Recyclingbeton mit Mischgranulat stabiler als angenommen

Recyclingbeton mit Mischgranulat stabiler als angenommen

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Michel Gaida, Pixabay-Lizenz
Stabilerer Recyclingbeton

Wird heute Recyclingbeton verwendet, handelt es sich in der Regel um hochwertigen Recyclingbeton aus sorgfältig aussortiertem Abbruchmaterial. Nun zeigen Tests der Hochschule Luzern (HSLU), dass Beton aus weniger stark aussortiertem Mischgranulat tragfähiger ist, als bisher angenommen.

Quelle: 
Hochschule Luzern

Betonplatte mit grob sortiertem Mischgranulat im Test an der Hochschule Luzern.

Heute wird Recyclingbeton grösstenteils aus sorgfältig aussortiertem Abbruchmaterial hergestellt. Dieser Beton ist qualitativ hochwertig. Allerdings lässt sich Recyclingbeton auch aus weniger eingeschränkt aussortiertem Material herstellen, oder vielmehr aus sogenanntem Mischgranulat. Die Qualität solchen Betons ist dann jedoch unbestritten niedriger. Bislang war allerdings nicht klar, wie stark sich die Festigkeit tatsächlich verringert und wie sich dies auf seine Verwendungsmöglichkeit auswirkt. 

 „Bis jetzt wurde Beton, der Mischgranulat enthält, noch ungenügend auf seine Tragfähigkeit hin getestet“, erklärt Projektleiter Albin Kenel, Leiter des Instituts für Bauingenieurwesen der Hochschule Luzern. Darum fehle die Grundlage für einen effizienteren Einsatz des Baustoffs. - Wegen seiner geringen Einsatzmöglichkeiten macht die Verwendung von Beton aus Mischgranulat wirtschaftlich kaum Sinn. Paradoxerweise wäre eigentlich gerade die erhöhte Wirtschaftlichkeit sein Vorteil: Der Verzicht auf aufwendiges Aussortieren beim Abbruch von Gebäuden bedeutet weniger Aufwand. Dadurch steht wiederum mehr Material für die Wiederverwendung zur Verfügung.

Tests verliefen positiv                                      

Um die Einsatzmöglichkeiten von Beton aus Mischgranulat zu erweitern, klärten nun Ingenieure des Instituts für Bauingenieurwesen der Hochschule Luzern unter anderem auf Initiative der Stadt Zürich, wie viel Belastung das Material tatsächlich aushält. Zu diesem Zweck liessen die Experten Platten herstellen, die den im Hochbau tatsächlich verwendeten entsprechen. Diese bauten sie an der Prüfstelle auf dem Campus in Horw auf Stützen auf und belasteten sie unter genauester Beobachtung schrittweise immer stärker, bis sich erste feine Risse zeigten und die Platte schliesslich versagte oder vielmehr „durchstanzte“.

Das Ergebnis sei bemerkenswert, heisst es dazu in der Medienmitteilung der HSLU. Kenel erklärt: „Die Durchstanz-Tragfähigkeit von Platten, denen Mischgranulat beigemischt ist, ist zwar um etwa fünf Prozent geringer als von Platten aus nicht-rezykliertem Material – der Unterschied fällt aber deutlich kleiner aus, als in den Normen festgelegt.“  Kenel überrascht das Resultat nicht, bereits frühere Tests der Hochschule Luzern hatten darauf hingedeutet. 

Anpassung der SIA-Normen

Welche Materialien wann welcher Belastung ausgesetzt sein dürfen, wird in den Normen und Merkblättern des SIA festgehalten. Bislang waren Bemessungsvorgaben für Beton aus Mischgranulat sehr konservativ – schliesslich handelte es sich um wenig getestetes Material. Nachdem nun klare Testresultate vorliegen, soll das SIA-Merkblatt bis 2020 entsprechend angepasst werden. Gegenwärtig befindet sich die überarbeitete Version in der Vernehmlassung. Armin Grieder vom Amt für Hochbauten der Stadt Zürich freut sich über die Testresultate: „Die Stadt Zürich ist sehr interessiert daran, im Hochbau Recycling-Beton aus Mischabbruch einzusetzen. Wir sehen hier ein grosses Potenzial, die Abfallberge, die sonst beim Abbruch von Bauten entstehen, zu verringern.“ (mai/mgt)

An dem Projekt waren als Partner und Finanzierer neben der Stadt Zürich auch die Firma F.J. Aschwanden AG sowie die Baufirmen Toggenburger AG und Kibag AG beteiligt