratmeter, so sind es heute im Schnitt 45 Quadratmeter. Wie sich der Wohnflächenbedarf entwickelt hat, zeigt eine am Donnerstag veröffentlichte Studie des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO).

Rund 10 Prozent aller Haushalte schätzen ihren Wohnflächenkonsum selber als zu gross ein, wie eine Umfrage im Jahr 2014 (Schweizer Haushaltspanel)  im Zusammenhang mit der Studie ergab. Hochgerechnet betrifft dies rund 350'000 Haushalte. Das grösste Sparpotenzial ortet die Analyse im Flächenverbrauch von älteren Menschen, Einpersonenhaushalten und Eigentümern. Diese dürften bei geeigneten Angeboten auch häufig bereit sein, ihren Platzbedarf mit einem Wohnungswechsel zu verkleinern, so die Autoren. Derweil ist für viele andere Haushalte mit grossem Wohnflächenkonsum ein Umzug in ein kleineres Wohnobjekt jedoch kein Thema, wie weiter aus der Studie hervorgeht. Diese seien nicht der Meinung, über zu viel Raum zu verfügen. Sie wären gemäss der Studie nur mit „spezifischen Massnahmen“ zu einem Umzug in eine kleinere Wohnung zu bewegen.

„Planerischer Dichtebonus“

Wie der Flächenkonsum beeinflusst werden könnte, zeigt eine zweite Untersuchung, die mit dem Kanton Basel-Stadt veranlasst wurde. Darin empfehlen die Forscher vier Instrumente zur Umsetzung: Dazu gehören Vorschriften in Bezug auf die Belegung und die Wohnflächen im genossenschaftlichen und übrigem gemeinnützigen Wohnungsbau. Zudem könnten für umzugswillige Personen Beratungsstellen geschaffen werden, die bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung unterstützen. Des Weiteren wird  ein „planerischer Dichtebonus“ vorgeschlagen: Ein Bauträger dürfte mehr Wohnfläche erstellen, wenn er darin flächensparend gewohnt wird.

Untersucht wurden auch Lenkungsabgaben und Steuern, die einen geringeren Wohnflächenverbrauch belohnen. Das Fazit ist jedoch ernüchternd: Je wirksamer die Instrumente wären, umso drastischer würden sie die heutige Funktionsweise des Wohnungsmarkts ändern und anderen Anliegen entgegen wirken. Deshalb geben die Autoren solchen Massnahmen kaum eine Chance.

Wohnfläche wächst schneller als Bevölkerung

Hintergrund der Untersuchungen ist BWO unter anderem das Ja des Stimmvolks zur Revision des Raumplanungsgesetzes im Jahr 2013. Die Abstimmung zeigte, dass die Bevölkerung die Landschaft und das Kulturland schützen möchte. Wohnungen sind jedoch einer der wichtigsten Gründe für den Bodenverbrauch und die Zersiedelung. So sind die Wohngebäudeflächen in der Schweiz zwischen 1985 und 2009 um über 50 Prozent gestiegen, während die Wohnbevölkerung um gerade Mal 17 Prozent zugenommen hat. (mai/sda)