07:03 BAUPROJEKTE

Schloss Hünegg: Lebendige Inszenierung und andauernde Sanierung

Teaserbild-Quelle: zvg/Stiftung Schloss Hünegg

Das Schloss Hünegg ist ein Kleinod – und wie alle historischen Bauten ein ständiger Sanierungsfall. Die Bausubstanz aus den Entstehungsjahren ist sehr gut, spätere Anbauten und Sanierungen erfordern aber immer wieder Nachbesserungen. Eine Schlossbesichtigung mit der Denkmalpflegerin, die seit Jahrzehnten für die Sanierungsarbeiten zuständig ist.

Schloss Hünegg Thunersee

Quelle: zvg/Stiftung Schloss Hünegg

Das Schloss Hünegg liegt wunderschön am Thunersee.

Im grossen Salon wartet der bereits eingegossene Drink auf den Hausherrn. Im Blumenpavillon sind halb vollendete Handarbeiten beiläufig abgelegt, im Anrichteraum stehen die Papiermanschetten für die Hühnerbeine bereit. Besucherinnen und Besucher des Schlosses Hünegg in Hilterfingen am Thunersee begleitet im gesamten Gebäude das Gefühl, die Bewohner seien nur kurz aus dem Raum gegangen. Erst beim zweiten Blick fällt auf, dass die altertümlichen Hühnerbeinmanschetten stark vergilbt sind und wohl schon lange vergebens auf ihren Einsatz warten.

Diese lebendige Inszenierung ist die Besonderheit des längst verlassenen Schlosses. Seine Einrichtung samt zahlreichen Dekorationsobjekten und Details wie Küchengeräten, Büroutensilien und Wäschestücken ist grossteils im Zustand um das Jahr 1900 erhalten. 

Auf dem Kartentisch stehen Tellerchen mit Fünfräpplern für die Spieler bereit, die ihr Spiel scheinbar nur kurz unterbrochen haben. «Wir zählen manchmal nach. Ob Sie es glauben oder nicht: Die Leute legen eher Münzen dazu, als welche einzustecken», erzählt Randi Sigg-Gilstad schmunzelnd.

Schloss Hünegg Räume Inszenierung

Quelle: Alexandra von Ascheraden

Die lebendige Inszenierung wird in allen Räumen des Schlosses durchgezogen.

Schloss Hünegg Kartentisch

Quelle: Alexandra von Ascheraden

Die lebendige Inszenierung des Schlosses macht es attraktiv für Besucher. Am Kartentisch werden erstaunlicherweise eher Fünfräppler dazugelegt als welche heimlich mitgenommen.

Schloss Hünegg Unterhaltsarbeiten

Quelle: Alexandra von Ascheraden

Laufende Unterhaltsarbeiten am Schloss.

Spätere Arbeiten als Problem

Die pensionierte Denkmalpflegerin ist seit 20 Jahren für die Erhaltung des Schlosses zuständig. Die Arbeit geht ihr nicht aus. Im Moment wird im Garten die fast vergessene Grotte wiederhergestellt. Auch an Fassade und Dach reisst die Arbeit nicht ab.

Sie stellt grundsätzlich fest: «Die Bausubstanz aus den Entstehungsjahren 1861 bis 1863 ist sehr gut. Die Bauherrschaft war sehr wohlhabend und liess nur beste Materialien verwenden. Anders sieht es mit den An- und Umbauten um 1900 durch die Nachbesitzer aus. Sie wurden bereits mit dem neu aufgekommenen Zement ausgeführt. Hier zeigen sich Schäden. Richtig viel Arbeit aber macht uns, was noch später gemacht wurde.»

Kunststoffgläubige 1980er-Jahre

Vor allem die Renovationsarbeiten aus den kunststoffgläubigen 1980er-Jahren sorgen für viel Aufwand. Ein Beispiel: Um 1980 wurde das Dach erneuert. Bei dieser Gelegenheit wurden auch exponierte Sandsteinarbeiten entlang der Dachbekrönung nachgegossen. Als Bindemittel verwendeten die Restauratoren den neuen Werkstoff Araldit. «Damals glaubte man ja, mit Araldit könne man alles lösen», so Sigg-Gilstad trocken, «heute kann man die Nachgüsse sehr gut von den verbliebenen Originalteilen unterscheiden  sie haben sich alle schwarz verfärbt.» Die nachgegossenen Elemente an sich seien solide. Da Araldit jedoch kein Wasser durchlasse, wirkten die Elemente wie eine Diffusionssperre, und das führe zu Schäden an den angrenzenden Bauteilen, erklärt sie weiter. 

