Cartoonist Kai Felmy: Der Mann hinter den Knollnasen

Cartoonist Kai Felmy: Der Mann hinter den Knollnasen

Teaserbild-Quelle: Kai Felmy
Der Mann hinter den Knollnasen

Seit rund einem Jahr erscheinen in jedem Baublatt Cartoons des Frankfurters Kai Felmy. Doch wer ist der Mann, der diese lustigen «Knollies» zeichnet? Das Baublatt hat ihn zu Hause besucht.

«Ich würde meinen Kindern nicht empfehlen, Cartoonist zu werden», sagt Kai Felmy. Das erstaunt, schliesslich erscheinen die Cartoons des sympathischen Frankfurters nicht nur im Baublatt, sondern in diversen Magazinen, Fachzeitschriften und Zeitungen im deutschsprachigen Raum. Allein im überregionalen Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) wurden seit 1999 mehr als 3000 Cartoons von Felmy veröffentlicht.

Ausserdem wurden seine Cartoons in Zeitschriften wie Freundin, Kicker, Mein schöner Garten, Auto Motor und Sport, Eltern, Immobilien Magazin, Chip, Hausbau und vielen mehr abgedruckt. Doch dahin zu kommen, wo er jetzt ist, war vor für den 56-Jährigen vor allem eins: harte Arbeit.

Zwar hatte alles schon früh angefangen. Bereits mit sieben Jahren zeichnete er die ersten Knollnasenfiguren. Doch es sollte nochmals knapp drei Jahrzehnte dauern, bis er diese zum Beruf machen konnte. Zuerst absolvierte Felmy eine Ausbildung zum Grafikdesigner und arbeitete danach als Illustrator für Werbeagenturen, für die er anfänglich vor allem Storyboards für TV-Werbungen von Waschmitteln zeichnete.

Mit der Zeit wurde er gar Art Director. 1988 durfte er für eine Werbekampagne von American Express die ersten Cartoons zeichnen, die in Zeitungen veröffentlicht wurden. «Für jeden gedruckten Cartoon gab es extra Geld. Und da habe ich gemerkt, dass man mit Cartoons auch Geld verdienen kann», erzählt Felmy.

In der Folge baute er sich parallel zur Arbeit in der Werbeagentur einen Kundenstamm auf. So erschienen ab 1990 seine «Knollies» beispielsweise in der Fernsehzeitschrift Hörzu. Und 1992 veröffentlichte er gar das erste Buch im Lappan-Verlag, wo auch sein Vorbild Uli Stein publiziert. «Ich war dann an der Buchmesse in Frankfurt und habe die anderen Cartoonisten in Jeans gesehen. Diese Lässigkeit hat mich beeindruckt, und ich habe gedacht, so wie die will ich das auch machen.»

Ideen am Fliessband

«Irgendwann hatte ich also Lust, nur noch Cartoons zu machen.» Als es dann 1995 in der Werbeagentur zu einem Führungswechsel kam, entschied er sich deshalb für die Selbstständigkeit. Ab 1999 war er hauptsächlich für die FAZ engagiert, für die er oft zwei, manchmal sogar drei Cartoons am Tag zeichnete.

«Um 9 Uhr bekam ich meist den ersten Artikel, für den ich einen Cartoon zeichnen sollte. Also setzte ich mich hin, las den Artikel und machte sieben Entwürfe, die ich dem Redakteur sofort zur Auswahl faxte», erzählt Felmy. Um 11 Uhr kam bereits der nächste Artikel und meist bis 16 Uhr, wenn Redaktionsschluss war, nochmals einer. So zeichnete er pro Tag oft rund 21 Entwürfe, wovon drei dann gedruckt wurden. Pro Entwurf hatte er also maximal zehn Minuten Zeit.

Doch auf die Frage, wie man in so kurzer Zeit so viele Ideen, die auch noch lustig sein sollten, entwickelt, muss Felmy nur schmunzeln. «Das mit den Ideen ist reine Übungssache. Am Anfang hatte ich für sieben Ideen tatsächlich einen Tag. Mit der Zeit konnte ich aber wie kleine Schubladen ziehen. Denn man kann die Inhalte in eine andere Zeit – beispielsweise in die Steinzeit oder an einen anderen Ort – beispielsweise auf den Mars – versetzen. Oder man kann Tiere sprechen lassen. Es können die schwierigsten Themen sein und, trotzdem können sich zwei Nilpferde darüber unterhalten», erläutert Felmy. Insofern sei der Job als Cartoonist auch nur ein Handwerk, das er aber insbesondere durch seine Arbeit für die Tageszeitung von der Pike auf gelernt hat. «Das Gehirn musste ich schon auswringen, so dass am Abend nichts mehr drin war.»

Kreuzworträtsel als Feind

Heute muss er pro Tag nicht mehr ganz so viele Entwürfe liefern. Trotzdem zeichnet er immer noch im Schnitt zwei Cartoons pro Tag und macht dafür, wenn danach gefragt, auch verschiedene Entwürfe. Doch Tageszeitungen liefert er heute nur noch rund einen Cartoon pro Woche. Denn mit der Zeit – und auch dank der grossen Reichweite von FAZ oder der Fernsehzeitschrift RTV – kamen immer mehr Kunden dazu, so dass heute seine Arbeit nicht mehr nur auf einen «grossen», sondern eher auf viele «kleinere» Auftraggeber verteilt ist.

