Oceanix City: Bjarke Ingels plant schwimmende Stadt

Oceanix City: Bjarke Ingels plant schwimmende Stadt

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Teaserbild-Quelle: Oceanix/ BIG-Bjarke Ingels Group
Mandala auf dem Meer

Eine Alternative für Menschen, die bis 2050 wegen steigenden Meeren ihr Zuhause verlieren könnten – das stellt das neue Projekt «Oceanix City» des dänischen Architekten Bjarke Ingels dar. Darin sollen bis zu 10'000 Personen in einer Stadt auf dem Meer leben können.

Eine Visualisierung zeigt, wie die bis zu 500'000 Quadratmeter grosse «Oceanix City» aussehen könnte.
Quelle: 
Oceanix/ BIG-Bjarke Ingels Group

Eine Visualisierung zeigt, wie die bis zu 500'000 Quadratmeter grosse «Oceanix City» aussehen könnte.

In 31 Jahren seien 90 Prozent der grössten Städte der Welt den ansteigenden Meeren ausgesetzt, schreibt das Architekturbüro BIG auf seiner Homepage zum Projekt . Vor allem Häuser und Infrastrukturen von Küstenstädten werden von Erosion und Überschwemmungen betroffen sein. Und damit Millionen von Menschen ihr Zuhause verlieren.

Eine Lösung für dieses Problem könnte das Projekt «Oceanix City» des Architekturbüros BIG bieten: Es stellt ein von Menschenhand geschaffenes Ökosystem auf dem Meer dar, das für bis zu 10‘000 Einwohner Platz bietet. Der dänische Architekt Bjarke Ingels enthüllte das Konzept zur Ozean-Stadt im Rahmen einer Diskussionsrunde über nachhaltige schwimmende Städte am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York. 

Die einzelnen Inseln sollen auch über Flächen für die Landwirtschaft verfügen.
Quelle: 
Oceanix

Die einzelnen Inseln sollen auch über Flächen für die Landwirtschaft verfügen.

Autarke Gemeinden für 300 Einwohner

Die schwimmende Stadt besteht insgesamt aus sechs Dörfern, die jeweils eine Fläche von zwölf Hektar umfassen und Platz für zirka 1‘650 Personen bieten. Zu jedem Dorf gehören zudem sechs Nachbarschaften, die sich allesamt auf einer eigenen Plattform befinden und autarke Gemeinden mit bis zu 300 Einwohnern bilden sollen.

Die Gebäude einer solchen Gemeinschaft haben  zwischen vier und sieben Stockwerke, um die Schwerkraft auf dem Meer möglichst gering zu halten und allfälligem Wind zu widerstehen. Die Arrangements der Stadt sollen zudem so flexibel gestaltet werden, dass der gesamte Komplex bei zu niedrigem Wasserstand bewegt werden kann.

In der «Oceanix City» sind gemäss Konzept auch spezialisierte Stadtviertel mit öffentlichem Raum, Marktplatz sowie Zentren für Bildung, Gesundheit, Sport und Kultur vorgesehen. Und damit sich die Bewohner auch beliebig zwischen den Plattformen bewegen können, soll es als Transportmittel Elektrofahrzeuge oder Boote geben.

Die gesamte Stadt besteht aus sechs Dörfern, zu denen je sechs Nachbarschaften zählen.
Quelle: 
Oceanix

Die gesamte Stadt besteht aus sechs Dörfern, zu denen je sechs Nachbarschaften zählen.

Vorfertigung der Dörfer an Land

Auf den Dächern der Häuser sollen Solarpanels installiert sowie weitere erneuerbare Energiequellen wie Wind- und Wasserturbinen in die «Oceanix City» integriert werden. Die Inseln verfügen zudem über 3‘000 Quadratmeter Fläche, die für Landwirtschaft genutzt werden können. Die einzelnen Komplexe sollen ausserdem so im Meeresboden verankert werden, dass sie sogar einem Hurrikan der Kategorie fünf standhalten.

Unterhalb der Plattformen und unter dem Meeresspiegel sind sogenannte «Biorocks» vorgesehen: Dabei handelt es sich um eine Art Unterbau oder vielmehr um künstliche Korallenriffe. Dies ermöglicht gemäss dem Architekturbüro die Zucht von Jakobsmuscheln, Austern und Meeresalgen, die wiederum zur Säuberung des Wassers beiträgt und die Regeneration des Ökosystems beschleunigt.  

Die schwimmenden Dörfer lassen sich laut BIG an Land vorfertigen, bevor sie an ihren vorgesehenen Standort gebracht werden. Für den Bau sollen Materialien aus lokalen Quellen verwendet werden; zum Beispiel Bambus, der laut BIG die sechsfache Zugfestigkeit von Stahl besitzt und einen negativen CO2-Fussabdruck aufweist.

Unter den Plattformen soll das Züchten von Meeresalgen und Muscheln möglich werden.
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Oceanix

Unter den Plattformen soll das Züchten von Meeresalgen und Muscheln möglich werden.

Prototyp im New Yorker East River

Gemäss BIG ist die bis zu 500‘000 Quadratmeter grosse Ozean-Stadt dafür ausgelegt, mit der Zeit anorganisch anzuwachsen. So können sich später zum Beispiel kleinere Nachbarschaften zu eigenen Städten entwickeln. Damit könne das Projekt unbegrenzt erweitert werden.

«Oceanix» ist ein Unternehmen, das innovative Wege für das Bauen auf dem Wasser entwickelt. Es beauftragte BIG mit der Entwicklung des Konzepts für die maritime Stadt in Zusammenarbeit mit dem Center for Ocean Engineering der MIT. Wie «Oceanix»-Mitbegründer Marc Collins Chen gegenüber «Dezeen» verriet, wird das Team einen ersten Prototyp des Projekts vorantreiben. Ziel sei es, diesen am New Yorker East River zu testen. (pb)