08:01 BAUPRAXIS

Ödland unter Strommasten wird Unken-Kinderstube

Teaserbild-Quelle: Wolfgang Bischoff, Naturschutzlösungen

Im Gebiet zwischen Saane und Aare ziehen sich dicht an dicht Betonsockel mit Strommasten durch die Landschaft. Die ungenutzten Flächen unter den Masten hat Pro Natura mit Tümpeln aufgewertet. Dabei gab es einiges zu beachten – vom Blitzschutz bis zum Stöpsel.

Tümpel mit Kiesaufschüttung

Quelle: Wolfgang Bischoff, Naturschutzlösungen

Der fertiggestellte Tümpel mit Kiesaufschüttung. Daneben ein weiteres wichtiges Element: der Asthaufen als Unterschlupfmöglichkeit.

Für einmal sind Unkenrufe im Zusammenhang mit einem AKW auch dem Betreiber willkommen. In der Umgebung des AKW Mühleberg wurden nämlich im vergangenen Sommer Tümpel für Gelbbauchunken angelegt. Und dies an sehr speziellen Orten – dem nicht nutzbaren Ödland unter den Freileitungsmasten, die die in AKW und Wasserkraftwerk produzierte Energie ins Bernbiet liefern. Da sich die Masten naturgemäss in allen Richtungen vom Kraftwerk aus aneinanderreihen, sind die Tümpel automatisch vernetzt – eine ideale Voraussetzung dafür, die ausgeräumte Landschaft mit «Trittsteinen» für Amphibien durchlässiger zu machen.

Die Grösse der Masten variiert, so dass zwischen den Betonfundamenten, auf denen sie verankert sind, zwischen neun und 36 Quadratmetern ungenutzter Fläche verbleiben. Entsprechend variiert auch die Grösse der Tümpel. Im zweiten Sommer seit der Fertigstellung der Anlage konnte in mehreren der Tümpel tatsächlich der Laich von Gelbbauchunken nachgewiesen werden. Diese Amphibienart ist stark gefährdet, da sie auf kleine, flache Laichgewässer angewiesen ist, in denen sich das Wasser schnell erwärmt. Zudem müssen ihre Tümpel über mehrere Wochen im Jahr trocken fallen, damit der Nachwuchs vor Fressfeinden wie Fischen oder Libellenlarven sicher ist.

Zehn Tümpel angelegt

In einem Pilotprojekt hat Pro Natura insgesamt zehn Tümpel angelegt. «Wir haben an der tiefsten Stelle jedes Tümpels einen eigens entwickelten Stöpsel eingebaut, der im Herbst gezogen und im Januar wieder eingesetzt werden kann», sagt Andrea Haslinger, die das Projekt bei Pro Natura verantwortet. Ein unter dem Folienteich liegender Sickerkoffer aus Kies erlaubt, dass das Wasser versickert. Für die ausgewachsenen Amphibien wurden zudem bei jedem Tümpel Asthaufen als Unterschlupf angelegt.

Die Tümpel liegen allesamt im Gebiet zwischen Saane und Aare, ausgehend vom AKW Mühleberg und dem danebenstehenden Wasserkraftwerk. Hier reiht sich Strommast an Strommast. Zwischen den Betonsockeln am Boden liegt das Gelände brach. Durch die Aufreihung der Masten ergibt sich die so wichtige Vernetzung der Biotope fast von selbst. Es konnten allerdings nur Masten gewählt werden, in deren Nähe ohnehin Gelbbauchunkenbestände vorhanden waren. «Es hat teilweise trotzdem erstaunlich lange gedauert, bis die Unken die nur wenige Meter entfernten neuen Tümpel gefunden haben», stellt Haslinger fest.

Erdung elegant umgangen

Die Teiche sind als herkömmliche Folienteiche ausgeführt, die mit einer Kiesaufschüttung gedeckt wurden. Ursprünglich wollten die Naturschützer Blechwannen unter den Strommasten vergraben. Elemente aus Metall sind jedoch unter Hochspannungsleitungen zu vermeiden, da die nötige Erdung aufwändig ist.

Swissgrid, die Besitzerin der Masten, mit der alle Standorte abgestimmt werden mussten, bestand auf einem elaborierten Blitzschutz, wenn leitfähige Teile unter dem Masten vergraben werden. Kaspar Haffner, Senior Communication Manager bei Swissgrid, erläutert: «Die Frage bezüglich korrekter Erdung der Metallwannen wurde mit der Fachkommission für Hochspannungsfragen (FKH) geprüft. Die korrekte Erdung von Metallelementen, insbesondere von Strukturen, welche aus dem Mastfussbereich herausragen, hätte von Fall zu Fall beurteilt werden müssen.»

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