Zudem habe man den Sandstein mit Kieselsäureester getränkt, um ihn dauerhafter zu machen. Mit den üblichen Folgen. Es kam zu Schalenbildung, da von hinten trotzdem Wasser eindringt. Zu allem Überfluss hat man dann auch noch auf allen Gesimsen die aus der Bauzeit stammenden Blechabdeckungen abgenommen, weil man meinte, durch das Tränken seien diese obsolet. «Es kam, wie es kommen musste: Das Wasser trat dann durch die Fugen ein und bereitete massive Probleme. Ab 2000 haben wir wieder Abdeckungen angebracht», stellt sie fest.

Randi Sigg-Gilstad pensionierte Denkmalpflegerin

Quelle: Alexandra von Ascheraden

Die pensionierte Denkmalpflegerin Randi Sigg-Gilstad ist seit 20 Jahren für die Erhaltung des Schlosses Hünegg zuständig.

Schloss Hünegg Trinkhalle Salzausblühungen

Quelle: Alexandra von Ascheraden

Sorgenkind Trinkhalle: Salzausblühungen bis in Schulterhöhe. Mitschuld hat Zementputz, der in den 1980er-Jahren aufgebracht wurde. Er soll nun durch Kalkputz ersetzt werden, um das Problem etwas einzudämmen.

Feuchtigkeit ist eines der grössten Probleme im Schloss. Es ist praktisch unmöglich, etwas an die Aussenwände zu hängen. Innerhalb kurzer Zeit bildet sich Schimmel auf der Tapete hinter dem Gemälde.

Sorgenkind Trinkhalle

Aktuelles Sorgenkind ist die sogenannte Trinkhalle unter dem Schloss. Der Sockel des Erdgeschosses besteht aus Kalkstein, der keine kapillare Wirkung hat und somit perfekt für diesen Zweck geeignet ist. «Aber», wie Sigg-Gilstad trocken feststellt, «leider gibt es ja noch die Fugen.»

Der Keller ist bis auf den anstehenden Fels aus Nagelfluh gegraben. Dieser ist wasserführend, und die Feuchtigkeit zeigt sich deutlich an den Wänden. «Die üppigen Salzausblühungen reichen bereits bis in Schulterhöhe. Wir verdanken sie einem Zementputzauftrag aus den 1980er-Jahren.» Es ist geplant, ihn durch Kalkputz zu ersetzen. Feuchtigkeit wird sich im Keller auch danach noch zeigen. Hoffentlich nicht mehr bis in die augenblickliche Höhe.

«Geheimgang» gegen Feuchtigkeit

Das Feuchtigkeitsproblem durch den anstehenden Fels hatten auch schon die ursprünglichen Bauherrschaften. Es ging das Gerücht, es gebe einen mehr als hundertjährigen begehbaren Kanal rund um die Sockelmauer, der die Feuchte ableiten sollte. Es stellte sich heraus, dass er tatsächlich existierte. Vor zehn Jahren wagte eine Gruppe aus dem neuen Stiftungsrat eine Begehung. Bereits der Zugang war nicht ganz einfach, da er sich zwei Meter über dem Boden in der ehemaligen Besenkammer befindet. 

Schloss Hünegg begehbarer Kanal

Quelle: Kurt Niederhauser

Feuchte durch den anstehenden Fels war von Anfang an ein Problem. Ein begehbarer Kanal rund um die Sockelmauer sollte die Feuchte ableiten. Er ist bereits auf einer Karte von 1880 verzeichnet. Der Schlosswart hatte bei der Begehung vorsorglich einen Besen mitgebracht, der gute Dienste dabei leistete, die staubigsten Spinnweben über den Köpfen aus dem Weg zu fegen.

Von dort aus ist, eine gewisse Gelenkigkeit vorausgesetzt, ein Hohlraum unter dem Vorbau der Eingangsloggia erreichbar, die um 1900 angebaut wurde. Der Kanal stellte sich als durchgehend begehbar heraus. Allerdings ist er in grossen Teilen nur gerade schulterbreit und knapp 170 Zentimeter hoch. Seine Sohle liegt etwa 15 Zentimeter tiefer als der Kellerboden. Der Kanal war nie dafür gedacht, Abwasser abzuleiten. Diesen Zweck erfüllt ein eigener Abtrittkanal mit separaten Rohrleitungen.

