EWB plant drei Hochhäuser in Bern-Ausserholligen

Teaserbild-Quelle: zvg

Der Stadtberner Energieversorger Energie Wasser Bern (EWB) will in Bern-Ausserholligen drei Hochhäuser bauen. Das höchste könnte bis zu 110 Meter hoch werden. Darin soll sich künftig der EWB-Hauptsitz befinden.

Wie EWB, die Areal-Mitbesitzerin BLS sowie die Stadt Bern am Montag in Bern vor den Medien bekanntgeben, soll auf dem Gelände bei der S-Bahn-Haltestelle Bern Europaplatz eine grosse Büro-, Dienstleistungs- und Wohnüberbauung entstehen. Der 110 Meter hohe EWB-Hauptsitz soll das markanteste Gebäude dieser Überbauung sein.

Es sind aber vier Gebäude geplant – die übrigen zwischen 30 und 90 Metern hoch. Schon seit Längerem bekannt ist, dass der Energieversorger den heutigen Hauptsitz an der Berner Monbijoustrasse verlassen und seine verschiedenen Standorte in einem Gebäude konzentrieren will. Nach einer Testplanung und weiteren Vertiefungsarbeiten liegt nun die städtebauliche Vision für das Gelände des neuen Hauptsitzes vor.

Im Frühling dieses Jahres soll ein Studienauftrag zur weiteren Arealentwicklung lanciert werden. Parallel dazu wird die Stadt Bern eine Überbauungsordnung ausarbeiten und diese voraussichtlich Anfang 2022 der Stadtberner Stimmbevölkerung zur Abstimmung vorlegen.

Denn das Areal muss von einer Industrie- und Gewerbezone zu einer Dienstleistungs- und Gewerbezone umgezont werden. Das ist die Voraussetzung dafür, dass auf dem EWB/BLS-Gelände auch Wohnungen gebaut werden können. Rund 70'000 Quadratmeter Geschlossfläche sind geplant. Auf einem Viertel davon sollen Wohnungen entstehen. Ende 2024 möchte ewb den neuen Hauptsitz beziehen. Etwa 2030 ist das ganze Areal neu bebaut.

Höher als Berner Münster

Bisher galt in Bern das ungeschriebene Gesetz, dass kein Gebäude höher sein darf als der Turm des Berner Münsters. Er ist 101 Meter hoch. Darauf angesprochen sagte Berns Stadtpräsident Alec von Graffenried vor den Medien, er gehe davon aus, dass ein 110 Meter hohes Hochhaus an dieser Stelle auf Akzeptanz stosse.

Bern-Ausserholligen liege ja recht weit von der Berner Altstadt entfernt und in Ostermundigen habe der Bau eines Hochhauses begonnen, das ebenfalls höher werde als 100 Meter – nämlich 100,5 Meter. Zudem gehöre das Areal zum Stadtteil Bümpliz-Oberbottigen mit seinen vielen Hochhäusern. Es stehe auch nirgendwo, dass kein Berner Hochhaus höher sein dürfe als 101 Meter, so von Graffenried weiter.

Wie hoch genau der neue EWB-Hauptsitz werde, sei im Studienauftrag noch festzulegen, sagte Stadtplaner Mark Werren. Die Testplanung habe aber gezeigt, dass 110 Meter an dieser Stelle «ein gutes Mass» seien. Entscheidend werde auch die Gestaltung des Gebäudes sein.

BLS prüft Verschiebung Haltestelle

EWB-, BLS- und Stadtvertrerer sprachen von einem «neuen Zentrum», das im Westen Berns auf dem von der Autobahn A12 überquerten Gelände entstehe. Angestrebt werde ein gemischt genutzter, lebendiger und optimal mit dem öffentlichen Verkehr erschlossener «Quartierbaustein».

Von Graffenried sagte, die Stadt Bern habe nicht noch einmal eine Planung wie auf dem Areal Wankdorf City 1 gewollt, wo ausserhalb der Bürozeiten nicht viel Leben herrscht. Die Stadt Bern freue sich, so der Stadtpräsident, dass es im kantonalen Entwicklungsschwerpunkt Ausserholligen vorwärts gehe.

BLS-Vertreter Daniel Wyder gab bekannt, sein Unternehmen prüfe die Verschiebung der S-Bahn-Haltestelle Stöckacker um 400 Meter nach Osten. Dies, um dieses «neue Zentrum»rund um den neuen EWB-Hauptsitz und den geplanten Berner Fachhochschul-Campus Weyermannshaus optimal mit dem öffentlichen Verkehr zu erschliessen.

«Der Campus erhält auf diese Weise praktisch eine eigene Bahnstation», sagte der Leiter Infrastruktur BLS weiter. Der Fachhochschul-Campus soll 2026 eröffnet werden und für 6000 Studierende, Dozierende und weitere Angestellte Arbeits- und Studienort sein. Wyder schloss nicht aus, dass an der allfälligen Haltestelle Europaplatz Nord – so ihr provisorischer Name – künftig auch Regio-Express-Züge halten.

Veloroute unter Autobahnbrücke

Bekanntgegeben wurde am Montag weiter, dass es nun doch technisch möglich sei, unter dem Weyermannshausviadukt der Autobahn A12 eine Nord-Süd-Velo- und Fussgängerverbindung einzurichten. Die Stadt Bern und die Planungspartner beabsichtigen, diese Flächen zu einem «urbanen Freiraum» aufzuwerten. (sda/pb)