Wo es Bauleute eiskalt erwischt: Neue «Scott Base» in der Antarktis

Teaserbild-Quelle: U.S. Department of State from United States, Gemeinfrei, Wikimedia
Wenn es Bauleute eiskalt erwischt

Auf der Ross-Insel beim Südpol soll die «Ross Base», Neuseelands antarktische Forschungsstation, ersetzt werden. Die Herausforderungen für Architekten und Bauunternehmen sind aussergewöhnlich.

Einer der kältesten bewohnten Orte der Welt befindet sich auf der Ross-Insel beim Südpol, im Winter fallen hier die Temperaturen bis unter Minus 40 Grad. Das rund 2460 Quadratkilometer grosse Eiland ist seit 1957 Standort der „Scott Base“, der einzigen Forschungsstation Neuseelands in der Antarktis. Hier können bis zu 86 Menschen untergebracht werden. Während des antarktischen Sommers, zwischen Oktober und Februar, können es allerdings weit mehr sein. Dann arbeiten hier bis zu 300 Forscher und Wissenschaftler.

Mittlerweile sind Häuser und Infrastrukturen veraltet. Letztmals vor rund 30 Jahren saniert, müssen sie ersetzt werden. Aktuell besteht die Forschungsstation aus zwölf Gebäuden.

Vom Wohnraum bis zur Windturbine

Neu sollen an ihrer Stelle drei miteinander verbundene Bauten errichtet werden, ein Bau ist als Unterkunft mit Wohn- und Gemeinschaftsräumen, einem Speisesaal und Küche gedacht, im zweiten sind Labors und Büros geplant und der dritte ist technischen Einrichtungen sowie Lagerräumen vorbehalten.

 

Visualisierunng neue Forschungsstation auf der Ross-Insel.
Quelle: 
zvg

So soll die neue Forschungsstation aussehen. Die Stützen der Gebäude sollen unter anderem Schneeverwehungen minimieren.

Die Gebäude liegen leicht erhöht auf Stützen und sind so platziert, das sie gegeneinander versetzt zu liegen kommen, damit sich zwischen ihnen möglichst keine Schneeverwehung bildet. Ebenfalls zum Projekt gehören zwei zwei Helikopterlandeplätze sowie ein separater Helikopterhangar inklusive Drohnenwerkstatt.

Die Architektur stammt aus der Feder der Hugh Broughton Architects aus London. Es ist übrigens nicht das erste Projekt des Büros in der Antarktis. Vor kurzem startete der Bau der Rothera-Forschungsstation, der „British Antarctic Survey“ auf der Adelaide-Insel. Und auch die britische Forschungsstation - Haley VI auf dem Brunt-Eis-Schelf – geht auf ihre Entwürfe zurück (Siehe Video).

Ein grosses Thema ist bei dem Projekt auf der Ross-Insel auch die Umweltverträglichkeit: Um den ökologischen Fussbabdruck möglichst gering zu halten, wird ein Grossteil der Energie mit den Windturbinen gedeckt, bei Windstille überberücken kraftstoffbetriebene Generatoren allfälligen Lücken. Mit der Abwärme der Generatoren wird zusätzlich zu den Elektrokesseln die Forschungsstation beheizt.

Für das Abwasser wird ein Vakuum-Entwässerungssystem verwendet. Damit in dem harschen Gebiet die Versorgung mit Wasser und Strom besser gewährleistet ist, werden die entsprechenden Anlagen doppelt angelegt.

Baugrund mit "einzigartigen logistischen Anforderungen"

Seit Kurzem laufen erste Vorbereitungen zum Bau der neuen Forschungsstation, wie „Antarctica New Zealand“, die Forschungsinstitution, die hinter der „Scott Base“ steht, mitteilt. Nachdem es fünf Bau-Unternehmen in die engere Wahl für die Realisierung des Projekts schafften, sind jeweils zwei Vertreter auf die Ross-Insel gereist. Ziel sei es die Herausforderungen der antarktischen Umwelt aus erster Hand kennenzulernen, heisst es in der Medienmitteilung.

„Es ist wichtig, die einzigartigen logistischen Anforderungen für ein sicheres Leben, Arbeiten und Bauen in der Antarktis zu verstehen“, sagt Simon Shelton, Senior Projekt-Manager bei "Antarctica New Zealand". Schliesslich sei es das grösste Projekt Neuseelands in der Antarktis, und obendrein sei es „ein komplizierter Bau an einem der kältesten und trockensten windigsten Orte der Erde“. (mai)

Antarktische Architektur im Kino

Die Forschungsstation „Haley VI“ hatte vor kurzem einen glamourösen Auftritt: Die Hugh Broughton Architectrs „liehen“ ihr Werk der Architektin im Film „Where did you go Bernadette“. Er lief vor kurzem in den Kinos.

 

Antarktische Architektur im Kino

Die Forschungsstation „Haley VI“ hatte vor kurzem einen glamourösen Auftritt: Die Hugh Broughton Architects „liehen“ ihr Werk der Architektin im Film „Where did you go Bernadette“. Er lief vor kurzem in den Kinos.