Eine Karte von 1880 bezeichnet die Funktion des Kanals mit «zur Entfeuchtung oder Trockenlegung der Grundmauern». Der Schlosswart hatte vorsorglich einen Besen mitgebracht, der gute Dienste dabei leistete, die staubigsten Spinnweben über den Köpfen aus dem Weg zu fegen. Durch Ritzen zwischen den nicht überdachten Granittreppenstufen fiel Licht in den ansonsten stockdunklen Kanal. Dort kann also Wasser eindringen. Sie wurden unterdessen geschlossen.

Schloss Hünegg Nordwestseite beschattet

Quelle: Alexandra von Ascheraden

Die stark beschattete Nordwestseite des Schlosses (links im Bild) konnte nie abtrocknen. Über die Jahre wurde sie schwarz. Die Libanonzeder davor konnte nun nach Ringen mit der Gartendenkmalpflege um ein Drittel zurückgeschnitten werden.

Stark beschattende Bäume

Das Schloss ist von einer Anlage mit alten Parkbäumen umgeben. Auch diese sorgten für Sorgenfalten. Da sich die Bäume über hundert Jahre zu prächtigen Riesen entwickelt hatten, lag eine Fassadenseite dauerhaft im Schatten. Der wunderbare Baumbestand freute die Gartendenkmalpflege, gefährdete aber die Bausubstanz. «Die stark beschattete Nordwestseite konnte nie abtrocknen und war über die Jahre schwarz geworden. Wir konnten erreichen, dass die grosse Libanonzeder davor um ein Drittel zurückgeschnitten wurde. Jetzt hoffen wir auf Besserung», so Sigg-Gilstad. 


Die fast vergessene Grottenanlage

Bambus und Brombeerranken verbargen ein Kleinod, das seit sechs Jahren aufwendig freigelegt und restauriert wird. Immer wieder gab es überraschende oder unerfreuliche Entdeckungen. Bald sind die Arbeiten abgeschlossen.

Schloss Hünegg Grotte vor der Restaurierung

Quelle: Ruedi Schmutz, Schmid + Partner Gartenbau AG

Die Grotte war grossteils überwachsen und wird nun aufwendig wiederhergestellt. Im Winter ruhen die Arbeiten, da der Kalkmörtel nur bei Temperaturen über fünf Grad Celsius verarbeitet werden kann.

Am Fuss des Hügels, auf dem die Hünegg steht, wurde zur Bauzeit auch eine Grottenanlage angelegt. Sie ist Teil der Englischen Gartenanlage. Über die letzten Jahrzehnte wurde sie vergessen und wurde zunehmend von Bambus und Brombeerranken überwuchert.

Nur die Grotte selbst am Fuss des Felsvorsprungs war noch sichtbar. Sie wurde in den 1860er-Jahren mit einer Flacheisenarmierung errichtet. Diese wurde so geschickt mit Tuffstein verkleidet, dass es den Eindruck einer natürlichen Grotte erweckte. Aus dem Gestein tropft Wasser auf den Grund der Grotte. Es wird über die frisch sanierten Leitungen aus dem Teich auf der Schlossterrasse in einen kleinen Tümpel über der Grotte geleitet, von wo es das Gestein durchdringt.

Schloss Hünegg restaurierte Grotte

Quelle: Ruedi Schmutz, Schmid + Partner Gartenbau AG

Aus dem Teich auf der Schlossterrasse wird Wasser in einen kleinen Tümpel über der Grotte geleitet. Von dort durchdringt es das Gestein und tropft malerisch auf den Grund der Grotte. Die Leitungen wurden frisch saniert. Nach mehrjährigen Sanierungsarbeiten wird es bald wieder tropfen wie vor hundert Jahren.

Anfangs nur Grotte selbst sichtbar

 «Seit sechs Jahren sind wir hier am Sanieren», berichtet die pensionierte Denkmalpflegerin Randi Sigg-Gilstad, die Stiftungsrätin mit Ressort Denkmalpflege ist. «Je genauer wir nachgeschaut haben, desto mehr haben wir gefunden.» Anfangs war nur die Grotte selbst sichtbar. Und nur diese sollte auch saniert werden. Aus der Grottensanierung wurde Schritt für Schritt die aufwendige Sanierung des gesamten Hangs.

Eine Eibe war die erste grosse Knacknuss bei der Sanierung. «Sie wurde im Rahmen der Rodung des Hangs gefällt, der von der Grotte zur Schlossterrasse hinaufführt. Es stellte sich heraus, dass ihr Wurzelstock ausgerechnet ins Gewölbe der Grotte hineingewachsen war», berichtet Landschaftsgärtner Ruedi Schmutz von der Schmid + Partner Gartenbau AG im Gespräch mit dem Baublatt. 

