300 Millionen Euro für Italiens Kulturerbe

300 Millionen Euro für Italiens Kulturerbe

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Teaserbild-Quelle: Foto: Matthias Brinker_Pixelio

Erstmals seit Jahren investiert Italien wieder kräftig in Kultur. Italiens Kulturminister Dario Franceschini hat Anfang der Woche ein dreijähriges Finanzierungsprogramm für die Erhaltung des Kulturerbes angekündigt. 241 nationale Restaurierungsprojekte stehen auf der Liste, darunter befinden sich Prestigestätten, wie Arbeiten in der Lagunenstadt Venedig, an der Stadtmauer von Siena oder der Certosa Monumentale di Calci bei Pisa sowie die Restaurierung des Palasts von Kaiser Nero „Domus Aurea“.  

„Die Kultur rückt wieder in den Mittelpunkt der nationalen Politik“, sagte Franceschini in einem Interview mit der römischen Tageszeitung „Il Messaggero“. Die von der Regierung bewilligten 300 Millionen Euro kommen nicht allein der Erhaltung historischer Bauten und Kulturgüter zugute. 50 Millionen Euro sollen für Sicherheitsmassnahmen mit Alarmsystemen und Videoüberwachung in den Museen zur Verfügung gestellt werden.

Angesichts der enormen Anzahl von historisch wertvollen Gebäuden, Anlagen und Objekten fiel die Auswahl nicht leicht. 13 Millionen Euro sind unter anderem für die Restaurierung des Palasts des römischen Kaisers Nero „Domus Aurea“ veranschlagt. Bis 2018 soll eines der prächtigsten Bauwerke des antiken Roms vollständig restauriert werden. Der in den Jahren 64 bis 68 errichtete Palast zählt zu den grössten Attraktionen der „Ewigen Stadt“. Mit auf der Liste der römischen Restaurierungsobjekte stehen auch das Teatro Valle, das 1727 eröffnete und damit älteste noch genutzte Theater der italienischen Hauptstadt,  und der Palazzo Venezia, in dem das Museo Palazzo Venezia, die nationale Kunstbibliothek und das nationale Institut für Archäologie und Kunstgeschichte ihren Sitz haben.

1,5 Millionen Euro fliessen in die Restaurierung des Palazzo Ducale in Mantua. Das 34.000 Quadratmeter grosse, rund 500 Räume umfassende Ensemble aus dem 14. bis 17. Jahrhundert wurde während des Erdbebens im Jahr 2012 beschädigt. Weitere 1,2 Millionen Euro werden für die Restaurierung des Parks und des Museums von Schloss Miramare nordwestlich von Triest zur Verfügung gestellt. Das Schloss auf der Felsklippe in der Bucht von Grignano wurde zwischen 1856 und 1860 für den Bruder des österreichischen Kaisers Franz Joseph I., Ferdinand Maximilian, erbaut. Auch Kaiserin Sissi hielt sich zwischen 1869 und 189 wiederholt in der Sommerresidenz der Habsburger auf. Seit 1955 dient das Wahrzeichen der ehemaligen habsburgischen Hafenstadt als staatliches Museum und war letztlich wegen seines heruntergewirtschafteten Zustands in die öffentliche Kritik geraten. Gut zwei Millionen Euro werden für die Restaurierung der antiken Stadtmauer von Siena benötigt, über 3,5 Millionen für die Nationale Zentralbibliothek von Florenz.

Mit der Finanzspritze sollen auch endlich die seit langem bestehenden Personalmängel behoben werden, der nicht zuletzt durch die rigorosen Sparmassnahmen der vergangenen Krisenjahre entstanden waren. 2016 neue Stellen sind geplant, unter anderem für 500 Archäologen und Bibliothekare.  (Apa/cb)