Campus Biel steht frühestens 2025 und verzögert Campus Burgdorf

Teaserbild-Quelle: pool Architekten

Der Campus Biel der Berner Fachhochschule (BFH) wird frühestens im Herbst 2025 eröffnet und nicht frühestens 2023, wie es zuletzt hiess. Dadurch verzögert sich auch die Realisierung des geplanten Bildungscampus von Burgdorf.

Visualisierung des Campus Biel
Quelle: 
pool Architekten

Visualisierung des Campus Biel. 

Den neuen Fahrplan zum BFH-Campus Biel und zum Bildungscampus in Burgdorf gab die Berner Kantonsregierung am Dienstag bekannt. Dies im Rahmen einer Medienkonferenz zu den Gründen für die Verzögerung und die höheren Kosten beim Projekt in Biel. Nachdem der Kanton Bern im vergangenen Jahr die Ausschreibung des Totalunternehmerauftrags abgebrochen hatte, beauftragte er ein Basler Büro mit einer Expertise. Diese liegt nun vor.

Ihr zufolge haben hohe Ansprüche an das Gebäude, kostentreibende Projektänderungen, enge Termine und eine anspruchsvolle Projektorganisation für die Überschreitung des vom Grossen Rat bewilligten Kredits gesorgt. Ebenfalls ein Faktor war die offene Rechtslage. Zudem wurden die Kosten für den komplexen Bau von Anfang an zu optimistisch kalkuliert.

Ungenügendes Controlling

«Den Schuldigen gibt es nicht», sagte der bernische Baudirektor Christoph Neuhaus vor den Medien. «Das heisst aber auch nicht, alle hätten die Arbeit einwandfrei gemacht». Die Expertise hat laut Neuhaus auch gezeigt, dass das kantonale Amt für Grundstücke und Gebäude (AGG) unterdotiert ist. Das externe Controlling sei dadurch zu wenig eng gewesen.

Der Regierungsrat hat nun beschlossen, das Projekt weiter zu durchleuchten. Bis Anfang 2021 soll das Wünschbare vom Notwendigen getrennt werden. Beispielsweise wird überprüft, ob der ganze Bau wirklich aus Holz bestehen soll oder ob für tragende Elemente nicht auch Beton zur Anwendung kommen könnte.

Mitte 2021 sollen die Optimierungsmöglichkeiten definiert sein. Dann wird dem Grossen Rat vermutlich ein Zusatzkredit vorgelegt. Bis Mitte 2021 dürfte auch die Rechtslage geklärt sein. Der Regierungsrat setzt eine Taskforce ein, welche die Arbeiten begleitet. Das AGG wird personell verstärkt.

Zwei Departemente in Biel

Der Bau des BFH-Campus Biel gehört zur geplanten Standortkonzentration der Berner Fachhochshule. Sie ist heute auf über 20 Gebäude in drei Städten aufgeteilt. Die Konzentration soll sie attraktiver machen.

Auf dem Feldschlössli-Areal südöstlich des Bieler Bahnhofs will der Kanton Bern die beiden BFH-Departemente Technik und Informatik sowie Architektur, Holz und Bau konzentrieren. Der bernische Grosse Rat bewilligte im Juni 2017 den Baukredit von 233,5 Millionen Franken.

Der BFH-Teil Architektur muss nun zuerst von Burgdorf nach Biel umziehen, bevor der Kanton Bern in Burgdorf den dortigen Bildungscampus realisieren kann. Er soll aus dem erweiterten Burgdorfer Gymnasium bestehen und aus der von Bern her verlegten technischen Fachschule Bern.

2016 hatte sich die Berner Politik nach einem zähen regionalpolitischen Ringen darauf geeinigt, die BFH auf Bern und Biel zu beschränken und die technische Fachschule Bern nach Burgdorf zu verlegen. Burgdorf sollte auch etwas bekommen.

Der Kanton Bern prüft nun, ob und wie sich die nötige Erweiterung des Gymnasiums Burgdorf terminlich vom restlichen Bildungscampus-Projekt abkoppeln lässt. Die Inbetriebnahme des Bildungscampus Burgdorf verzögert sich «im besten Fall», so der Regierungsrat, um drei Jahre.

Rechtsstreit hängig

In Biel soll die Baugrube, welche nun schon seit längerer Zeit existiert, zwischengenutzt werden. Geplant ist dort ein Holzgebäude mit drei Ausbuchtungen, das von oben an ein dreiblättriges Kleeblatt erinnert. Eine Zürcher Architekturgemeinschaft gewann 2015 mit einem Entwurf namens «Trèfle» (Klee, Glücksklee) den Architekturwettbewerb des Kantons Bern.

Kein Glück hatte der Kanton Bern aber mit dem Besitzer einer Parzelle, welche für den Bau des BFH-Campus benötigt wird: Er wehrt sich weiterhin gegen seine Enteignung. Sein Haus steht immer noch auf dem Areal. Das Enteignungsvefahren dauert an. Sollte er Recht bekommen, würde sich die Eröffnung des BFH-Campus bis 2029 verzögern. Der Kanton Bern geht aber davon aus, dass dieses Szenario nicht eintritt.

Blockiert blieb das Bauvorhaben aber auch, weil bis heute die Baubewilligung aussteht. Dies, weil die Überbauungsordnung noch nicht rechtskräftig ist. Im September 2019 brach das AGG die Ausschreibung für den Totalunternehmer-Auftrag ab. Das günstigste Angebot für den Bau des BFH-Campus überschritt den Grossratskredit um rund 19 Prozent. (sda)

Die vollständige Expertise kann hier angeschaut werden.