Schloss Hünegg Wurzel im Gewölbe

Quelle: Ruedi Schmutz, Schmid + Partner Gartenbau AG

Eine Eibe war die erste grosse Knacknuss bei der Sanierung. Sie wurde im Rahmen der Rodung des Hangs gefällt. Es stellte sich heraus, dass ihr Wurzelstock ausgerechnet ins Gewölbe der Grotte hineingewachsen war. Er musste aufwendig entfernt werden.

Ruedi Schmutz Landschaftsgärtner

Quelle: Alexandra von Ascheraden

Landschaftsgärtner Ruedi Schmutz.

«Wir konnten den Wurzelstock nicht einfach belassen, da nicht vorherzusehen war, welche Auswirkung sein Verrotten eines Tages auf die Stabilität der Grotte haben würde. Also haben wir mit viel Aufwand ein Widerlager für das Grottengewölbe errichtet, um sicherzustellen, dass sie bei den Arbeiten nicht einstürzt», beschreibt Landschaftsarchitektin Pascale Akkerman von Xeros Landschaftsarchitektur die Überlegungen.

Als das geschafft war, wurde vorsichtig das nötige Material abgenommen, bis der Wurzelstock frei war und herausgehoben werden konnte. Während der Rodung des steilen Hanggeländes hatte sich zudem herausgestellt, dass die Anlage sich einst den kompletten Steilhang hochgezogen hatte und zum Teil als Stützmauer für die Schlossterrasse diente. 

Schloss Hünegg Stützmauer Schlossterrasse

Quelle: Ruedi Schmutz, Schmid + Partner Gartenbau AG

Während der Rodung des steilen Hanggeländes hatte sich herausgestellt, dass die Anlage sich einst den kompletten Steilhang hochgezogen hatte und zum Teil als Stützmauer für die Schlossterrasse diente.

Schloss Hünegg Grotte Sanierung

Quelle: Alexandra von Ascheraden

Die Sanierungsarbeiten der Grotte sind in vollem Gang.

Das Ganze mündete in eine Gesamtsanierung des Hangs. «Durch die fehlende Pflege war immer mehr abgerutscht, Wurzeln haben Mauerteile gesprengt und Steine bewegt. Von der ursprünglichen Idee der Gestaltung war auf dem überwucherten Gelände nicht mehr viel zu erkennen», so Akkerman.

Nackte Nagelfluh liegt frei

Grosse Teile des ehemals verbauten Tuffsteins hatten sich gelöst. Die nackte Nagelfluh lag frei. «Wir sind dabei, die abgerutschten Stützmauern wieder zu stabilisieren», erklärt Schmutz. Teile wurden dafür mit Kalksteinmauerwerk stabilisiert und mit dem noch vorhandenen Tuff nur noch verblendet. Bei einem Teil des Mauerwerks musste der Tuffstein sogar direkt auf die Nagelfluh gesetzt werden, weil die Platzverhältnisse eine Kalksteinmauer nicht zuliessen.

«Überall dort, wo eine statische Sicherung nötig ist, werden Mauern entsprechend der ursprünglichen Bauweise in Alpenkalk erstellt und mit Tuffsteinen verkleidet», so Akkerman. Dabei wird so weit als möglich nach den originalen Methoden gearbeitet. 

Schloss Hünegg Mörtelmischung

Quelle: Ruedi Schmutz, Schmid + Partner Gartenbau AG

Die Bundesexpertin für Mörtelfragen hat Reste des noch vorhandenen Mörtels auf ihre Zusammensetzung hin analysiert. Das Mischungsverhältnis wird den Gegebenheiten auf der Baustelle angepasst.

Mörtel analysiert

«Die Bundesexpertin für Mörtelfragen, Christine Bläuer, hat Reste des noch vorhandenen Mörtels analysiert und uns die Zusammensetzung gegeben. Ausdrücklich aber kein genaues Mischungsverhältnis, da sie der Meinung ist, dieses hänge von dem Sand und Kalk ab, der auf der Baustelle verwendet werde.» Also machte sich Ruedi Schmutz ans Ausprobieren.

Das Ergebnis: Überall, wo Tuff auf Kalkstein trifft, wird eine Mischung aus drei Teilen Sand, zwei Teilen hydraulischem Kalk und einem Teil Trass-Zement verwendet. Portlandzement würde schliesslich Ausblühungen verursachen, deren Salpetergehalt den Tuff schädigen würde. Wo Tuff direkt auf Nagelfluh trifft, verwendet Schmutz drei Teile Sand, drei Teile hydraulischen Kalk und einen Teil Trass-Zement.