«Doch auch nach 25 Jahren Selbstständigkeit muss ich immer noch schauen, wie ich nächste Woche verdiene», so Felmy. Hat er mal keine Aufträge macht er sich sofort an die Akquise von potenziellen neuen Kunden. «Denn die eigentliche Kunst des Cartoonisten besteht darin, auch davon leben zu können. Und mein grosser Feind sind die Kreuzworträtsel.»

So produziert Felmy also auch heute noch jeden Tag neue Cartoons, auch wenn er mittlerweile über ein grosses Archiv verfügt und zehn Bücher veröffentlicht hat, die sich insgesamt über 100 000 Mal verkauften. Am liebsten hat er es, wenn dabei er komplett frei ist. «Am meisten Spass machen mir Cartoons, die gar kein Thema haben.»

Denn er mag das Absurde, das Überraschende, das Skurrile, zählen doch nebst Uli Stein auch Loriot und Gary Larson zu seinen Vorbildern. «Am besten ist ein Cartoon, wenn sich Bild und Text ergänzen. Wenn man sowohl Bild als auch Text alleine nicht versteht, sie aber in der Kombination plötzlich Sinn ergeben – und im Optimalfall noch einen Überraschungsmoment haben.»

So könne man beispielsweise immer zwei Menschen hinstellen, die sich unterhalten. «Und wenn der Text lustig ist, ist das schon gut.» Besser sei aber, wenn auch das Bild lustig sei – wie beispielsweise in seinem Cartoon mit den beiden Herren, die sich normal unterhalten, aber Hasenzähne haben. Der Text ist dann das Tüpfelchen auf dem i. «Denn gute Cartoons spiessen immer etwas Typisches auf und erzählen in einem Bild eine ganze Geschichte.»

«Nicht so bissig»

Charakteristisch für Felmys Cartoons sind vor allem die Knollnasenfiguren, die er selbst «Knollies» nennt. Gezeichnet hat er sie schon als Kind. «Die Knollies sehen einfach putzig aus. Und sie haben einen hohen Wiedererkennungswert.» Mit den Augen und allenfalls den Augenbrauen kann er dann in Windeseile erkennbar machen, ob jemand böse oder traurig ist. «Meist gibt es einen, der erstaunt guckt. Denn mit dem kann sich der Leser am besten identifizieren.» Ausserdem spielen Tiere eine grosse Rolle, die er erst mit der Zeit alle schnell zeichnen konnte.

«Mein Humor ist nicht so bissig und nicht politisch», meint Felmy. Um die Leute zum Lachen zu bringen, braucht er deshalb nicht dringend zusätzliche Inspiration. «Viele Leute meinen, man könne sich in Frankfurt auf eine Bank setzen, die Leute beobachten, und schon sprudeln die Ideen. Doch bei mir ist das nicht so.» Viel eher ist für ihn der Alltag ausschlaggebend. So sieht er beispielsweise auch seinen Bezug zum Bau hauptsächlich darin, dass er selbst Hausbesitzer ist. «Und Bau betrifft ja jeden. Denn jeder wohnt irgendwo», so Felmy: «Ausserdem kann man beim Bauen sehr viel verkehrt machen.»

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt er beispielsweise bei der Medizin, publiziert er doch auch in diversen Zeitschriften für Ärzte. «Es war schon jeder einmal krank», meint er: «Und Lachen soll ja bei der Heilung helfen.» Insofern überrascht es nicht, dass Felmy seine Cartoons in unterschiedlichsten Zeitschriften unterbringt, denn sein Alltag und somit sein Humor reichen von Autos über Fussball, Garten und Medizin bis in den Immobiliensektor.

Rock'n'Roll im Herzen

«Eigentlich wäre ich ja lieber Musiker geworden. Das hat sich aber nicht ergeben. Und heute bin ich froh, dass ich nicht jeden Abend auf Bühnen stehen muss.» In seiner Jugend war er trotzdem oft mit seiner Rock’n’Roll-Band «The Arrows» unterwegs. «Und meist gab es als Gage vor allem Schnäpse.» Heute hingegen macht er eher Sport. «Ich habe die Musik gegen Karate getauscht», sagt Felmy. Das passt, sind doch auch seine Cartoons irgendwie Kampfkunst.

Sowieso geht Felmy es mittlerweile gemütlicher an. So hat er sich mit seiner Partnerin vor rund einem Jahr ein Haus auf dem Land gekauft, in der Wetterau unweit von Frankfurt. «Hier hat es nicht so viele Ampeln wie in Frankfurt», meint er lakonisch. Mit seiner Partnerin und seinen zwei Hunden kann er nun von seinem aufgeräumten Schreibtisch im ersten Obergeschoss seiner Arbeit nachgehen.

«Mittlerweile ist es für mich ein entspannter Job, da ich entscheiden kann. Ausserdem muss ich heute die meisten Aufträge nicht mehr am gleichen Tag liefern», so Felmy. Sein Sohn und die beiden Kinder der Partnerin sind sowieso erwachsen, weshalb mehr Zeit für die Cartoons, Sport und Hunde bleibt.

Gerne würde er auch bald mal wieder in die Schweiz reisen. Schliesslich ist er auch zu einem Achtel Schweizer. «Die Urgrossmutter väterlicherseits», meint er lächelnd. Ob er dann seinem Sohn mitnimmt, dem er ja nicht zu einer ähnlichen Karriere raten würde, lässt er aber offen. «Doch eigentlich zeichnet er besser als ich», verrät Kai Felmy ganz zum Schluss.

Autoren

Freier Mitarbeiter für das Baublatt.