Filmtipp „Walking on Water“: „Total nutzlose" Kunstwerke von Christo

Filmtipp „Walking on Water“: „Total nutzlose" Kunstwerke von Christo

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Mythenfilm
Total „nutzlose Kunstwerke“

Der Lago d’Iseo zog 2014 zahllose Schaulustige und Kunstinteressierte an: Grund war ein gigantischer Pier oder vielmehr eine von Christos spektakulären Installationen. Andrey Paounov zeichnet in seinem Dokumentarfilm den Weg von der Idee zur Realisierung nach und begeistert für den Künstler und seine Werke. – Der Film ist ab heute in den Deutschschweizer Kinos zu sehen.

Es dürfte kaum eine Idee gegeben haben, die für das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude waren zu gross waren, als dass sie nicht umgesetzt werden können. Sie packten den Berliner Reichstag ein, verliehen Inseln pinkfarbene Rahmen und spannten in Kalifornien und Japan gleichzeitig 3000 Schirme auf. „Alle unsere Projekte sind Kunstwerke. Sie sind total nutzlos. Es gibt sie nur, weil ich und Jeanne-Claude sie sehen und verwirklichen wollen““, sagt Christo in Andrey Paounovs Dokumentarfilm „Walking on Water“.

Mittlerweile realisiert er seine gigantischen Installationen ohne seine Weggefährtin, 2009 ist Jeanne-Claude verstorben. Von einem Projekt, das Christo im Alleingang umgesetzt hat, erzählt der Film: 2014 installierte er auf dem zwischen Como und dem Gardasee gelegenen Lago d’Iseo einen drei Kilometer langen Pier. Die Dokumentation zeigt, wie der Künstler mit viel Leidenschaft und Begeisterung die Anwohner für sein Projekt gewinnt und wie sein temporäres Bauwerk nach ein Hindernissen und leidenschaftlichen Diskussionen schliesslich die Gestalt annimmt, die er im Kopf gehabt hat. Und es erzählt auch von Christos beinahe kindlichen Freude, wenn ein Projekt geglückt ist und für Staunen sorgt.

Ich bin schon immer von Christo und Jeanne-Claude fasziniert gewesen“, sagt Paounov. „Sie sind kompromisslos in ihrer Vision, wie Kunst konzipiert, finanziert und produziert werden soll - in völliger Unabhängigkeit und mit dem einzigen Ziel, Freude und Schönheit zu schaffen.“ Für Christo sei Kunst ein Prozess und kein Endresultat. Insofern seien die Piers lediglich das Sahnehäubchen. Das macht auch der Film deutlich: Der Bau der Piers ist eigentlich das Spannendeste. (mai)