«Den Zement braucht es in diesem Fall nur wegen der Frostsicherheit. Weiter im Süden kämen wir auch ohne aus», versichert der Landschaftsgärtner, dem hier seine Zusatzausbildung zum Handwerker in der Denkmalpflege zugute kommt. Wegen der traditionellen Materialien musste die Baustelle den Winter über ruhen. Schmutz erklärt: «Mauern können wir jeweils erst ab April. Wir müssen sicher sein, dass die Temperaturen auch nachts nicht unter fünf Grad Celsius sinken. Die erste Nacht ist bei traditionellem Mörtel die kritischste. Auch in den folgenden zwei Nächten sollte es nicht zu kalt werden.» 

Schloss Hünegg Terrassen Bepflanzung

Quelle: Ruedi Schmutz, Schmid + Partner Gartenbau AG

Die wieder freigelegten und befestigten Terrassen werden mit Oberboden gefüllt und angepflanzt.

Terrassen gezielt bepflanzt

Die wieder freigelegten und befestigten Terrassen werden mit Oberboden gefüllt und angepflanzt. Bambus und Brombeeren wird es hier nicht mehr geben. Schmutz weiter: «Nach den Plänen der Landschaftsarchitekten setzen wir hier Pflanzen, die warme, trockene Standorte bevorzugen. Über dem Gewölbe wird es extrem heiss, und es gibt auch nur wenig Oberboden. Da müssen wir auf Thymian, Alpenveilchen oder Zimbelkraut zurückgreifen.» Dafür gibt es in den beschatteten Bereichen auch Orte für Halbschattengewächse wie braunen Streifenfarn oder Wurmfarn.

Sonnigere Regionen werden mit Glockenblumen, Christrosen oder Zittergras angepflanzt. Die Aufgabe der Gärtner wird sein, die konkurrenzstarken Arten im Zaum zu halten und im Bedarfsfall zu wässern. Nur sie dürfen künftig den wieder erstellten Weg benutzen, der sich malerisch den steilen Hügel hinauf windet, da er nicht für Besuchermassen ausgelegt ist. Ziel ist, dass es in der Grotte zum Muttertag 2022 wieder tropfen soll. Die Beteiligten sind zuversichtlich, dass das klappt. (Alexandra von Ascheraden)

Schloss Hünegg Grotte Sanierung Abschluss

Quelle: Alexandra von Ascheraden

Die Sanierung der Grotte unterhalb des Schlosses soll zum Muttertag abgeschlossen sein.

Geschichte und Besonderheiten

Baron Albert von Parpart, ein sehr begüterter und begeisterter Kunstsammler und ehemaliger preussischer Offizier, und seine Frau Adelheid, geborene von Bonstetten, liebten offenbar die Loireschlösser. Wenn man ihr Schloss Hünegg in Hilterfingen am Thunersee genau ansieht, entdeckt man Elemente, die genau so auch an den Schlössern von Blois, Chenonceau und Azay-le-Rideau zu finden sind.

Das Schloss war der erste selbständig geplante Bauauftrag des Berliner Architekten Heino Schmieden. Dieser war bei Baubeginn 1861 gerade 25 Jahre alt und soeben von einer Reise zu den Loireschlössern zurückgekehrt. Kein Wunder, dass er sich beim Entwurf von Hünegg deren Formensprache bediente. Schmieden machte danach schnell Karriere und wurde 1866 Partner des berühmten Architekten Martin Gropius.

40 Jahre nach seiner Erbauung ging das Schloss zum dritten Mal an neue Besitzer über. Sie liessen mehrere Räume im Jugendstil erneuern. Gespart wurde an nichts. Alles wurde mit eigens entworfenen elektrischen Lampen versehen, die ein eigener Generator mit Strom versorgte.

Das Badezimmer ist mit modernsten Installationen vom Wäschewärmeschrank über Badewanne, Sitzbadewanne, Bidet und WC mit allem ausgestattet, was der Sanitärfachhandel der damaligen Zeit an Luxus zu bieten hatte. Selbst der Familienhund, Bernhardiner Bary, hatte eigene feinste Leinenservietten, die mit seinem Namen bestickt waren. Auch sie sind bis heute erhalten und im Schloss zu besichtigen.

Als das Schloss 1958 vom Staat erworben wurde, waren grosse Teile der Ausstattung noch im Zustand von 1900 erhalten. Sie werden seitdem so erhalten und gepflegt. (ava)

Geschrieben von

Freie Mitarbeiterin für das Baublatt.

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