DAM-Preis für James-Simon-Galerie von David Chipperfield

Teaserbild-Quelle: Ute Zscharnt/ David Chipperfield Architects
Krönendes Ende einer langen Geschichte

Krönender Abschluss für ein Gebäude mit langer Entstehungsgeschichte: Das Besucherzentrum, das  David Chipperfield für die Museumsinsel in Berlin entworfen hat, ist vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) mit dem DAM-Preis ausgezeichnet worden. Ins Finale schaffte es auch das Redaktions- und Verlagsgebäude der "taz" in Berlin von "e2a" aus Zürich.

Welcher Bau ist der beste im ganzen Land? Diese Frage stellt alljährlich das Deutsche Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main und ehrt jeweils einen herausragenden Bau mit dem DAM-Preis. Heuer ging die Auszeichnung an die James-Simon-Galerie in Berlin aus der Feder von David Chipperfield; Er hat auch den Neubau des Kunsthauses Zürich entworfen, der voraussichtlich im Herbst 2021 seine Pforten öffnet.

Die James-Simon-Galerie ist 2018 fertig gestellt worden und dient der Museumsinsel als Besucherzentrum. Sie umfasst unter anderem einen grosszügigen Museumsshop, einen Vortragssaal, ein Café und ein Restaurant sowie Flächen für Wechselausstellungen. Laut DAM ist dem Architekten ist mit dem Bau ein „städtebaulicher Spagat“ gelungen. An „einer der prominentesten wie auch sensibelsten Stellen Berlins“ habe es gegolten, ein repräsentatives Eingangsgebäude zur Museumsinsel zu schaffen.

20 Jahre vom Entwurf bis zur Eröffnung

Bis die James-Simon-Galerie den Betrieb aufnehmen konnte, hatte es eine Weile gedauert. Nachdem David Chipperfield den Architekturwettbwerb zur Neugestaltung des Eingangsbereiches der Museumsinsel 1999 gewonnen hatte, wurden die Planungen rund drei Jahre später temporär auf Eis gelegt. Dies, weil der in der Zwischenzeit die Kosten für die Sanierung des Pergamonmuseums massiv angestiegen waren. Und als der Deutsche Bundestag für das Projekt im Jahr 2006 73 Millionen Euro bewilligt hatte, wehrte sich eine Bürgerinitiative gegen das Bauvorhaben. Es hagelte teils heftige Kritik: „So nicht, Mr. Chipperfield!“ titelte damals die Frankfurter Zeitung. David Chipperfields Entwurf für den Eingangsbau sei missraten, hiess es. Der Architekt habe einen Baukörper aus Glas und Stahl vorgeschlagen, dem jede Präsenz, jede Aura fehle. Schliesslich überarbeitete Chipperfield den Bau.

Schliesslich verzögerte sich die Realisierung abermals. Schuld war dann der Baugrund auf dem Eiland in der Spree: Vor der offiziellen Grundsteinlegung im Herbst 2013 mussten 1200 Pfähle in den Boden gerammt werden. Eröffnet wurde das Gebäude schliesslich letztes Jahr, am 12. Juli. – Zuletzt hatten sich die Baukosten mit 134 Millionen beinahe verdoppelt. (mai)

Laut der Jury handelt es bei dem Chipperfield-Bau um einen „Stadtbaustein“, der mit grosser Sorgfalt zwischen die Bauten der klassischen Meister Friedrich August Stüler (Neues Museum, Alte Nationalgalerie), Karl Friedrich Schinkel (Altes Museum) und Alfred Messel (Pergamonmuseum) eingefügt worden ist. Materialien und Ausführung seien exquisit gewählt und gefügt. Im Inneren glatter Sichtbeton, der mit einer transluzenten Marmorwand oder Furnieren aus dunklem Walnussholz kontrastiere, wärhrend der Marmorzuschlag im Beton der Fassade den strahlenden Charakter des Baus.

Projekt von „e2a“ aus Zürich im Finale

Neben der Galerie schafften es weitere vier Projekte auf die Finalliste. Eines davon ist der Neubau des Redaktions- und Verlagsgebäudes der „taz“, ebenfalls in Berlin. Die Architektur dazu stammt von e2a“ aus Zürich. Der Neubau vermittle in seiner besonderen Ecklage an der Friedrichstrasse zwischen dem traditionellen Berliner Block und den Solitärbauten aus der Zeit der IBA von 1984, teilt das DAM mit.

 

Innenaufnahme "taz"-Redaktions- und Verlagsgebäude, Berlin.

Auch ein Büro aus der Schweiz schaffte es in die Finalrunde: Von "e2a" aus Zürich stammt das Redaktions- und Verlagsgebäude der "taz" in Berlin.

Gemäss Jury haben die Architekten mit möglichst wenigen Elementen „eine grösstmögliche Belastbarkeit“ erreicht. So besteht die Hauptstruktur aus diagonalen Verstrebungen entlang der Gebäudehülle, es bedarf keiner zusätzlichen Unterstützung auf der Innenseite. Im Innern sogen rund 13 Meter tiefe Büroflächen für eine Werkstattatmosphäre und ermöglichen unterschiedlichste Arbeitsformen. Dabei dient die Treppe im Zentrum des Gebäudes als „vertikale Begegnungs- und Fussgängerzone“, die sich über die ganze Höhe des Gebäudes zieht. Sie sei ein Ort der Begegnung und des informellen Austauschs, heisst es in der Medienmitteilung. „Hier atmet das Gebäude und fördert die spontane Kommunikation.“

Projekte aus Bayern, Frankfurt am Main und Berlin

Ebenfalls ins Final schaffte es das Eingangsgebäude des Freilichtmuseums Glentleiten in Bayern. Seine Schöpfer, die Florian Nagler Architekten aus München, haben sich für das Projekt von Bauernhäusern des Bayerischen Oberlandes inspirieren lassen. Das Lob der Jury fand die Idee, ein grosses, einfaches Dach zu bauen und darunter eine robuste Struktur zu schaffen, die verschiedene Funktionen verbindet und sowohl flexibel als auch nachhaltig ist. Das Dachvolumen orientiere sich am Massstab der umliegenden Gebäude und füge sich erstaunlich gut in den Kontext ein.

Weiterer Finalist ist der der Stylepark-Neubau am Peterskirchhof in Frankfurt am Main. In der Innenstadt sollte ein Wohn- und Geschäftshaus in einen Hinterhof erweitert werden. Das Besondere daran: Das Gebäude grenzt direkt an die Mauer des Peterskirchhofs oder vielmehr an einen denkmalgeschützten, parkähnlich angelegten Friedhof. Die Architekten des Frankfurter Büros NKBAK setzten den Backsteinbau direkt auf die Friedhofsmauer. Bei dem Gedanken hinter dem Konzept stand laut DAM nicht Abgrenzung, sondern Weiterbauen und „die Akzentuierung von Zeitschichten“ im Vordergrund.                                       

Mit dem Projekt „einfach gebaut“ in Berlin schaffte es ein weiteres Gebäude aus der deutschen Hauptstadt in die Endrunde: Es handelt sich um ein Komplex aus zwei Wohnhäusern, den die Berliner „orange architekten“ in Eigenregie gebaut haben. Ausgangslage bildete ein als unbebaubar geltendes Grundstück in Berlin-Friedrichshein, das die Architekten in Eigenregie gebaut haben. Für das Projekt hatten die Architekten unter anderem eine Netzfassade mit gesteckter Wärmedämmung entwickelt, die ohne Verbundmaterialien auskommt und laut DAM „sortenrein demontabel und rezyklierbar“ ist. (mai)